Airbus oder Boeing: Welche Flugzeugtypen die Mallorca-Urlauber auf die Insel bringen
Tausende Flieger steuern Mallorca jedes Jahr aus dem Norden an. Die Flugzeugtypen gehen jedoch fast immer auf zwei Standardmodelle zurück. Mit diesen Kniffen können Sie sie unterscheiden

Eurowings ist bislang im Airbus unterwegs. / Foto: Eurowings
Mit einem Blick auf die Marke können eigentlich die meisten Menschen Autos voneinander unterscheiden. Bei Flugzeugen ist das nicht ganz so einfach. Die Chance, den Hersteller richtig zu raten, beträgt immerhin 50 Prozent. Airbus und Boeing haben fast alle Konkurrenten aus der Luft verdrängt. Es ist ein regelrechtes Duopol. Beide Luftfahrtkonzerne liefern sich ein Rennen um neue Technologien, die sie dann gerne voneinander abkupfern. Umso schwieriger ist es für die Passagiere, die Flieger rein von der Optik zu unterscheiden.
Auf die Nase und das Fenster achten
Damit das doch gelingt, nützen zwei kleine Kniffe. Der erste Blick sollte auf das Cockpitfenster gehen. „Airbus-Flieger haben sechs Cockpit-Scheiben, von denen die hinten liegende auf beiden Seiten des Rumpfes eine charakteristische fünfeckige Form hat“, schreibt der Flughafen Düsseldorf auf seiner Website zur Flugzeug-Kunde. Das hintere Fenster sieht wie ein Blatt Papier aus, bei dem die obere Ecke umgeknickt ist. Zudem sind die Scheiben in einer Reihe. „Bei Boeing-Flugzeugen bilden die Cockpitfenster ein breites ‚V‘“, schreibt hingegen der Züricher Flughafen. Das hintere Fenster hat eine längere und eine kürzere Seite.

Die Boeing-Maschine hat eine spitzere Nase und eine V-förmige Fensterlinie mit viereckigen Scheiben. | FOTO: GREGOR SCHLÄGEL
Der zweite, wenngleich nicht so eindeutige Trick, ist der Blick auf den vordersten Teil des Fliegers. „Beim Airbus ist die Nase stärker abgerundet und wirkt dadurch verkürzt. Die Nase einer Boeing ist spitzer und erscheint dadurch länger“, so der Flughafen Zürich. In der Kabine sind die Airbus-Modelle meist breiter als die Boeing-Maschinen, was man als Passagier aber kaum bemerkt. Zumal jede Fluggesellschaft bei der Bestellung eigene Wünsche und Vorstellungen einfließen lassen kann. Im vorderen Bereich ist eine Küche möglich oder lediglich eine Trennwand zum Bereich der Besatzung.

