Im Pool fehlt das Wasser, auch die Vorhänge an den rundherum aufgestellten balinesischen Betten sind noch abmontiert, und die Terrasse nahe Selva auf Mallorca, auf der im Sommer schon mal 80 Menschen zusammen das Leben und Livemusik genießen, füllt sich an diesem Freitag (19.3.) nur mit Regenwasser. Während die elf Schweine trotz miesen Wetters ihren Auslauf auf dem 30.000 Quadratmeter großen Grundstück des Agroturismo Villa Vegana genießen, richten Miriam Spann und Jens Schmitt das Innere der Unterkunft mit angegliedertem Restaurant her. Die Stimmung ist sichtlich gedrückt. Gleich kommen die ersten Interessenten, die womöglich den von den Deutschen betriebenen Agroturismo und auch das vegane Konzept, für das er bekannt ist, weiterführen wollen. Nach acht Jahren geben die beiden Veganer ihr Projekt, das zuerst in Esporles und seit vier Jahren in Selva ansässig war, schweren Herzens auf. „Die Pandemie hat uns hart getroffen. Nicht nur wirtschaftlich, sondern mich auch gesundheitlich", erzählt Jens Schmitt.

Noch im Winter vor Corona hatten der 40 Jahre alte Lindauer und die 44 Jahre alte Kasselerin rund 45.000 Euro in die Renovierung gesteckt, dann Mitte Februar 2020 nichts ahnend wiedereröffnet. Nur einen Monat später mussten sie sie wegen der Pandemie wieder dichtmachen. Im August versuchten die beiden Deutschen dann kurzzeitig, den Hotelbetrieb wieder in Gang zu bringen, doch die verunsicherten Touristen wollten nicht kommen. Schmitt stand monatelang in direktem Kontakt mit den Kunden und musste für beide Seiten unangenehme Diskussionen über geleistete Anzahlungen führen. „Es war zermürbend", so der gelernte Bürokaufmann. Einige wollten das Projekt der beiden Auswanderer auch in schwierigen Zeiten bewusst unterstützen, wie Schmitt sagt. Die meisten reagierten aber verständnislos auf die Stornierungsbedingungen.

„Wir können leider nicht für die Reisewarnungen aller Länder und alle Flugabsagen die Verantwortung übernehmen", argumentiert Schmitts Geschäfts- und Ex-Partnerin Spann. Kunden, die ihren Aufenthalt weniger als drei Monate vor der gebuchten Anreise stornierten, konnten ihr angezahltes Geld gemäß der Vereinbarungen nicht zurückbekommen. „Wir tragen schon 50 Prozent des Verlustes, wenn sie nicht anreisen. Würden sie die anderen 50 Prozent der Anzahlung bekommen, müssten wir für 100 Prozent des Verlustes aufkommen. Es ist ein 50:50-Risiko für uns und die Gäste und wir finden die Bedingungen als Familienbetrieb, der keine Subventionen vom Staat bekommt, nur fair", so Spann. Vielen Besuchern sei nicht klar gewesen, dass Bucher von Individualreisen im Fall von Stornierungen nicht dieselben Rechte haben wie Bucher von Pauschalreisen.

Je nach Saison 120 bis 200 Euro pro Nacht kostet eines der acht Zimmer in der familienbetriebenen Vier-Sterne-Unterkunft. Nun hat hier monatelang keiner der mittlerweile von der ganzen Welt stammenden Touristen das ländliche Flair, die Ruhe und das vegane Essen genossen. Auch ihr Vermieter sei den Geschäftspartnern bezüglich der Mieten nicht entgegengekommen. Als die Bank dann im Januar einen Kreditantrag der beiden Betreiber ablehnte, war für sie klar: „Das schaffen wir nicht mehr." „Es zehrt an den Nerven, wenn man zuschaut, wie alles, was man sich in acht Jahren aufgebaut hat, plötzlich den Bach runtergeht", so Spann.

Letztendlich trafen die beiden die Entscheidung, das Vier-Sterne-Haus mitsamt Restaurant auf der Plattform Bizbalears zu inserieren und warten nun, wie es weitergeht. Je nachdem was der künftige Betreiber vorhat, bieten sie auch an, dass einer der beiden noch ein oder zwei Jahre lang als Berater in der Villa Vegana tätig ist. „Schon der Stammgäste wegen", sagt Schmitt. Und weil die vegane Küche eben ihre Leidenschaft ist. Die Villa Vegana ist bekannt für ihr großes Repertoire mit Gerichten aus aller Welt - vom Thunfisch aus Wassermelone über Räucherlachs aus Möhren bis hin zu veganen Spiegeleiern mit einer Basis aus Reismehl und Kokosmilch sowie einer Flüssigkeit aus Tomate, Kürbis und Schwefelsalz als Eigelb. Kein Veganer soll hier auf lieb gewonnene Geschmäcker verzichten müssen.

Der veganen Küche bleiben Spann und Schmitt auch künftig treu. „Nur von der Hotelspezialisierung wollen wir eben weg", so Schmitt. So wird man bei den beiden weiterhin Private-Cooking-Termine für zu Hause oder private Kochkurse buchen können, sie werden Pop-up-Events organisieren, an einem neuen veganen Kochbuch arbeiten sowie daran, vegane Produkte in die Supermärkte zu bringen. Zudem sollen verstärkt (krisensichere) Restaurant-Konzepte entwickelt werden.

Trotz der schwierigen Entscheidung, die Villa Vegana aufzugeben, freuen sich Schmitt und Spann ein wenig auf die noch ungewisse Zukunft und die Zeit, die sie sich nun frei einteilen können. „Wir haben acht Jahre lang jeden Tag 16 Stunden gearbeitet und hatten kaum Freizeit", so Spann. Da kann schon ein Besuch am Strand wahrer Luxus sein.

Villa Vegana

Finca Son Olive,Camí de

Es Pedregar, km 2,2, Selva

Tel.: 690-08 95 16, 971-51 58 41

IG: villa.vegana, FB: Villa Vegana

www.villavegana.com