„Weil wir so ein Glück haben“ - Die Unternehmer Arnd und Xenia von Wedemeyer über ihr Leben auf Mallorca
Zwischen Fotografie, Immobilienbestand und Stiftung: Der Gründer von notebooksbilliger.de, Arnd von Wedemeyer, und seine Frau Xenia im Interview über künstlerische Leidenschaft, Wohnraum auf Mallorca und soziale Projekte

Arnd und Xenia von Wedemeyer in Arnds neu eingerichtetem Fotostudio in Palma. / Nele Bendgens / Nele Bendgens
Wer heute Arnd von Wedemeyer bei Google eingibt, stößt zunächst auf einen Fotografen, der Porträtfotografie anbietet. Bislang war der 53-Jährige allerdings für den von ihm gegründeten Online-Versandhandel notebooksbilliger.de (geschätzter Umsatz 2025: 850 Millionen Euro) bekannt. Er ist dort heute noch Aufsichtsratvorsitzender und Mehrheitseigner. Seit 2019 lebt er gemeinsam mit seiner Frau Xenia (40) und ihren fünf gemeinsamen Kindern fest auf der Insel. In Palma hatte von Wedemeyer bereits 2016 das Immobilienunternehmen Predator gegründet. 2021 kam noch eine zunächst mit 250.000 Euro ausgestatte Stiftung dazu: Fundació Predator. Das Ehepaar - sie ist Juristin - unterstützt damit diverse soziale Projekte, insbesondere im Kinder- und Jugendbereich. Wir treffen die beiden in ihrem neuen Fotostudio gleich um die Ecke der Plaça de Cort in Palma.
Wie schaffen Sie es, Herr Wedemeyer, all Ihre Rollen unter einen Hut zu bringen?
Ich konzentriere mich mittlerweile komplett auf die Fotografie. Da sitze ich bis tief in die Nacht am Notebook und editiere Bilder. Den Betrieb von Predator SL habe ich an eine Doppelspitze abgegeben. Ich habe für mich festgestellt: Ich liebe Immobilien, ich liebe Design, aber es ist mir alles zu langsam und zu wenig transaktional und unmittelbar. Außerdem ist das ein Business, das eigentlich auf Streit aufgebaut ist. Eine Baufirma profitiert davon, wenn sie dir schlechtere Sachen verbaut, als sie dir verkauft hat, und der Mieter meldet sich nur, wenn irgendwas schiefläuft. Es ist ein Geschäftsmodell, bei dem dich immer nur jemand kontaktiert, wenn es ein Problem gibt. Das wollte ich nicht bis an mein Lebensende machen.
Was machen Sie als Fotograf?
Ich habe erst bei uns in der Garage mit ein bisschen Studiofotografie angefangen. Am liebsten aber ziehe ich mit meinen Kunden durch Palma und fotografiere sie vor Ort. Derzeit konzentriere ich mich gerade auf sogenannte Headshots, eng beschnittene Porträtfotos, die sich auf das Gesicht fokussieren. Mein neuestes Projekt heißt „Faces of Mallorca“. Und ich nehme auch an Wettbewerben teil, bislang im Bereich Street Photography.
Einige Preise haben Sie schon gewonnen. Sie wollen herausstechen?
Nein, ich mag es herauszustechen, aber ich nehme an diesen Wettbewerben nur teil, damit ich einen künstlerischen Lebenslauf habe. Ich habe ja erst vor drei Jahren zum ersten Mal eine Fotokamera in der Hand gehabt. Die KI hat mir zu dem Lebenslauf geraten, als ich meine Website baute. Nur jeden Tag auf Instagram zu posten, würde nicht reichen.
Es geht Ihnen also auch um die Follower? Denn rechnen muss es sich ja nicht unbedingt.
Ja, die Follower sind mir schon wichtig. Aber ich habe den Ehrgeiz, dass, wenn ich es schon professionell mache, es auch nach einem gewissen Businessplan profitabel werden muss.
Ist der Break-even in Sicht?
Der Break-even wir vor nächstem Jahr nicht passieren. Dafür habe ich zu viele Kameras im vergangenen Jahr gekauft. Meine Hardware-Begeisterung geht mit mir durch.
