Empowerment für Mädchen: Neues Girlscamp auf Mallorca stärkt das Selbstbewusstsein
Coaching, Aufklärung, Selbstschutz: Die in Düsseldorf tätige Lehrerin und Referentin Rhea Seel will Mädchen stark machen – und plant auf Mallorca eine ganze Workshop-Reihe für junge Frauen

Möchte bald ganz auf Mallorca leben: Rhea Seel am Stadtstrand von Palma. / Nele Bendgens
Obwohl überall Chancengleichheit proklamiert wird, gehören Geschlechterstereotype weiterhin zum Alltag. „Gleichberechtigung beginnt mit dem Wissen um den eigenen Selbstwert“, findet die Realschullehrerin Rhea Seel und eröffnete im vergangenen Oktober in Düsseldorf ihr Bildungsatelier für Mädchen und junge Frauen. Hier bietet sie ganz in der Nähe der Königsallee Coachings und Workshops zum Thema Weiblichkeit an. Kurz vor Ostern (29. März bis 4. April) will die Pädagogin zudem ihr erstes Feriencamp für Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren auf der Insel anbieten. Eine Finca bei Sant Llorenç des Cardassar hat sie dafür bereits gemietet. Und das ist längst nicht der einzige Plan, den die vielseitig interessierte Frau für ihren zukünftigen Lebensmittelpunkt Mallorca schmiedet.

Will den Absprung aus Deutschland auf die Insel wagen: Rhea Seel / Nele Bendgens
Mädchen unter sich
Bei dem Girlscamp soll es um spezifisch weibliche Themen mit dem Schwerpunkt Persönlichkeitsstärkung gehen. „Wer bin ich als Mädchen, was verändert sich in mir, sobald die Menstruation beginnt, was können Grenzüberschreitungen sein“, nennt Seel als Beispiele. „Aber auch ganzheitliche sexuelle Aufklärung – über so etwas will man schließlich nicht mit den Eltern reden“, erklärt Seel im MZ-Interview. Daneben stehen Yoga, kreative Workshops, planschen im Pool, gemeinsam kochen, tanzen oder gemeinsame Ausflüge auf dem Programm. Die Gruppe umfasst dabei maximal 14 Teilnehmerinnen. „Wir schaffen einen sicheren Raum, nur im Kreis von Mädchen unter sich“, sagt Seel. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, der Sozialarbeiterin Lisa Hegmann, übernimmt sie dabei die Aufsichtspflicht. Der Preis für die siebentägige Rundumbetreuung liegt bei 2.100 Euro.

Logo des Girlscamp von Rhea Seel / Rhea Seel
Neustart auf der Insel
Die in Deutschland verbeamtete Lehrerin lebte ab 2022 während eines zweijährigen Sabbaticals in Portixol. Hier jobbte sie im Immobilienbereich und lernte dabei ihren heutigen Partner kennen. „Er war mein Chef, der Klassiker“, sagt die 39-Jährige aus Marl im Ruhrgebiet. Jetzt versuche sie, in Deutschland auszusteigen und ihren Lebensmittelpunkt ganz auf die Insel zu verlegen. „Während meiner Zeit auf Mallorca habe ich mich viel mit meinen eigenen Themen beschäftigt und über meine Arbeit an einer katholischen Mädchenschule reflektiert“, sagt Seel, die auch eine Ausbildung als Yogalehrerin und Sexualberaterin absolviert hat. In Teilzeit lehrt sie weiterhin Religion und Mathematik für die 5. bis 10. Klasse an einer Realschule in Düsseldorf. Sie versuche, die christlichen Grundsätze weiterzugeben, ohne zu missionieren. Es gehe ihr darum, Werte wie Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn zu vermitteln.
Echte weibliche Rollenvorbilder fehlen oft
„Ich erlebe in der Schule, wie sehr fundiertes und richtiges Wissen über sich selbst und den eigenen Körper fehlt. Besonders durch den Einfluss von Social Media“, sagt Rhea Seel. Genau hier wolle sie mit ihrer Arbeit als Coachin für junge Mädchen ansetzen. „Die bringen in dem Alter des Umbruchs eine große geistige Offenheit mit, brauchen aber viel mehr Selbstbewusstsein im Sinne von: Ich weiß, wer ich bin, ich weiß, was meine Grenze ist, und ich weiß, was meine Bedürfnisse sind“, sagt die Realschullehrerin. Dazu gäbe es noch zu wenige weibliche Rollenvorbilder, die den Wandel des Selbstbildes der neuen Generationen prägen könnten.

Realschul-Lehrerin Rhea Seel ist vielseitig engagiert / Nele Bendgens
„Man merkt, dass der Zeitgeist für diese Angebote gerade extrem da ist. Ich habe unheimlich viel Zulauf in Düsseldorf“, sagt Rhea Seel, die 2026 auch noch ihr zweites Standbein auf der Insel ausweiten möchte. In Ciutat Jardí will sie dazu ihr angemietetes Atelier so umgestalten, dass sie zukünftig auch hier Workshops, Coachings und Geburtstage für Teenager-Mädchen veranstalten kann. Außerdem soll es weitere Girlscamps im Sommer zum Thema Kreativität sowie im Herbst zum Thema Selbstverteidigung gemeinsam mit der Kickboxerin Antonia Eggeling geben.
Grenzen setzen können - auch gegen Missbrauch
„Es erstaunt mich, dass Mädchen immer noch so wenig geschützt sind“, sagt Seel, die sich zudem über das Erzbistum Köln als Schulungsreferentin zum Thema Prävention von sexualisierter Gewalt ausbilden lässt. „Das ist für mich ein ganz besonders wichtiges Thema, weil ich im Unterricht bereits viele missbräuchliche Situationen mitbekommen habe“, erklärt sie. Mädchen würden mit Jungs oft Übergriffigkeiten erleben, in jeder ihrer Klassen hätte es fünf Mädchen gegeben, die dadurch traumatisiert gewesen wären. „Daher ist das Wichtigste, was Mädchen lernen müssen, sich wirklich selbst zu beschützen“, wiederholt Seel. Am Ende gehe es darum, auf einer stabilen emotionalen Basis zu stehen, von der aus ein Nein ganz klar und deutlich ausgesprochen werden könne.
Informationen
Girlscamp Mallorca/ Bildungsatelier Rhea Seel
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