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Mallorca statt Tanzsaal: Esther Schweins trainiert bei "Let's Dance"teils auf der Insel – der Profi wird eingeflogen

Ab dem 27. Februar ist die Schauspielerin bei der RTL-Tanzshow mit dabei. Die Mallorca-Residentin will daraus etwas fürs Leben mitnehmen – und hat doch Bammel

Locker machen für „Let’s Dance“: Esther Schweins bei einer Yoga-Übung am Strand.

Locker machen für „Let’s Dance“: Esther Schweins bei einer Yoga-Übung am Strand. / MONIKA LINNENBECKER

Etliche Jahre lang hat der Fernsehsender RTL versucht, die seit 2008 auf Mallorca lebende Schauspielerin Esther Schweins für die Tanzshow „Let’s Dance“ zu gewinnen. „Das kann ich nicht, das werde ich nie können, habe ich immer gedacht“, erzählt sie bei einem Kaffee an der Uferpromenade von Portitxol in Palma. Auch in jungen Jahren vermittelte Schauspielerdünkel mögen zunächst eine Rolle gespielt haben. Vor allem aber habe „das Leben“ im Weg gestanden, die Familie, die beruflichen Verpflichtungen, der von ihrem verstorbenen Mann geerbte landwirtschaftliche Betrieb am Fuß der Serra de Tramuntana, auch mal die Gesundheit.

Dieses Jahr hat es endlich gepasst, zumal die schon ältere Mutter versorgt ist und ihre beiden Kinder (fast) erwachsen sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Show müssen sich für das Format rund 14 Wochen blocken. Die Produktionsfirma der ARD-Serie „Die Kanzlei“ veränderte eigens den Drehplan für die neuen Folgen, sodass sie für die Generalprobe und die Live-Shows in Köln sein kann. In Hamburg wird sie dann nach Drehende nachts die Tänze einstudieren.

"In mir lebt eine kleine Tanzprinzessin"

Die 55-Jährige kann jetzt also tanzen lernen. „Den Wunsch hatte ich schon immer. Tatsächlich lebt in mir eine kleine Tanzprinzessin, die sich immer noch wünscht, eines Tages aufzuwachen und tanzen zu können“, sagt sie. Es mag sein, dass sie sich das ein wenig zurechtgelegt hat für die Presse, aber es passt zu ihrem sonnigen Gemüt.

Allerdings: Hier geht es ums Tanzen vor einem Millionenpublikum, in „einem der Dauerbrenner des deutschen Fernsehens“, wie sie sagt. Es ist die bereits 19. Staffel von „Let’s Dance“. Dass die Show immer noch so viele Menschen vor den Fernseher lockt, sei schon an sich eine Auszeichnung für RTL. „Ich sage euch: Die werden tanzen, bis die Scheinwerfer ausgeschaltet werden.“ Der Privatsender ist für sie auch ein wenig berufliche Heimat: Hier begann in den 90ern bei „Samstag Nacht“ ihre Fernsehkarriere.

Besonderheit: Alles ist live

Ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs der Show ist die Tatsache, dass es sich um ein Live-Format handelt. „Was wird heutzutage außer Sportveranstaltungen überhaupt noch live ausgestrahlt!“, sagt Esther Schweins. Für sie selbst sei dieser Live-Charakter „zu gleichen Teilen reizvoll wie angsteinflößend“, birgt er doch einiges an Blamagepotenzial. Den Gedanken an mögliche Fehltritte und Häme aber weiß die Oberhausenerin fortzuschieben: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand ‚Let’s Dance‘ einschaltet, weil er jemandem dabei zusehen möchte, wie er grandios scheitert“, sagt sie.

Auch vor dem gestrengen Urteil von Jury-Mitglied Joachim Llambi fürchte sie sich nicht. „Muskelkater und dass mir die Kondition ausgeht, machen mir eher Sorgen.“ Ein Ansporn sei für sie auf jeden Fall, dass es auch andere Frauen in ihrem Alter schon weit bei „Let’s Dance“ gebracht haben. „Katja Ebstein hat mit 60 Jahren den zweiten Platz gemacht, das war wunderschön“, schwärmt sie.

Kann bisher nicht wirklich tanzen: Esther Schweins

Kann bisher nicht wirklich tanzen: Esther Schweins / OLIVER DIETZE / RTL

Die Kandidaten von "Let's Dance" 2026

Unter den 14 Kandidaten ist sie mit Sonya Kraus die einzige Schauspielerin. Als männlicher Schauspiel-Kollege ist Jan Kittmann (GZSZ) mit dabei. Eine Tanzausbildung hat Esther Schweins in ihrer Schauspielausbildung nicht durchlaufen. „Wir hatten nur sogenanntes Kreatives Körpertraining“, sagt sie, „es war das Grauen.“

An Erfahrung vorzuweisen habe sie ansonsten noch Ballettstunden in ihrer Kindheit, bei denen sie immer in der letzten Reihe stand und sich als Choreografie-Legastenikerin erwies; die Tanzschule ihrer Jugend, an die sich kaum noch erinnert; und viele Umdrehungen mit einem Viernheimer „König des Discofox“ namens Volker Reinhardt in den 80ern, den sie an dieser Stelle schon mal schön grüßen will. Hinzu kommt noch eine Mini-Tanzsequenz als Rumba-Turniertänzerin für die ProSieben-Krimiserie „Alles außer Mord“ in den 90er Jahren. Sie musste in nur zwei Stunden einstudiert werden.