Wie gehen Sie an die Akquise heran?
Die ist schwierig. Entweder hat man dann in einer Woche drei Shootings und denkt sich, boah, weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll, oder es ist drei Wochen komplett Ruhe. So geht es aber wohl jedem Fotografen. Ich habe es über Instagram-Werbung probiert, aber das funktioniert ganz schlecht. Nachdem ich es geschafft habe, mich nach einem elenden Prozess für Werbung in Google freizuschalten, fange ich jetzt damit an. Ansonsten ist alles zurzeit nur Mundpropaganda. Ich will jetzt Multplikatoren finden. Wenn Leute zum Beispiel ein Shooting auf einer Yacht haben wollen, muss ich mit einem Yachtcharterer zusammenarbeiten. Das sind jedes Mal challenges.
Können Sie nicht mit einem gewissen Promi-Bonus arbeiten?
Könnte man vielleicht, aber ich will die Leute ja mit dem überzeugen, was ich kann.
Xenia von Wedemeyer: Na ja, an ein paar bist du dadurch schon rangekommen, wie bei dem Shooting in Hamburg, wo Clueso vor die Kamera rannte. Das hätte er nicht getan, wenn du nicht Arnd von Wedemeyer wärst.
AvW: Ja, das stimmt.

Arnd und Xenia von Wedemeyer haben gemeinsam noch viel vor. / Nele Bendgens
Zurück zu den Immobilien: Wie kam es dazu?
XvH: Eigentlich sind wir 2019 auf die Insel gezogen, weil Arnd weniger arbeiten wollte. Aber dem war nicht so. Mit Covid ist das Geschäft dann immer mehr gewachsen.
AvH: Ja, ich überlegte mir in der Pandemie: So, jetzt kaufst du Immobilien, die gehen zwar noch weiter runter im Preis, aber du hast jetzt die Auswahl. Die Preise sind dann nicht weiter gesunken, aber basierend auf dieser falschen Annahme sind dann ganz gute Deals entstanden, wie sich hinterher herausstellte. Ich habe mich hauptsächlich auf Portitxol und Molinar konzentriert. Das war schon immer meine Lieblingsgegend.
Predator heißt Raubtier. Wie kommen Sie auf solch einen Namen?
Dafür habe ich schon viel Schelte bekommen, und es war vielleicht nicht die intelligenteste Namenswahl. Dabei ist der Hintergrund ein ganz anderer: Zu meiner Notebooksbilliger-Zeit hatten wir mal die Idee, einen Energydrink mit dem Namen „Raubtierbrause“ herauszubringen. Mit einer comicartigen Figur, die die Quatschversprechungen der Konkurrenz auf die Schippe nimmt. Das habe ich so gemocht, dass ich bei dem Namen geblieben bin. Ohne zu bedenken, dass jeder, der die Vorgeschichte nicht kennt, denkt: Das sind die Arschlöcher, die Heuschrecken. Meine Mitarbeiter haben schon häufiger gefragt, ob wir den Namen nicht ändern können. Ich antworte dann, jetzt haben wir ihn nun einmal, und jetzt ist auch gut.

Hinter dem Namen von Predator steckt eine witzige Anekdote. / Predator SL
Also kein Raubtier. Sie konzentrieren sich auf Vermietung. Wie viele Objekte haben Sie?
Das weiß ich jetzt gar nicht so genau, das wissen die Geschäftsführer. Irgendwas zwischen 50 und 100.
Sie machen auch Ferienvermietung?
Ja, in den Häusern. Obwohl es dabei immer wieder seltsame Diskussionen mit der Stadt gibt, weil einem Haus angeblich ein Zentimeter in der Breite fehlt und solche Punkte. Man merkt schon, dass es nicht gewollt ist.
Können Sie das nachvollziehen?
AvH: Ja, aber ich halte es für eine populistische Argumentation. Wenn man sich mit dem Gesetz beschäftigt, gibt es für jeden Residenten die Möglichkeit, sein eigenes privates Objekt für bis zu drei Monate im Jahr zu vermieten. Soweit ich weiß, muss der aber keiner Stelle melden, ab wann diese drei Monate anfangen. Wenn ich das bösartig interpretiere, ist das eigentlich ein Freibrief, um das ganze Jahr über illegale Ferienvermietung zu betreiben.