Der Airbus ist hauptsächlich an der runden Nase und dem Cockpitfenster mit der abgeknickten Ecke zu erkennen. / dpa
Wer beim Flugzeugratespiel mogeln möchte, kann bereits bei der Buchung unter Details sehen, mit welcher Maschine der Flug durchgeführt wird.
Wie entscheiden die Airlines?
„Geschmackssache kann man nicht sagen. Es sind langwierige Prozesse, wie eine Airline ihr Flottenprofil aufbaut“, sagt TUI-Pressesprecher Aage Dünhaupt, der just im Airbus-Werk in Seattle die neuen TUI-Maschinen begutachtet, als die MZ ihn erreicht. „Welche Flugzeuge sind verfügbar? Hat die Airline zuletzt auf Boeing oder Airbus gesetzt? Es ist eine Wissenschaft für sich.“
Die Kosten spielen natürlich auch eine Rolle. Und die versprochenen Lieferzeiten des Herstellers. Dann geht es bei der Wahl des Fliegers noch ins Detail. „Boeing arbeitet nur mit einem Fabrikanten von Triebwerken zusammen, Airbus mit zwei. Da steht die nächste Entscheidung bevor“, sagt Dünhaupt.
Ryanair kauft neue Flieger
Und dann haben Airbus und Boeing jeweils noch unterschiedliche Modelle. Da ist die Regel: Neu ist immer besser. „Wir investieren 22 Milliarden US-Dollar in 210 neue Boeing 737-8200 ‚Gamechanger‘“, tönt Ryanair auf seiner Website. „Das bedeutet 4 Prozent mehr Passagiere, 16 Prozent weniger Treibstoffverbrauch und 40 Prozent weniger Lärmbelastung.“ Ab Frühling 2027, heißt es auf MZ-Anfrage, starten zudem die neuen „Boeing 737 Max 10“-Flieger für die irische Fluggesellschaft. Diese würden im Vergleich zur älteren 737-Flotte 21 Prozent mehr Passagiere empfangen können, 20 Prozent weniger Kerosin verbrauchen und 50 Prozent ruhiger fliegen. Sowohl Tui als auch Ryanair fliegen ausschließlich mit Boeing-Maschinen. Mit einer kleinen Ausnahme: Die Ryanair-Tochter Lauda fliegt mit dem Airbus A320.
Austrian Airlines nutzte bis zuletzt noch einen der wenigen Flieger, die nicht den zwei Luftfahrtgiganten angehörten. Wie eine Pressesprecherin der MZ jedoch bestätigte, ist die brasilianische Embraer nicht länger im Flugplan enthalten. „Für die Kurzstrecke steigen wir auf Airbus um“, sagte die Sprecherin. Der brasilianische Hersteller hatte im Vergleich zu Airbus und Boeing links und rechts jeweils nur zwei Sitze pro Reihe verbaut.
Condor und Eurowings vertrauen hingegen ausschließlich auf Airbus. Doch auch hier gibt es ein Aber. Eurowings kaufte sich vor einem Jahr 40 Boeing 737 Max 8 für rund fünf Milliarden US-Dollar. „Es ist damit das mit Abstand größte und teuerste Nachhaltigkeits-Projekt in der mehr als 30-jährigen Firmengeschichte“, heißt es in einer vor einem Jahr veröffentlichten Pressemitteilung des Unternehmens. 2027 soll die erste Boeing für die Lufthansa-Tochter fliegen. Bis 2024 soll die Lieferung abgeschlossen sein. „Die neuen Flugzeuge ersetzen sukzessive die Airbus A319-Flotte sowie ältere Modelle des Typs Airbus A320.“
Der meistverkaufte Flieger
Die vielen Zahlenkombinationen sind verwirrend. Dabei sind die einzelnen Modelle gar nicht so unterschiedlich. Bei Airbus war zuerst die A320. Sie wird seit 1988 auf Linienflügen eingesetzt. Im Laufe der Jahre nahm der Hersteller Anpassungen an der A320 vor. Das sieben Meter längere Modell, die A321, kam 1993 auf den Markt.
Statt weiter auszubauen, wurde die A320 im Anschluss verkleinert. Das kam den Billigfluglinien entgegen. Die A319 ist mit einer Länge von 33,84 Metern 3,8 Meter kürzer als die A320. Mit einer Spannweite von 34,10 Metern ist sie breiter als lang. „Da die Tankkapazität trotz des geringeren Gewichts und der reduzierten Passagierzahl unverändert blieb, hat die A319 eine höhere Reichweite als ihre größere Schwester“, schreibt das Fachportal „Aeroreport“.
Mit der A318 kam zwar ein noch kürzerer Flieger hinzu, die Produktion wurde aber 2013 eingestellt. Der heutige Airbus-Winzling ist die A319. Mit der 12.260. ausgelieferten Maschine ist die A320-Familie seit vergangenem Oktober das meistverkaufte Flugzeug der Welt.
Seit Januar 2016 fliegen zudem Neo-Maschinen von Airbus durch die Luft. Die A320-Familie wurde mit neuen Triebwerken ausgerüstet, die im Vergleich zu den Vorgängern 15 Prozent Treibstoff sparen. Der Namenszusatz Neo steht für New Engine Option.
Alle zwei Sekunden im Einsatz
Weltweit startet oder landet alle zwei Sekunden eine Boeing 737. Dieses Modell des US-amerikanischen Anbieters existiert seit 1967. In den vergangenen knapp 60 Jahren hat es ebenfalls regelmäßig verschiedene Modifizierungen gegeben. Die verschiedenen Modelle wurden mit einem Zusatz versehen und nach oben gezählt: 737-100, 737-200 und so weiter.
Um auf den Erfolg der A320-Familie zu reagieren, entwickelte Boeing eine „Next Generation“, die neue Tragflächen und verbesserte Triebwerke aufweist. Kassenschlager ist die Boeing 737-800 mit knapp 5.000 ausgelieferten Modellen.
Die „Max-Versionen“ sind wiederum die Antwort auf die Neo-Produktion des europäischen Konkurrenten, auch hier geht es um bessere Triebwerke. Der Beisatz „Max“ wird hin und wieder bei der Bezeichnung weggelassen. Diese Modelle haben dann nur einstellige Nummern. Die 737-8 ist quasi die „Max-Version“ und nicht zu verwechseln mit dem Standardmodell 737-800.
Eigene Variante für Ryanair
Bei dem von Ryanair eingesetzten „Gamechanger“ handelt es sich um eine speziell für die irische Fluglinie abgewandelte Version der Boeing 737 Max 8, die 2019 als „Problemflieger“ nach zwei Abstürzen Schlagzeilen schrieb. Knapp zwei Jahre gab es wegen Sicherheitsbedenken für das Modell ein fast weltweites Flugverbot. Die Ryanair-Variante hat acht zusätzliche Passagiere bei gleichbleibender Flugzeuglänge. Die Einsparung beim Treibstoff entsteht durch die höhere Anzahl der Fluggäste, da der Verbrauch pro Kopf berechnet ist.
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