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Ehrenamt auf Mallorca: Stiftung Herztat sucht neue Helfer für Besuchsdienste

Die Stiftung Herztat verbindet Menschen, die helfen wollen, mit denen, die Unterstützung brauchen – ob im Pflegeheim, Krankenhaus oder bei akuten Notlagen.

Ein Teil der Herztat-Paten beim Treffen im Gemeindehaus in Arenal.

Ein Teil der Herztat-Paten beim Treffen im Gemeindehaus in Arenal. / Nele Bendgens / Nele Bendgens

Alexandra Bosse

Alexandra Bosse

Das Stimmengewirr der Ehrenamtlichen ist schon von draußen zu hören. Der Gemeinderaum der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde der Balearen im Carrer Bellavista an der Playa de Palma ist gut gefüllt. Gut zwanzig Frauen und Männer sitzen hier im Kreis zusammen und unterhalten sich angeregt bei Kaffee und Weihnachtsgebäck. Es ist das letzte „Patentreffen“ der Stiftung Herztat des Jahres 2025. Danach soll es noch zu einem gemeinsamen Abendessen in das nahe gelegene Restaurant Sa Farinera gehen.

Was sie alle hier eint, ist das Bedürfnis, von ganzem Herzen etwas Menschlichkeit weiterzugeben – das kommt in der Gesprächsrunde immer wieder zum Ausdruck. Mit dabei sind heute auch fünf Frauen des Krankenhaus-Besuchsdienstes der Evangelischen Gemeinde. „Wir wollen die beiden Gruppen besser miteinander vernetzen“, erklärt Martje Mechels, die als Pfarrerin der Gemeinde Teil des Führungsteams der Stiftung Herztat ist.

Mitmachen aus Nächstenliebe

Roland Werner gründete Herztat 2017 „aus einem Gefühl der Dankbarkeit, dass es ihm so gut gehe“, als er sah, wie viel versteckte Einsamkeit und Leid es unter deutschen Senioren auf der Insel gab. „Kinder und Tiere bekommen immer viel Aufmerksamkeit, aber ältere Menschen werden oft vergessen“, sagt Werner. Was vor acht Jahren mit einem Team von fünf Ehrenamtlichen begann, die diese Menschen begleiten, ist mittlerweile auf über 60 Patinnen und Paten gewachsen. „Aber wir brauchen trotzdem weiterhin Verstärkung, denn es ist immer viel Bewegung drin“, sagt der Gründer und Leiter der Gruppe.

Auch heute verabschieden sich drei Paten aus der Runde. Jeanette, die gemeinsam mit ihrer Schwester Nicole und deren Mann Thomas unter anderem auch psychisch Kranke besuchte oder eine ältere Dame bei ihrer Rückreise nach Deutschland begleitete, hält eine kleine Dankesrede: „Ich wollte etwas zurückgeben, den Bedürftigen meine Hilfe anbieten, und so bin ich zu euch gestoßen. Ihr habt mich sehr herzlich aufgenommen, und die ehrenamtliche Arbeit hat mir sehr gutgetan“, liest die Frau von einem Zettel ab, um nicht vor Emotionen den Faden zu verlieren. „Ich hatte von nichts eine Ahnung und habe mit eurer Unterstützung viel gelernt.“ Sie verlasse im kommenden Februar die Insel und ziehe zurück nach Deutschland. Als sie fertig gesprochen hat, applaudiert die Gruppe herzlich. „Wir werden euch drei sehr vermissen“, sagt Pfarrerin Mechels.

Roland Werner ist der Gründer der Herztat-Stiftung und begrüßt hier die Paten mit einer Ansprache.