XvH: Aber trotzdem: Ich glaube einerseits, dass die Hotellobby sehr stark ist und kein Airbnb haben will. Andererseits verstehe ich die Problematik beim Thema Wohnraum und Kosten für die Einheimischen.
Wie würden Sie das Problem angehen?
AvH: Das Rathaus müsste gemeinsam mit dem Inselrat mehr Flächen für sozialen Wohnraum freigeben und diese auch bebauen. Aber ich höre immer nur Absichtserklärungen, ohne dass es wirklich losgeht.
XvH: Es gibt genug Flächen, die brachliegen, und die Stadt unternimmt da jahrelang nichts. In Son Bordoy haben sich mittlerweile die Obdachlosen, die wir mit unserer Stiftung betreuen, ihre Hütten gebaut. Jetzt will man sie vertreiben, obwohl man sie längst hätte unterbringen können, hätte man gebaut.
AvH: Das ist der Punkt: Warum baut man nicht konsequent bezahlbaren Wohnraum, der nur unter einer gewissen Einkommensgrenze bewohnbar ist? Vom Nichtstun und Schimpfen wird sich nichts ändern.
Es gibt genug Flächen, die brachliegen, und die Stadt unternimmt da jahrelang nichts. In Son Bordoy haben sich mittlerweile die Obdachlosen, die wir mit unserer Stiftung betreuen, ihre Hütten gebaut.
Wären Sie als Unternehmer bereit, hier in den sozialen Wohnungsbau zu investieren?
AvH: Ich wäre sofort dabei, wenn das Rathaus beispielsweise sagen würde: Wir machen eine Erbpacht, und ihr könnt das 99 Jahre oder 50 Jahre betreiben. Es wäre eine gute Idee, denn große Einheiten zu bauen, ist viel effizienter als nur ein Häuschen hier und da. Man könnte was Gutes tun, und ehrlicherweise wäre es am Ende auch rentabler.
Vermieten Sie vor allem an Ausländer?
Nein, auch an Residenten und nicht nur an touristische oder saisonale Mieter, wie man denken könnte. Der inländische Mieter verursacht sowieso erheblich weniger Aufwand, da er nicht anruft, sobald irgendwas quietscht. Das muss man in der Vollkostenkalkulation ganz nüchtern berücksichtigen. Nach Covid war es sehr en vogue, dass man das Homeoffice nach Mallorca verlegte, aber im Grunde in Deutschland, UK oder wo auch immer blieb. Mittlerweile scheinen jedoch immer mehr Menschen auch langfristig hier zu wohnen, was für die Insel Steuerannahmen bedeutet.
Wenn Sie denn auch wirklich auf der Insel steuerlich veranlagt sind …
Das ist das größte Problem. Ein erheblicher Teil der Menschen, die ich hier kennengelernt habe, sind keine offiziellen Residenten und glauben, sie würden nie entdeckt werden. Das halte ich für eine sehr mutige und auch für die falsche Sichtweise. Wenn ich jetzt der Inselrat wäre, würde ich gucken, dass ich mehr Leute finde, die Residenten sein müssten, aber es nicht sind. Das wäre kein großer Aufwand, man müsste sich nur vor die Schulen stellen. Aber es wird nicht gemacht. Ich kann nicht nachvollziehen, dass Leute, die hier 100.000 oder 200.000 Euro Vermögensteuer pro Jahr zahlen müssten, einfach so treiben gelassen werden. Wahrscheinlich will man sich nicht zu unbeliebt machen, damit die Immobilienkäufe nicht nachlassen.
Wenn ich jetzt der Inselrat wäre, würde ich gucken, dass ich mehr Leute finde, die Residenten sein müssten, aber es nicht sind. Das wäre kein großer Aufwand, man müsste sich nur vor die Schulen stellen.
Sie zahlen Ihre Steuern hier?
Ja, von Anfang an.
Machen Sie sich als Investor über das Thema Gentrifizierung Gedanken?
