1.500 Weihnachtsmänner tanzen in Palma - das steckt hinter dem verrückten Event
Joan und Pep Morro aus Inca mischen mit ihrem Linedance die Insel auf – an diesem Sonntag auch auf dem Borne

Der Tanz der Weihnachtsfrauen und -männer in Palma, hier ein Archivbild, steht an diesem Sonntag (14.12.) wieder an. / B.RAMON
Freitagabend in Inca. Die Sonne ist längst hinter den Dächern verschwunden, doch auf der Plaça de Santa Maria la Major steppt das Leben. Poprhythmen treffen auf Latin- und Reggaeton-Grooves, Dutzende Füße bewegen sich im gleichen Takt. In der Mitte: zwei Brüder aus Inca, die die Schritte vorgeben, sich zublinzeln, drehen, lachen – und die ganze Plaza tanzt mit.
Dieselbe Leidenschaft
Joan und Pep Morro Vallori teilen dieselbe Leidenschaft für Linedance, doch jeder bringt seine eigene Note ein. Joan, der Ältere, ist der Kopf hinter Linedance Baleares. In der Vereinigung sind rund 80 Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer organisiert. Der 44-Jährige plant Veranstaltungen, organisiert Tanzreisen, koordiniert Teams für Wettbewerbe, entwickelt Choreografien und sorgt dafür, dass die danza en línea auf Mallorca lebt und gedeiht.
„Ich liebe es, wenn sich Menschen bewegen, die vorher dachten, sie könnten nicht tanzen“, sagt er. Denn genau für solche Menschen sei Linedance ideal: Die Schrittfolgen werden in Reihen getanzt – jeder für sich und doch gemeinsam. Die Choreografien bestehen meist aus klaren Sequenzen, die sich wiederholen – leicht zu lernen, aber mitreißend, sobald Musik und Bewegung eins werden. Mit angestaubtem Country-Tanz hat das nichts zu tun. Vor allem auf den Balearen gilt die danza en línea als offen für alle Musikrichtungen – von Pop bis Reggaeton. „Nach ein paar Minuten spürt man, dass man Teil von etwas Größerem ist“, sagt Joan Morro.

