Aufgewachsen als Auswandererkind auf Mallorca: Heute entwirft Nina Schinneck Schmuck mit Seele
Nina Schinneck kam als vierjährige Tochter einer deutschen Auswanderin nach Mallorca – und wurde auf den „fires“ zur Mallorquinerin

Goldschmiedin Nina Schinneck an ihrem Stand bei der BaleArt 2025 / Nele Bendgens
Nina Schinneck (41) kam schon im Alter von vier Jahren mit ihrer Mutter und ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder nach Mallorca. „Ich bin hier groß geworden und sehe mich als Mallorquinerin, obwohl ich Deutsch spreche“, sagt die gelernte Goldschmiedin beim Interview an ihrem Stand auf der BaleArt-Messe vergangene Woche im Parc de la Mar. Bereits mit elf Jahren stand sie das erste Mal mit ihrem Stiefvater Martin auf dem Markt. Er verkaufte cerámica (Tonwaren). „Durch ihn kannte ich von klein auf das Ambiente auf den Märkten. Mir war immer klar, dass ich das später auch machen wollte. Aber nicht mit dem ganzen Geschleppe dabei, das Auto war immer bis oben hin vollgepackt“, erinnert sie sich. „Irgendwann war an unserem Nachbarstand ein Goldschmied. Er kam immer nur mit einer Tasche zum Markt. Da wusste ich sofort: So will ich das auch machen.“

Die Natur inspiriert Nina Schinnecks Schmuck. Hier Silberringe in Federform. / Nele Bendgens
Schon früh ihre kreative Ader entdeckt
Etwa mit zwölf Jahren begann sie aus Holz, Ton und Samen Schmuck zu machen und ebenfalls auf den Märkten anzubieten. „Dann fragte mich eines Tages ein Goldschmied aus Artà auf dem Markt, ob ich als Vertretung bei ihm in der Werkstatt mitarbeiten wolle. Ich war dort einen Sommer lang als Aushilfe und begeistert von dem Handwerk“, erzählt sie weiter. Bevor sie endlich eine richtige Ausbildung als Goldschmiedin beginnen konnte, sollten dann noch ein paar Jahre vergehen. Als der deutsche Goldschmied Boris Jacob vor etwa 15 Jahren von Pollença nach Palma zog, war ihr Moment gekommen. „Boris kannte meine Eltern vom Markt her, und es stellte sich heraus, dass er genau der Goldschmied war, den ich als Kind auf dem Markt am Nachbarstand zu meinem Vorbild erkoren hatte“, sagt Schinneck. Nach ihrer Lehre arbeitete sie noch zehn Jahre bei Jacob.

Nina Schinneck arbeitet auch an ihrem Stand an neuen Schmuckstücken / Nele Bendgens
Die eigene Schmuck-Marke
Nina Schinneck wurde in der Pandemie 2020 Mutter. Es war Zeit für ihre eigene Marke. Ihr Atelier hat sie noch heute bei sich zu Hause, auf dem Land zwischen Palma und Bunyola. Einen Laden oder Online-Verkauf gibt es noch nicht. Sie ist den Märkten treu geblieben, steht jede Woche mittwochs in Sineu und macht bei so gut wie allen Kunsthandwerks-Märkten der Insel mit. Außerdem bietet sie Workshops für (zukünftige) Ehepaare an, die ihre eigenen Ringe bei ihr herstellen können. Auch mit der Escuela Artesana in Inca gibt sie Kurse zur Ring-Herstellung.

"Nina Schinneck Joies" heißt die Schmuck-Marke aus Mallorca / Nele Bendgens
„Mein Stil ist die Natur. Bäume, Blumen, Blätter und alles mit Struktur inspirieren mich. Ich bin nicht so der glatt polierte Typ. Obwohl ich das natürlich auf Wunsch auch kann“, sagt Nina Schinneck. Die meisten Schmuckstücke am Stand sind aus Silber. Sie arbeite auch mit Gold und Diamanten, aber diese Materialien seien nicht die richtige Preisklasse für einen Stand auf dem Markt“, erklärt sie. Ihr an den Ständen angebotener Schmuck rangiert zwischen 15 und 200 Euro, ein paar Einzelstücke sind auch teurer. „Die sind mehr als Showobjekte gedacht, um zu zeigen, was noch möglich ist. Kunden, die einen Diamantring kaufen, bekommen eine Maßanfertigung“, sagt die Goldschmiedin.

Mandelblüten-Ohrringe aus geschwärztem Silber von Nina Schinneck Joies. / Nele Bendgens
Die Neuauflage der Messe Baleart hat noch Anlaufschwierigkeiten
Im Parc de la Mar lässt sich an diesem Tag eine interessierte Kundin einen silbernen Ring mit einer Mandelblüte und dazu passend auch Ohrringe und einen Kettenanhänger zeigen. Schinneck designt all ihren Schmuck selbst und erklärt die Herstellung. Die Frau schaut sich mit ihrer Freundin alles interessiert an – kauft aber nichts und wandert stattdessen zum nächsten Stand. Nina Schinneck nimmt es mit Fassung. „Bei dieser Messe verkaufe ich nicht sonderlich viel, es ist auch viel zu heiß. Viele der Kreuzfahrt-Touristen laufen einfach nur vorbei.“

Die Kunsthandwerks-Messe BaleArt fand 2025 erstmals im Juni im Parc de la Mar statt. / Nele Bendgens
Früher, vor einer langjährigen Pause, fand die BaleArt immer im November statt, das sei viel besser fürs Geschäft gewesen, sagt Schinneck. Ohnehin sollten die Behörden die Messe neu ausrichten. Viele Kunsthandwerker hätten abgesagt, weil sie den Platz vor der Kathedrale unpassend fanden. „Das Publikum auf den Wochenmärkten besteht eher aus Urlaubern, aber auf die fires und Nachtmärkte kommen auch die Mallorquiner, das ist immer sehr schön“, sagt Nina Schinneck, die auch mit einem Mallorquiner verheiratet ist.
Kontakt:
Nina Schinneck Joies
Tel.: + 34 667001932
E-Mail: nina.schinneck@gmail.com
IG: @nina.schinneck
Abonnieren, um zu lesen
- Ich gönn' mir das jetzt': So eine Wuchermiete zahlt Influencerin Anne Wünsche für ihr neues Mallorca-Zuhause
- So kann es nicht weitergehen': Wo Mallorca bereits Anfang März aus allen Nähten platzt
- 43 Liter Niederschlag und noch kein Ende in Sicht: Sturmtief 'Regina' sorgt für ordentlich Regen
- „Eingesperrt wie Hunde“: Zwei Brände auf Mallorca-Fähren innerhalb von zwölf Stunden fordern 15 Verletzte
- Neue Umweltzone in Sóller: Bei Urlaubern werden die 200 Euro Strafe direkt von der Kreditkarte abgebucht
- „Meine Erben sollen nicht mehr Steuer zahlen als nötig“ – die größten Steuer-Irrtümer im Testament
- Flughafenmitarbeiterin stirbt nach Stoß: Deutscher Mallorca-Urlauber scheitert mit Revision vor Gericht
- Warum der Nahostkrieg Mallorca zum Krisengewinner machen könnte
