Das authentische Mallorca: Wie sie am Namen einer Person erkennen können, aus welchem Dorf sie stammt
Je nachdem, wo man sich auf der Insel befindet, hört und liest man bestimmte mallorquinische Nachnamen öfter als andere. Oft blicken in den Namenshochburgen nur die Einheimischen durch

Auf Capdeperas Friedhof tauchen immer wieder dieselben Nachnamen auf. / Sophie Mono
Wer bei einem Spaziergang über einen Dorffriedhof auf Mallorca die Inschriften auf den Grabsteinen und Gruften liest, dem fällt es auf: Einige typisch mallorquinische Nachnamen wiederholen sich innerhalb eines Ortes immer wieder. Kommt man in ein anderes Dorf, dominieren andere Nachnamen. Ein Blick auf die offiziellen Namenslisten des balearischen Statistikinstituts Ibestat zeigt: Das ist nicht nur bei längst verstorbenen Generationen so. Noch immer gibt es Namen, die klar einem bestimmten Ort zuzuordnen sind – Globalisierung und Zuwanderung zum Trotz.
In Muro beispielsweise ist der typische Inselnachname Perelló derjenige, den die meisten spanischen Einwohner im Jahr 2022 laut Einwohnerstatistik als ersten Nachnamen hatten. In Sa Pobla liegt Serra vorn, in Ses Salines Bonet. Während in Felanitx kein Nachname so oft auftaucht wie Adrover, geht in Alaró nichts über die Rossellós. In Porreres liegt Barceló an der Spitze der häufigsten ersten Nachnamen, in Montuïri Miralles, und in Selva wurde bei der letzten Erhebung 2022 kein anderer Nachname so oft vergeben wie Coll. All diese typisch katalanisch-mallorquinischen cognoms oder llinatges halten sich also hartnäckig in den Inseldörfern – vor allem in jenen, die nicht an der Küste liegen und wo der Anteil an Zuwanderern vom spanischen Festland geringer ist als in den Touristenhochburgen oder den größeren Städten.
Wettstreit mit Namen vom Festland
Dort zeichnet sich ein anderes Bild ab: In Palma, Inca, Calvià, Capdepera, Alcúdia und Andratx ist der vom spanischen Festland stammende Allerweltsname García (ursprüngliche Bedeutung: Krieger) mit Abstand der häufigste Nachname – in etwa vergleichbar mit dem deutschen Müller oder Schmidt. Betrachtet man die gesamte Balearen-Bevölkerung, so sind die festlandspanischen Nachnamen ebenfalls Anführer im Ranking: Nach García schaffen es Martínez, López, Fernández, Sánchez, Rodríguez, González und Pérez auf die Liste der Nachnamen, die am meisten von spanischen Balearen-Bürgern getragen werden.
Erst auf Platz 9 taucht der erste mallorquinische Nachname auf: Pons. Ändert man die Suchkategorien etwas und bezieht nur Personen ein, die sowohl spanischer Nationalität, als auch auf den Balearen geboren sind, so kommt Pons gleich nach García schon auf Platz 2. Gar nicht so weit dahinter tummeln sich Ferrer (Platz 10), Serra (Platz 1 1), Coll (Platz 15), Barceló (Platz 16), Marí (17), Vidal (Platz 18) und Mas (Platz 20).
Insgesamt sind derzeit noch rund 750 mallorquinische Nachnamen im Umlauf, wie aus dem Sachbuch „Els cognoms de les Illes Balears“ (Die Nachnamen der Balearen) hervorgeht, das der mallorquinische Sprachwissenschaftler Gabriel Bibiloni 2022 veröffentlichte. Selbst die Inselgemeinden, in denen die Garcías, Martínez und Co. statistisch die Überhand haben, sind weiterhin auch Namenshochburgen von mallorquinischen Familienclans. Der urmallorquinische Nachname Flaquer beispielsweise ist aktuell in keiner anderen Gemeinde so weit verbreitet wie in Capdepera. Rosselló (wahlweise mit einem oder zwei „s“) ist ein typischer Name für einen echten Palmesaner. Und die Bestards sind immer noch überwiegend in der Gegend um Lloseta und Binissalem wohnhaft. Kein Wunder also, dass nicht selten der erste Nachname (der in der Regel vom Vater übernommen wird) und der zweite Nachname (der meist von der Mutter stammt) bei Insulanern ein und derselbe sind.
Die Krux mit den Spitznamen
Als sei das nicht verwirrend genug, setzen viele junge Mallorquiner noch immer auf die Tradition, ihren Neugeborenen die Vornamen der Großeltern zu vererben. Um zwischen all den Jaumes, Margalidas und Joans überhaupt noch durchzublicken (die am häufigsten gewählten Vornamen auf der Insel sind übrigens Maria und Antonio), sind vor allem in den Dörfern die Spitznamen wichtig – fast wichtiger sogar als die richtigen Namen. Das bekannte Traditionsgeschäft Son Poca Palla in Capdepera, in dem handgemachte Palmflechtprodukte verkauft werden, geht beispielsweise auf den Spitznamen des Gründers zurück. Kaum jemand sprach Biel Flaquer Melis einst mit seinem für den Ort so gewöhnlichen Namen an, stattdessen wurde er liebevoll „Poca Palla“ gerufen – der Mann mit „wenig Stroh“.
„Spitznamen gehören zur mallorquinischen Namenskultur dazu“, so Sprachwissenschaftler Bibiloni 2022 im MZ-Interview. „So hat alles seine Ordnung.“
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