Flanieren mit Auguste Rodin
Von Silke Droll
Auguste Rodin läutete die Moderne in der Bildhauerei ein. Der 1840 in Paris geborene Franzose brach mit akademischen Traditionen und schuf neue Repräsentationsformen. Weltberühmt sind seine ýBürger von Calais", die Rodin ohne den Distanz schaffenden Sockel plante. Individualität, Fragmentierung und Demokratisierung lauten die Schlagwörter im Hinblick auf die gewollte Nähe zum Betrachter. Rodin war es wichtig, seine Skulpturen im öffentlichen Raum zu präsentieren.
Die Kulturstiftung von La Caixa folgt nun dieser Tradition und hat sieben bedeutende Figuren aus dem Pariser Rodin-Museum nach Palma geholt. Die Skulpturen sind bis 27. Januar entlang dem Passeig del Born zu bewundern. Rodin habe stets die Harmonie zwischen dem Ort und der Darstellung gesucht und dabei an den Betrachter gedacht, schreibt Hélène Marraud, die Kuratorin der Ausstellung. Die Wahrnehmung des Betrachters hing für ihn nicht nur von eigentlichen Werk ab, sondern auch von seinem Zusammenspiel mit dem Licht und der Umgebung der Plastik. Insofern entspricht sein Werk perfekt der Ausstellungsreihe ýArte en la Calle" von La Caixa (Kunst auf die Straße), bei der es um das Zusammenspiel zwischen Bürgern, Kunst und Architektur geht.
Teil des ýHöllentors"
Unter den in Palma aufgestellten Werken ist auch Rodins berühmter ýDer Denker". Die Monumentalskulptur war 1906 im Herzen der französischen Hauptstadt erstmals aufgestellt worden, 1922 wurde sie in die Gärten des Rodin-Museums in Paris gebracht. ýDer Denker" war im Zusammenhang mit Rodins ýHöllentor¨ enstanden, dann aber nicht in das Bronzeportal integriert worden. Das oft als sein Hauptwerk bezeichnete ýHöllentor" wurde erst nach dem Tod des Künstlers 1926 gegossen. Rodin selbst hatte Jahrzehnte daran gearbeitet, aber keinen Abschluss gefunden. 1917, kurz vor seinem Tod, nahm er einzelne Figuren, wie den ýDenker" heraus.
Die anderen sechs Bronzefiguren, die in Palma zu sehen sind, entstanden in den Vorstudien zu Rodins Figurengruppe ýDie Bürger von Calais". Dabei ist die Figur des Pierre de Wissant in zwei Variationen zu sehen. 1885 hatte Rodin den Auftrag der Stadt Calais erhalten, ein Denkmal für die sechs Bürger der Stadt zu schaffen, die während des Hundertjährigen Krieges ihr Leben für die Stadt geopfert hatten.
Rodins Anspruch, die bronzenen Edelbürger durch das Weglassen des Sockels mit den Menschen der Stadt in Verbindung zu bringen, wurde zunächst nicht Rechnung getragen. Die Figuren mit den besonders charakteristischen Händen erhielten die ihnen zugedachte Position erst 1945, als sie auf dem Boden vor dem Rathaus von Calais aufgestellt wurden.
Rodin, der in jungen Jahren mehrmals von der bedeutendsten Kunstakademie Frankreichs abgelehnt worden war, wurde später als bedeutender Erneuerer anerkannt. Der Dichter Rainer Maria Rilke arbeitete als Sekretär für ihn und schrieb auch ein Buch über den Bildhauer.
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