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Blog Med-in-Mallorca - Javier Moreno

Javier Moreno

Seit 1998 lebe ich, Javier Moreno, auf Mallorca und betreibe eine kardiologisch-/internistische Praxis. In diesen Jahren habe ich in der Arbeit mit unseren Patienten die Erfahrung gemacht, dass “gute Medizin” auch v.a. Problem lösen heisst: ehrliche Information, Empathie und Hilfsbereitschaft in kleinen und grossen Dingen. Medizin ist ein so vielfältiges und interessantes Feld, dass ich seit einigen Jahren versuche, auch anderen Menschen, die nicht als Patienten in meine Praxis kommen, über meinen Praxis-Blog (in Spanisch und Deutsch) mein persönliches Verständnis zu Themen gesundheitlichen und medizinischen Inhalts näherzubringen und mich mit ihnen auszutauschen.

Über diesen Blog | Gesundheit

Neuigkeiten und Meinungen zu Medizin und Gesundheit


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  • Über Blasenentzündungen und spanische Schweine

    Über Blasenentzündungen und spanische Schweine

    Jährlich sterben in Europa (schon) 25.000 Menschen an den katastrophalen Folgen resistenter Bakterien, die sich in unserem Körper niedergelassen haben und durch nichts mehr zu besiegen sind. Was eins der grössten Entdeckungen für die Menschheitsentwicklung und die weltweite Gesundheit war, das Penizillin, könnte sich innerhalb wenigen Jahren zum grössten Flop erweisen. Denn es wirkt nicht mehr – oder immer weniger. Und wir laufen Gefahr, wieder wie die Menschen bis zum 19. Jahrhundert leben zu müssen: jede kleine bakterielle Entzündung kann zum tötlichen Risiko werden, egal, wie alt, wie gesund wir sind oder welchen Geschlechts wir sind.

    Einer der grössten Schätze der Menschheitsgesundheit, unser Arsenal der Antibiotika, ist dabei, wertlos zu werden – und das könnte das Armaggedon werden.

    Wir haben alle Schuld

    Und warum? Sehr einfach, aus menschlichem Versagen auf der ganzen Linie. Wir alle versagen: als erstes die verantwortlichen Behörden, die Tierärzte, die Bauern, letztendlich wir, als Konsumenten.

    Denn, jedesmal, wenn wir ein Stück Fleisch aus konventioneller Herstellung (also Massentierhaltung, weiss jeder) kaufen, müssen wir uns darüber klar sein, was wir da verschlingen. Essen wir nur ein Kilo Fleisch konkret aus Spanien, haben wir 402 Milligram darin enthaltene Antibiotika mitgegessen. Wir wissen auch, dass Antibiotika ja “nur” vorsorglich den Tieren verabreicht werden, damit die armen Tierchen in ihren Gefängnissen nicht krank werden. Und der Bauer weiss, dass es funktioniert. Darum wendet er es ja an. Der Tierarzt weiss, was der Bauer tut; der Politiker weiss, was läuft und tut nichts, bzw. gibt EU-Richtlinien über Höchstangaben raus, usw.

    Spanien ist nach Zypern das europäische Land mit der höchsten Antibiotikagabe in der Tierzucht in Europa. Und das heisst nicht "ein bisschen höher. Es heisst viermal so hoch, wie der EU-Durchschnittslandwirt es treibt.

    Und dann wundern Sie sich, wenn Sie Ihre ständigen Blasenentzündungen nicht mehr in den Griff bekommen, oder viel trauriger, wenn vielleicht mal ein Kindergartenkind an einer Lungenentzündung stirbt…

    Bakterien kennen keine Grenzen

    Jetzt denken Sie, macht mir doch nichts. Erstens: Ich kaufe ja kein spanisches Fleisch. Ich kaufe das ja beim Discounter, das kommt bestimmt aus Polen oder China. Nein, im Ernst. Sie kaufen Schwein im deutschen Supermarkt in Deutschland und es kommt mit grosser Wahrscheinlichkeit aus Katalonien, Europas grösstem Fleischversorger. Zweitens: Ich bin Vegetarier oder ich kaufe nur Bio. Ja, da haben Sie zu einfach gedacht. Die Konsequenzen aus dem Antibiotika-Wahnsinn bezahlen ja nicht die Bauern, oder die Behörden, oder die Politiker. Die bezahlen wir alle. Und unsere eigene fleischhaltige oder fleischlose Diät ist da völlig unerheblich. Denn die bakterielle Resistenz gegenüber Antibiotika kennt keine Grenzen und macht auch keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier.

    Nun droht Belgien (ausgerechnet ein Land, was so viel mit unserem geliebten Spanien gemeinsam hat) mit Anzeige in Brüssel, da sich die spanischen Bauern (und Ärzte!!!!!) in keinster Weise an die europäischen Vorschriften halten. Worauf die Belgier ihre Drohung gründen, ist andererseits auch nicht ganz klar. Man weiss, dass zwischen 2011 und 2015 die Verwendung von Antibiotika in Europa um 13 Prozent zurückgegangen ist. Aber von Spanien gibt es in diesem Zeitpunkt darüber noch nicht einmal sichere Daten. Immerhin wurde hierzulande wenigstens beschlossen, eines der meistverwendeten Antibiotika in der Schweinezucht, das Colistin, zu reduzieren. Ein Reserveantibiotikum, also gedacht für einen medizinischen Supergau. Allerdings ist das keine Vorschrift, sondern nur eine Mahnung zur Besserung an die Fleischproduktionsstätten (um sie nicht Höfe zu nennen).

    Wenn alles nichts hilft, bleibt nur noch die die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Aber ist die eine unabhängige Organisation?

    Bleiben Sie gesund!

    Quellen: elpais.com, elmundo.es 

     

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