Mit anderen Worten: Esther Schweins kann bisher nicht wirklich tanzen und schon gar nicht auf „Let’s Dance“- Niveau. Ihren Mitbewerbern hat sie so gesehen kaum etwas voraus. Im Cast der Staffel 2026 sind auch die Influencerin Vanessa Borck – sie wird mit einer Frau tanzen –, „No Angels“-Star Nadja Benaissa, Sängerin Anna-Carina Woitschack, Ex-GNTM-Kandidatin Betty Taube und Influencerin Bianca Heinicke.

Auch Comedian Simon Gosejohann, „Tokio Hotel“-Drummer Gustav Schäfer, „Ninja Warrior“-Star Joel Mattli, Content Creator Willi Whey, Ex-„Bro’Sis“-Sänger Ross Antony und Sänger Milano treten bei der Show an. „Let’s Dance“, das ist ersichtlich, soll auch für ein jüngeres Publikum wieder attraktiv sein.

Geduld, Schweiß, Muskelkater

Wer die Show schon einmal gesehen hat, weiß, dass vor allem für die prominenten Laien-Tänzer viel Geduld, Schweiß, Muskelkater und auch so manches Tränchen auf dem Programm stehen. Unterstützung bekommen sie bei den Vorbereitungen zwar von ihren Tanzpartnern, den Profis. Zwischen den Live-Shows bleiben jeweils aber nur wenige Tage, um die neuen Choreografien einzustudieren.

Esther Schweins könnte sich nun systematisch vorbereiten auf die Show, gar Tanzunterricht nehmen, aber das würde sie um die „Erfahrung“ von „Let’s Dance“ bringen, bei der es ja darum geht, unter großem Druck zu lernen. Zur Vorbereitung muss es also reichen, fit zu bleiben. Zusätzlich zu ihren Yoga-Übungen war sie deswegen dieser Tage am Strand von Molinar unterwegs, „zweimal 20 Minuten Nordic Walking, das muss reichen“. Die Gehstöcke lehnen im Café hinter ihr.

So bereitet sich Esther Schweins, die vor ihren Antworten oft länger überlegt und nach Formulierungen sucht, erst einmal mental vor. „Ich habe bei jedem Tanz etwas entdeckt, was mir anatomisch unmöglich erscheint oder haltungstechnisch eine Herausforderung ist“, sagt sie. Der langsame Walzer: „ein wunderschöner eleganter, schwebender Tanz“. Paso doble: „ausdrucksstark und temperamentvoll“. Oder Jive oder Quickstep, „bei denen man die Füße so schnell bewegen muss, dass mir schwindelig wird“.

So viel habe sie jetzt schon gelernt: „Der Anschein der Leichtfüßigkeit kann nur durch absolute Körperbeherrschung, Spannung und Kraftaufwand hergestellt werden.“ Der ausschließliche Fokus darauf habe etwas Beruhigendes, sagt die Schauspielerin.

Ziel ist nicht der Sieg

Geht es ihr nun um den Sieg? Esther Schweins winkt ab: Ihr Ziel sei es, alle Tänze zu lernen und „für den Rest ihres Lebens auf Tanzveranstaltungen mit klarer Stimme ‚Ja‘ antworten zu können“, wenn sie zu „egal welchem Tanz“ aufgefordert wird. Dafür muss sie allerdings bis ins Finale kommen. „Ich habe erst beim Vorgespräch für das Format begriffen, dass mit dem Ausscheiden aus der Show auch der Tanzunterricht endet“, sagt sie. Ob ihre schon geäußerte Bitte, bei vorzeitigem Ausscheiden weiter unterrichtet zu werden, stattgegeben würde, ist ungewiss, aber mit Bestimmtheit gewünscht.

Mit Beginn der Show wird sie zur Hälfte in Deutschland, zur Hälfte auf Mallorca trainieren. Den ihr zugeteilten Profitänzer – wer es ist, weiß sie noch nicht – lässt der Sender einfliegen. „Ich hoffe, er freut sich auf Mallorca“, sagt sie. Sie freut sich indes auf die Erfahrung: „Ich hab’ mir das Tanzen jetzt verdient. Wenn ich das gemacht habe, gleite ich nur noch.“

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