G. Bosch
Pep steht seinem Bruder in nichts nach: Wie Joan gibt er eigene Tanzkurse und schreibt ebenfalls Choreografien, die weit über Mallorca hinaus getanzt werden. Neben Linedance lehrt der 40-Jährige auch baile de salón, den klassischen Gesellschaftstanz – mit einer Energie, die ansteckt, noch bevor die Musik überhaupt beginnt. „Ich will, dass die Leute den Alltag vergessen“, sagt er, „dass sie sich einfach trauen, Spaß zu haben.“
Ihre Leidenschaft fürs Tanzen haben die Brüder schon in die Wiege gelegt bekommen: Vater Pep senior und Mutter Catalina waren viele Jahre ebenfalls Tanzlehrer und sind bis heute leidenschaftliche Tänzer.
Wenn die Stadt zusammenrückt
Diese Liebe zum Tanz wollen die Söhne auch auf die Straße bringen. Von Juni bis Ende September verwandeln Joan und Pep gemeinsam mit der Stadt Inca die Plaça Santa Maria la Major in ein Freiluft-Tanzparkett. Wenn die Sonne untergeht, rückt die Stadt zusammen: Senioren und junge Leute – sie alle tanzen Seite an Seite. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn 200 Menschen gleichzeitig dieselben Schritte tanzen und dabei einfach Spaß haben“, erzählt Joan. Was als lokale Initiative begann, ist längst eine feste Sommertradition. Und wer einmal dort war, weiß: Die Freude, die auf diesem Platz tanzt, ist ansteckend. Bevor das Tanzbein geschwungen wird, sitzen viele der Teilnehmer in den umliegenden Restaurants und Bars, genießen ihr pa amb oli, Entrecote oder einen Salat – dazu eine Flasche Wein. So profitieren auch die Gastronomen vom Linedance-Abend. Ab 21 Uhr wird dann bis nach Mitternacht getanzt.
Gerade ältere Menschen lieben das Angebot der Morro-Brüder. Viele kommen zwei- bis dreimal pro Woche zu ihren Kursen und Veranstaltungen, manche reisen extra von außerhalb an. Viele der Kurse veranstalten Joan und Pep im Club Gent Inca, der sich mit seinen Angeboten gezielt an Menschen ab 50 Jahren richtet. Unter den Teilnehmern sind viele Alleinstehende, für die die Tanzabende mehr sind als Bewegung: Sie sind ein Stück Lebensfreude, Routine, Verbindung.
„Wir haben Tänzerinnen über 70, die kein einziges Treffen auslassen“, erzählt Pep. „Sie sagen, das Tanzen halte sie fit – und das Herz wach.“ Joan nickt: „Für viele ist es ein Anker. Sie kommen, tanzen, lachen – und gehen mit einem Lächeln nach Hause.“
Umzug im Herbst
Im Herbst wird es ruhiger in Inca – aber nur auf der Plaza. Denn im Winter zieht der Tanz ins Restaurant Ca Na Rosa in Lloseta. Dort wird erst gegessen, dann die Tanzfläche gestürmt. „Das ist fast wie eine große Familie“, sagt Pep Morro.
Und sonntags schlägt das Herz der Bewegung in Palma. Im großen Ballsaal „Palma Ball“ im Industriegebiet Son Castelló organisiert Linedance Baleares regelmäßig Tanzabende – häufig auch mit Joan und Pep als Gastgeber. Hier treffen sich Tänzerinnen und Tänzer von der ganzen Insel, um gemeinsam zu feiern.
Mehrmals im Jahr laden Joan und Pep zudem zu sogenannten kedadas ein – großen Tanztreffen, bei denen sich Gruppen aus ganz Mallorca zusammenfinden. Besonders spektakulär ist der jährliche Tanz der Nikoläuse auf dem Borne in Palma. Mehr als 1.500 als Weihnachtsmänner verkleidete Tänzerinnen und Tänzer kommen dann in der Adventszeit zusammen, um gemeinsam zu tanzen – dieses Jahr am Sonntag, 14.12., begleitet von Schaulustigen, die filmen, klatschen oder gleich mitmachen.

Joan und Pep Morro (re.) mit ihrer Linedance-Gruppe in Inca. / MICHAEL WROBEL
Die Schrittfolgen der beiden Brüder sind weltweit bekannt. Joan ist mehrfacher Weltmeister im Linedance und hat die Weltmeisterschaften bereits zweimal nach Spanien geholt und sie auf dem Festland auch selbst organisiert. Gleichzeitig fördert der Vater von drei Söhnen gezielt Nachwuchstalente. Pep steht ebenfalls regelmäßig auf der Bühne, führt seine Gruppen zu Wettbewerben – immer mit dem Fokus auf Freude statt Perfektion. „Wir tanzen nicht, um zu gewinnen“, sagt er, „wir tanzen, um glücklich zu sein.“
Gemeinschaft in Bewegung
Für Joan und Pep ist Tanzen mehr als Bewegung – es ist Begegnung. „Bei uns sind schon viele Freundschaften entstanden – einfach nur, weil man sich hier zum Tanzen trifft und gemeinsam eine gute Zeit hat“, sagt Joan. Unter den Teilnehmern sind auch einige Ausländer, die so Teil der Gemeinschaft werden.
Ob auf der Plaza in Inca, im Restaurant in Lloseta oder auf dem Passeig del Born in Palma – wenn am Ende des Abends die Musik leiser wird und die Tänzer nach Hause gehen, bleibt dieses Gefühl zurück, das Pep so treffend beschreibt: „Wenn Menschen miteinander tanzen, dann vergessen sie für einen Moment alles – und genau das ist das Schönste daran.“
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