Deutsche Genossenschaft sucht Mitstreiter für Finca-Projekt auf Mallorca
Eine 200 Jahre alte Finca auf Mallorca, 16 Eigentümer und ein klarer Fokus: Gemeinschaft statt Profit. Das Modell Son Sard zeigt, wie alternative Wohnträume wahr werden

Genossenschaftsgründerin Petra Lippold auf einer der Terrassen der gemeinschaftlichen Finca bei Cas Concos. / Nele Bendgens
Wer träumt nicht davon: eine eigene Oase inmitten von Grün – noch dazu auf Mallorca? Das dachten vor über zwölf Jahren auch Petra Lippold und ihre Freundin und Genossenschafts-Mitgründerin Sabine, die hier nicht mit Nachnamen genannt werden möchte. Und so brainstormten sie 2013 darüber, wie man diese Idee verwirklichen könnte. Es sollte ein Ort der Ruhe und Erholung sein, gerne etwas Größeres und typisch Mallorquinisches auf dem Land.
„Da wir aber beide nicht die Großverdiener sind, kamen wir darauf, eine Genossenschaft zu gründen und so noch andere Menschen miteinzubinden“, erzählt die Leipzigerin. Die passende Immobilie war bei einer gemeinsamen Reise schnell gefunden: die Finca Can Garrit in der Nähe von Cas Concos de Cavaller. Ein über 200 Jahre altes Bauernhaus mit 400 Quadratmeter Wohnfläche und 1,7 Hektar Land drumherum. Sie sprachen Freunde an und fanden über bundesweite Zeitungsannoncen weitere Mitglieder. Im April 2014 gründeten sie in Leipzig die Genossenschaft Son Sard e.G., im September 2014 unterschrieben sie den Kaufvertrag.

Blick auf den Wohn- und Essbereich der Wohnung „Almendro“. Die Architektur und der Stil der Finca soll erhalten bleiben. / Nele Bendgens
Ein geteiltes Zuhause auf der Insel
„Sobald ich die Tür aus dem jahrhundertealten Olivenholz berühre, weiß ich – ich bin zu Hause“, schwärmt die 60-jährige Ergotherapeutin beim MZ-Besuch auf der Finca. Hinter der Tür beginnt gleich der gemütliche Wohnbereich der Wohnung „Almendro“ mit offener Küche. Hier befindet sich auch der sogenannte „Ritterraum“, in dem auch größere Gruppen tafeln können. Darüber liegt die Wohnung „Limón“. „Das ist unsere Suite“, sagt Lippold bei der Besichtigung des fast herrschaftlichen Schlafzimmers mit riesigem Bad. Von hier geht es auf eine überdachte Terrasse mit einem atemberaubenden Blick Richtung Felanitx und Sant Salvador. „Im Sommer lässt sich hier herrlich draußen übernachten“, sagt Petra Lippold.

Weitläufiger Blick ins Grüne von der Terrasse der "Suite“-Wohnung "Limón“. / Nele Bendgens
Eine Finca, 16 Eigentümer
Insgesamt verfügt das Haupthaus über vier voneinander getrennte Wohnungen mit insgesamt elf Betten und bis zu 14 Schlafplätzen. Zu allen Seiten gibt es Terrassen. Abgetrennt vom Haupthaus kommt noch die casita hinzu: Der umgebaute und aufgestockte ehemalige Stall bietet nochmals vier Schlafplätze mit unabhängiger Küchenzeile.
Bis die Finca in ihrem heutigen Zustand hergerichtet war, gab es einiges zu tun. „Hier waren alle Fußböden und Wände offen, denn wir haben die Wasserleitungen und Elektroinstallationen komplett neu gemacht. Das war die Hölle“, erzählt Lippold von den Umbauarbeiten ab 2014. Aber man lerne bei so einem gemeinsamen Projekt auch viel über Toleranz. „Man kann sich unendlich streiten über Fliesenfarben und -art und -größe. Oder man sagt sich: Die vor Ort entscheiden und es ist schön, so wie es ist.“

