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Mallorcas Film-Chef geht in Rente: "Die Überfüllung der Insel verhindert Dreharbeiten"

Pedro Barbadillo scheidet als Leiter der Mallorca Film Commission aus und geht in den Unruhestand. Bei ihm liefen so gut wie alle Fäden der Branche zusammen

Pedro Barbadillo in La Misericòrdia, dem Sitz der Mallorca Film Commission und weiterer Büros des Inselrats.  | FOTO: INSELRAT

Pedro Barbadillo in La Misericòrdia, dem Sitz der Mallorca Film Commission und weiterer Büros des Inselrats. | FOTO: INSELRAT

Patrick Schirmer Sastre

Insgesamt elf Jahre lang hat Pedro Barbadillo die Mallorca Film Commission geleitet (2010–2012, 2016–2025). Am Freitag (28.2.) war sein letzter Arbeitstag. Als Rentner wolle er aber jetzt nicht die Füße hochlegen, sagt der Filmemacher mit andalusisch-deutschen Wurzeln, sondern sich eigenen Projekten widmen und weiter als Berater arbeiten. Barbadillo ist auch Ehrenpräsident des von ihm mitbegründeten Programmkinos CineCiutat.

Wie geht es Ihnen in den ersten Tagen nach dem Eintritt in den Ruhestand?

Ich finde es sehr spannend. Es ist ein befreiendes Gefühl, nicht mehr unbedingt an Verpflichtungen gebunden zu sein. Ich hätte eigentlich schon vor zwei Jahren in Rente gehen können, ich wollte aber noch sehen, wie es mit der neuen Regierung weitergeht. Jetzt war es der richtige Moment, um zu gehen.

Was waren Ihre größten Erfolge als Leiter der Film Commission?

Ich habe eine Zeit erlebt, in der sich die Filmszene drastisch verändert hat. Als ich anfing, wurde fast nur Werbung auf der Insel gedreht. Ich habe mit einigen Mitstreitern dafür gekämpft, dass Spanien Steueranreize für Drehs schafft. Zudem bin ich auf die zwei auf Mallorca etablierten Filmfestivals stolz. Auch dass wir den Preis Masters Of Cinema ins Leben gerufen haben, mit dem wir viele interessante Filmemacher wie Ken Loach hergebracht haben, verbuche ich als Erfolg. Und nicht zuletzt, dass wir die hiesige Filmszene gefördert haben.

Wie steht es um diese Szene?

Sie ist gewachsen, allerdings kämpft sie immer noch mit zahlreichen Hürden. Ich hoffe, dass sich das balearische Institut für die Kulturindustrie (ICIB) jetzt verstärkt um ihre Förderung kümmern wird.

Eine Ihrer Hauptaufgaben war es, Drehs aus dem Ausland auf die Insel zu holen. Wie fällt da die Bilanz aus?

Es ist sehr viel passiert. Wir konnten einige große Produktionen wie „The Crown“ oder „Lioness“ für die Insel gewinnen. US-Schauspieler Adam Sandler hat auf der Insel gedreht, viele deutsche Produktionen waren hier. Hinzu kamen zwei große Bollywood-Drehs sowie Produktionen aus Japan und Südkorea. Aber natürlich haben wir auch nicht alles bekommen, woran wir Interesse hatten.

Zum Beispiel?

Wir waren etwa in Verhandlungen mit „Game of Thrones“. Letztlich scheitern solche großen Produktionen manchmal an der Insellage. Die kommen ja nicht selten mit 200 Lastwagen an. Die Vorstellung, dass diese per Schiff zurück aufs Festland müssen und es ein Unwetter gibt, macht einige Produzenten nervös. Ein anderer Faktor sind die Steueranreize, die hier immer noch niedriger sind als auf den Kanaren.

Der Vorteil von Malta

Malta, einer der Hauptkonkurrenten, hat auch mit der Insellage zu kämpfen.

Richtig, aber Malta hat einen Wassertank, in dem man Unterwasser-Dreharbeiten machen kann. Das ist der strategische Vorteil, der die Nachteile aufwiegt. Ohnehin muss Mallorca sein Angebot an Filmstudios ausbauen, um langfristig wettbewerbsfähig zu sein. Es gibt hier zwei Filmstudios, die rund 1.200 Quadratmeter groß sind. Bei großen Produktionen sind aber Studios von mindestens 3.000 Quadratmeter notwendig, deswegen entscheiden sich die Verantwortlichen dann gegen die Insel. Das Problem ist übrigens in diesem Fall nicht auf Mallorca beschränkt. In ganz Spanien gibt es kein Filmstudio, das diesen Ansprüchen genügt.

Des „screen tourism“ nimmt stark zu, also dass Leute an die Drehorte ihrer Lieblingsserien und -filme reisen. Welche Rolle hat das bei der Arbeit der Film Commission gespielt?

Ach, das gab es schon länger. Das ist kein neues Phänomen . Aber natürlich hat das eine Rolle gespielt. Wir haben etwa für Fans der Serie „Mallorca Files“ eine eigene Karte mit Drehorten herausgegeben. Filme sind ein sehr mächtiges Marketing-Tool. Aber es muss nicht immer ein Mittel sein, um den Massentourismus zu fördern. Hier wurden auch Serien gedreht, in denen kein Meer zu sehen ist. Und manchmal ist es die Insel, die die Aufmerksamkeit für den Film generiert, statt andersherum. Mir hat mal ein deutscher Produzent gesagt, dass der Drehort Mallorca ihm eine Million zusätzliche Zuschauer bringt.

Haben die Proteste gegen den Massentourismus gar keine Auswirkungen auf die Drehs?

Es wird durchaus darüber diskutiert, inwieweit Filme zur Überfüllung beitragen. Derzeit sehe ich aber ein anderes Problem: Die Überfüllung verhindert Filmdrehs. An manchen Orten ist es gerade im Sommer einfach zu voll. Man bekommt dann auch keine Genehmigungen mehr für die Dreharbeiten.

Wie geht es weiter?

Wie geht es mit der Mallorca Film Commission jetzt weiter?

Ich weiß es nicht. Soweit mir bekannt ist, gibt es keinen Nachfolger für mich. Möglicherweise wird es Umstrukturierungen geben. Etwa, dass die Illes Balears Film Commission, die in den vergangenen Jahren weniger aktiv war, mehr Aufgaben übernimmt.

Was sind die Herausforderungen, die anstehen, unabhängig davon, wer übernimmt?

Es gibt drei Herausforderungen, die es auch in meinen beiden Amtszeiten gab. Erstens muss das Drehen leichter werden. Auf der Insel ist es weiterhin schwieriger als anderswo, Genehmigungen zu bekommen. Zweitens müssen die Filmemacher der Insel gefördert werden. Und drittens braucht es weitere regionale Steueranreize. Diese müssen nicht sehr hoch sein. Fünf bis zehn Prozent zusätzlich zu den spanischen würden reichen.

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