Roland Werner ist der Gründer der Herztat-Stiftung und begrüßt hier die Paten mit einer Ansprache. / Nele Bendgens

Jeder Fall ist anders, jeder kann mithelfen

Reihum erzählt jeder von den Menschen, die sie oder er zurzeit als Herztat-Pate betreut. Die Fälle sind so unterschiedlich wie die Menschen auf Mallorca. Manche sind einfach nur einsam, haben beispielsweise den letzten Angehörigen verloren oder leben in einem Pflegeheim, in dem keiner ihre Sprache spricht. Sie freuen sich sehr darüber, dass sich jemand einmal in der Woche mit ihnen trifft, mit ihnen spazieren geht oder einfach nur zuhört.

Aber teilweise sind auch schwere Schicksale und Notlagen dabei, wie etwa bei einer 60-jährigen Deutschen, die alleine ohne Strom und Wasser auf dem Land wohnt. Ihr Mann, mit dem sie 28 Jahre zusammenlebte und der alles Finanzielle regelte, ist verstorben. Da sie erst kurz zuvor geheiratet hatten, habe sie nicht einmal Anspruch auf eine Witwenrente, erzählt eine Patin. Zudem spreche die Frau kaum Spanisch. „Das ist ein typischer Herztat-Fall, bei dem ein Partner verstorben ist und der oder die Hinterbliebene in Schwierigkeiten kommt“, sagt Roland Werner. Das passiere leider sehr häufig. „Wir arbeiten hier jetzt mit ‚Comida para todos‘ vom Lions Club zusammen, damit sie wenigstens Essen hat, und haben ihr eine Heizung besorgt.“ In der Gruppe werden weitere Vorschläge besprochen, wie man der Frau weiterhelfen könne.

„Da die Fälle so unterschiedlich gelagert sind, raten wir unseren neuen Herztat-Paten immer, sich vorher gut zu überlegen, wie sie unterstützen möchten“, sagt Werner. Man könne entweder eine regelmäßige Begleitung einmal die Woche übernehmen oder akute Fälle betreuen, in die man sich richtig hineinknien müsse, aber wo man auch etwas bewegen könne, um der Person in Not zu helfen. Hierfür sei es von großem Vorteil, wenn man auch Spanisch könne, da oft Behördengänge zu regeln seien. Solche Problemsituationen seien meistens sehr intensiv, aber dafür zeitlich begrenzt, während es beim reinen Besuchsdienst darauf ankomme, eine kontinuierliche Verbindung aufzubauen.

Besuchsdienst in den Krankenhäusern unterstützen

Gegen Ende des Treffens kommt noch Myriam Weber hinzu. Sie ist für das Herztat-Telefon zuständig, koordiniert die Paten und sorgt dafür, dass die richtige Person am richtigen Ort hilft. Zudem gibt es nun auch Mentoren, die die Paten persönlich betreuen können, wenn sie auf Schwierigkeiten stoßen oder Fragen haben.

„Wir suchen immer Verstärkung. Aber ganz besonders brauchen wir momentan Freiwillige, die beim Krankenhaus-Besuchsdienst in Palma helfen möchten“, sagt Martje Mechels. Bisher bestehe das Team inselweit aus acht Ehrenamtlichen, wobei einige demnächst aufhören müssten. Das Hospital Comarcal d’Inca habe außerdem eine ganz neue Hospiz-Station eingerichtet, die auch betreut werden will. Für den Besuchsdienst im Krankenhaus sollte man idealerweise Spanisch sprechen können. Wer Interesse hat, kann sich gerne direkt bei der evangelischen Pfarrerin Mechels melden.

Gelegenheit, Herztat kennenzulernen und zu unterstützen, ist auch bei dem Benefizkonzert der Stiftung am Samstag (6.12.) um 18 Uhr in der ohnehin sehenswerten Glaskirche La Porciúncula.

Herztat-Stiftung

Kontakt: Tel.: 634-04 16 68 oder E-Mail an: mallorca@herztat.de / www.herztat.de

Krankenhaus-Besuchsdienst: Tel.: 687-12 35 75 oder E-Mail an: martje@kirche-balearen.net

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