Die Mitglieder der Genossenschaft haben sich für eine typisch mallorquinische Einrichtung der Räume entschieden. / Nele Bendgens / Nele Bendgens
Die Genossenschaft Son Sard e.G. besteht momentan aus 16 stimmberechtigten Mitgliedern mit Anteilen. Es sollen maximal 18 Anteile vergeben werden. Ein Anteil kostet mittlerweile 60.000 Euro. „Wir haben jetzt aber die Möglichkeit eröffnet, Splitanteile zu vergeben. Auf diese Weise können sich zwei Familien einen Anteil teilen“, sagt Lippold. Jedes Mitglied hat hierbei eine Stimme, egal ob es mehrere Anteile besitzt. „Das ist der Unterschied zum Aktienrecht. Jeder ist bei uns gleichberechtigt – nicht wer viel Kohle hat, entscheidet, wo es langgeht“, erklärt Lippold. Auf diese Weise könne niemand seinen Willen durchdrücken, denn bei dem Projekt gehe es darum, neben den Kosten auch die Verantwortlichkeiten für ein solch großes Anwesen auf viele Schultern zu verteilen.
Ausschließlich Eigennutzung
„Entscheidend ist, dass es Menschen sind, die mit diesen Gemeinschaftsgedanken etwas anfangen können“, meint Lippold. Nach den ersten drei Jahren von Son Sard habe es einen Richtungsstreit in der Genossenschaft gegeben. „Das Ganze stand auf der Kippe, denn es gab damals sieben Personen, die doch eine Vermietungsgenehmigung beantragen und hier Dividenden herausschlagen wollten“, erinnert sich die 60-Jährige. Die Mehrheit blieb aber bei der ursprünglichen Idee: Can Garrit dient ausschließlich zur Eigennutzung der Mitglieder und ihrer Familien. Über einen Belegungsplan können sie ihre gewünschten Daten ein Jahr im Voraus eintragen. „Natürlich gibt es mal Doppelungen, aber noch nie wirklich Ärger. Man einigt sich dann“, sagt Lippold.

Abwasch mit Blick ins Grüne - eine der Küchen von Can Garrit. / Nele Bendgens
Zweimal im Jahr treffen sich alle zur Mitgliederversammlung an einem Ort in Deutschland. Dort besprechen sie neue Baumaßnahmen, Abrechnungen vom vergangenen Jahr und was sonst noch so anliegt. „Selbst bei Meinungsverschiedenheiten können wir uns durch die persönlichen Treffen gut einigen. Wenn du dir wirklich in die Augen guckst, sind die Missverständnisse schnell wieder weg. Spätestens beim abendlichen Bier ist alles wieder gut“, sagt Lippold, die die Genossenschaft zusammenhält.
„Ich bin so etwas wie der Fels in der Brandung“, sagt sie augenzwinkernd. Jeden März treffe sich zudem „der harte Kern“ zu einem Arbeitswochenende, bei dem er Frühlingsputz und anfallende Erneuerungen erledige. „Für mich ist das eine absolut erholsame Urlaubswoche. Es macht großen Spaß, zusammen aktiv zu sein und unser gemeinsames Zuhause weiter herzurichten“, sagt die 60-Jährige.

Mitbegründerin Petra Lippold hält die Genossenschaft zusammen und organisiert die Mitgliedertreffen. / Nele Bendgens
Die Mitglieder der Genossenschaft sind alle zwischen 40 und 70 Jahre alt und kommen aus allen Ecken der Bundesrepublik. Zurzeit sucht Son Sard wieder neue Mitglieder: „Gerne auch jüngere Menschen, denn sonst kann das Projekt auf Dauer nicht weiterbestehen“, sagt Petra Lippold.
Informationen
Son Sard e.G.
Die Genossenschaft ist Mitglied im Prüfverband der kleinen und mittleren Genossenschaften (PkmG) Berlin.
Die Finca Can Garrit liegt im Südosten von Mallorca in Cas Concos de Cavaller (Gemeinde Felanitx).
Kontakt über ein Kontaktformular: cangarrit.com
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