AvH: Ja, aber ich habe keine Lösung. Überall dort, wo eine Lage attraktiv ist, kommen Leute, die einkommensstärker sind als die Menschen, die da wohnen. Wenn sie mehr zahlen können und höhere Ansprüche stellen, finden sich Investoren, die die Bude renovieren und die doppelte Miete verlangen. Es ist der ganz normale Gang der Welt. Ist der jetzt sympathisch? Nein. Das zu verhindern scheitert an vielen EU-Gleichbehandlungsgrundsätzen und im Zweifel auch an der spanischen Verfassung. Es wird wahrscheinlich so weitergehen. Alles andere wäre jetzt Heuchelei.
Wie werden sich die Preise weiter entwickeln?
Durch die Schwäche in Europa, also die tatsächliche volkswirtschaftliche und vor allem Innovations- und Bildungsschwäche, entsteht aus meiner Sicht eine Unsicherheit in den relevanten Volkswirtschaften, die Investitionen großflächig eher bremst. Ich rechne damit, dass die Preise maximal stabil bleiben und im Zweifel eher heruntergehen. Das ist ein ganz gesunder Prozess. Es war absurd, wie die Preise in den letzten Jahren hochgegangen sind.
Sie haben 2021 die Predator-Stiftung gegründet. Aus schlechtem Gewissen?
XvH: Nein, nicht aus Investorensicht, sondern weil wir so ein Glück im Leben haben. Wir haben gesunde Kinder und können ihnen im Vergleich zu anderen so viel bieten. Meine Schwester ist Kinderonkologin, dadurch bin ich jeden Tag mit dem Thema Krankheit konfrontiert. Wir sind sehr dankbar für alles, was wir haben, und haben auch in Deutschland schon viel wohltätig unterstützt.
AvH: Hier wollten wir etwas mit Kontinuität und einer nachhaltigen Wirkung machen und haben daher die eigene Stiftung gegründet.
Was macht die Predator-Stiftung konkret?
XvH: Der Fokus unserer Arbeit liegt auf sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Wir und unsere Spender helfen, dass obdachlose Kinder betreut werden und in Sportvereine und Summer-Camps kommen. Wir zahlen Schul- und Büchergelder, damit sie in die Schule gehen können, und sorgen dafür, dass sie ein warmes Mittagessen bekommen. Das war die Ursprungsidee. Aktuell stopfen wir aber vor allem Löcher. Hier braucht jemand Schulgeld, dort braucht jemand Kleidung. Ein Kind ist in Not und braucht Hilfe – da fahre ich auch selbst mal Milch und Windeln aus.
AvH: Zudem unterstützen wir unterschiedliche lokale Projekte: Xenia arbeitet mit Anja Dauber von Si Mallorca zusammen, und wir unterstützen EducaClowns sowie SOS-Mamas. Wir wollen überall Hilfe verstärken, wo sie gebraucht wird. Dazu suchen wir lokale Partner, denen die finanziellen Mittel fehlen, um diese Hilfe zu skalieren. Wir geben dann verlässlich kontinuierlich Geld, also zahlen X aufs Jahr verteilt monatlich aus und prüfen dabei, was damit passiert. Es können gerne noch mehr Projekte werden, aber es ist gar nicht so einfach, geeignete zu finden.
Wie erziehen Sie Ihre eigenen Kinder?
XvH: Unsere Kinder wachsen im Vergleich zu den Kindern, die wir betreuen, in einem großen Reichtum auf. Sie lernen von uns, dass es nicht normal ist, zwei Autos und einen Pool im Garten zu haben. Wir nehmen sie nicht mit zu den Projekten, denn arme Kinder sind ja keine Zootiere. Aber wir beziehen sie in unsere Arbeit mit der Stiftung mit ein. Bei unserer Weihnachtsaktion haben sie mir tagelang geholfen, Geschenke für die Kinder einzupacken. Sie wissen, dass ich manchmal keine Zeit habe, weil ich für unsere Projekte unterwegs bin. Es ist uns wichtig, dass sie mit dem Bewusstsein aufwachsen, dass man helfen kann und muss.
Informationen
Fundació Predator
Fotostudio Arnd von Wedemeyer
Carrer de Sant Sebastià, 2, Palma
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