Von Sa Calobra bis Rafael Nadal: Bei "Visual - Mallorca Experience" sollen Besucher die Insel kennenlernen, ohne Palma zu verlassen
Mehr Oha! als Aha!: Eine neue Ausstellung mit vielen technischen Spielereien verspricht den ganz eiligen Urlaubern das Insel-Erlebnis auf rund 200 m²

Der Mallorca-Film ist per Drohnenaufnahmen an nur drei Tagen entstanden. Hier geht es hinunter nach Sa Calobra. / Nele Bendgens
Linards Liberts hat mit seinem neuen Projekt Großes vor: Er will Besuchern Mallorca zeigen, ohne dass sie dafür Palma verlassen müssen. Am 1. Dezember hat der Lette, der Ende 2023 auch das Fantasy Museum an der Plaça Major in Palma eröffnet hatte, ein paar Straßen weiter ein zweites „Museum“ aufgemacht: „Visual – Mallorca Experience“. Statt mit Selfies aus dem Bällebad oder Fotos aus verspiegelten Räumen Instagram zu bespielen, sollen Besucher bei dem neuen Angebot die Insel besser kennenlernen.
„Hier können sie das echte Mallorca erleben“, verspricht der vierfache Familienvater, als er die MZ am Freitag (5.12.) empfängt. Die von ihm anvisierte Kundschaft seien Urlauber, die etwa in Alcúdia oder Magaluf untergebracht sind, aber zum Beispiel die Serpentinenstrecke nach Sa Calobra nicht kennen. Liberts kam während der Pandemie zunächst selbst nur als Urlauber auf die Insel. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Felanitx. „Ich liebe Mallorca“, schwärmt der geschäftstüchtige 46-Jährige.

Der Betreiber Linards Liberts vor einem Riesenposter. / Nele Bendgens
Retro- und moderne Poster
Hinter dem weinroten Vorhang im Erdgeschoss betreten die Besucher zunächst einen Raum mit historischen Plakaten des mallorquinischen Fremdenverkehrsverbandes Foment de Turisme sowie daran angelehnt modernere Poster. Wer hier lange genug verweilt, sieht: Nach und nach gibt es auf jedem Poster Bewegung. Da ist etwa das Meer vor den Felsen von Sa Foradada, das plötzlich anfängt zu schimmern. Weiter rechts steht auf einem Cala-Figuera-Poster eine Frau im Bikini auf einem Holzsteg. Plötzlich fängt sie scheinbar an zu laufen. „Die Leute denken, dass ich Bildschirme aufgehängt habe. Dabei werden die Poster durch eine in einem Projektor eingespielte Datei animiert“, erklärt Liberts. Dahinter stecke, wie hinter weiteren Elementen der auf zwei Stockwerken und circa 200 Quadratmeter verteilten Ausstellung, die in Griechenland geborene Künstlerin Lucinda Dilworth.
Mit künstlicher Intelligenz gespielt hat auch eine irische Künstlerin. Das Ergebnis: der zweiminütige Mallorca-Film, den Liberts „From Pirates To Paradise“ nennt. Er läuft auf einem extragroßen runden Bildschirm und zeigt die Geschichte der Insel, wobei nach dem Einfallen der Piraten recht schnell zu den Anfängen des Tourismus übergegangen wird. Wer genau hinschaut, erkennt nachgeahmte Mallorca-Symbolik, etwa die Kathedrale, den Sóller-Zug, die Teufel (dimonis), die Riesenfiguren (gegants), die Sobrassada, die aus Valldemossa bekannten Blumentöpfe an den Häuserwänden sowie Rafael Nadal. Nicht alles, vor allem die Küstenabschnitte und Strände, sieht wirklich nach Mallorca aus. „Es sind keine 1:1-Abbildungen“, räumt Liberts ein.

Den zuvor ausgemalten Fisch schwimmen sehen. / Simone Werner
Interaktive Unter-Wasser-Welt
Im Untergeschoss dürfen dann erstmals auch die Kinder aktiv werden. Ob auf DIN-A-4-Papier ausgedruckte Seepferdchen oder verschiedene Fischarten: Die Kleinen können hier ausmalen und versuchen, die Tiere zu identifizieren. Die Blätter legen sie dann samt QR-Code unter einen Scanner. Dann dauert es nur wenige Sekunden, bis sich auf einer großen Leinwand Luftblasen an einer Unterwasser-Höhle bilden und der eigenhändig ausgemalte Fisch fünf Minuten lang dort herumschwimmt. Gelingt es, ihn auf der Leinwand anzutippen, öffnet sich ein Textfenster mit Erklärungen zu dieser Spezies. Probieren Sie mal, die alte Tauchermaske oder auch den Seestern anzutippen und schauen Sie, was passiert!
Wem das zu viel Reizüberflutung ist, kann in einem Nebenraum auf Original-Kirchenbänken von einem Schreinerbetrieb in Valencia Platz nehmen. Zu bewundern hier: eine bunte, animierte Fensterrosette, die der der Kathedrale sehr ähnelt, sowie zwei Seitenfenster. Dazu gibt es sakrale, beruhigend wirkende Musik. „Ich habe gelesen, dass es auf Mallorca besonders viele Kirchen gibt“, sagt Liberts. Also durfte auch ein ihnen gewidmeter Raum in seiner Ausstellung nicht fehlen.

Das animierte Fenster in der „Kirche“. / Nele Bendgens
Im hintersten Raum ist Mallorca dann wirklich nicht mehr zu übersehen: Über drei aneinandergrenzende Wände werden Inselaufnahmen projiziert – aus der Vogelperspektive. Einmal im Schnelldurchlauf über die Cala Tuent fliegen, am Felstor Es Pontàs in Santanyí vorbei oder nachts durch Palma. „Wir haben die Aufnahmen extra im Frühling gemacht, als weniger los war, und dafür um die 35 Drehgenehmigungen beantragt. Dennoch fehlen uns noch viele Teile der Insel“, sagt Liberts. Da die Beschriftung der Orte noch fehlt, lernt man hier nur bedingt etwas über Mallorca. Immerhin: Wer sich schon etwas auskennt, kann testen, wie gut.
Visual – Mallorca Experience: Carrer d’En Vilanova, 8, Palma, täglich 10–20 Uhr, Eintritt: 9,99 Euro (Kinder von 3 bis 13 Jahre), 12,99 Euro (Besucher ab 14 Jahren), visualexperience.es
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