Feuer, Paella und 120 Kilo Sprengstoff: So wird Valencias Traditionfest Les Falles auf Mallorca gefeiert
Beim valencianischen Volksfest gehören Feuerwerk, Böller und laute Musik dazu – seit 33 Jahren auch in El Toro in der Gemeinde Calvià

Die Plantà, der Aufbau der Falla, im Vorjahr. 2026 findet sie am Freitag (27.3.) statt. / Falla de El Toro/ Facebook
Für zwei Dinge sind Valencianer besonders bekannt: ihre kompromisslose Haltung beim Thema Paella – und ihre Leidenschaft fürs Feuer. Zumindest könnte man das meinen. Denn beim Volksfest Les Falles dreht sich vieles um Feuer, Böller und große Emotionen. Bis zu 30 Meter hohe Figuren, die sogenannten fallas, werden am Ende des Festes verbrannt.
Neben den Flammen spielt auch Feuerwerk eine zentrale Rolle: etwa bei den mascletàs, ohrenbetäubenden Böllerspektakeln, und den Feuerwerken.
Seit über 30 Jahren auch auf Mallorca
Auch auf Mallorca wird diese Tradition seit inzwischen 33 Jahren gepflegt — und zwar in El Toro in der Gemeinde Calvià. Angefangen hat alles eher improvisiert: Am 19. März, dem Tag der cremà, also der Verbrennung der Figuren und dem Höhepunkt des Festes, traf sich 1993 eine Gruppe Valencianer auf einem freien Gelände in El Toro, um gemeinsam Paella zu kochen.
Einer brachte Böller mit, die anderen gute Laune. Ein Anwohner zeigte sich darüber offenbar weniger erfreut und rief die Polizei. Auch wenn dann die Beamten auftauchten, markierte dieses Treffen einen unvergesslichen Tag: Es war die Geburtsstunde der „Falla de El Toro“.
Eine falla ist dabei weit mehr als nur eine Figur, die am Ende verbrannt wird. Dahinter steht eine Art Vereinshaus in dem das ganze Jahr über Aktivitäten organisiert werden – oft um Geld für das Fest und den Bau der Figuren zu sammeln. „Wir verkaufen zu verschiedenen Anlässen Paella“, sagt Óscar Blanco, der aktuelle Präsident der Falla de El Toro. Die Reispfanne ist das typischste Gericht der Region Valencia auf dem Festland.
Zuletzt sei die Gruppe mit einem Stand beim Tag der Balearen in Palma vertreten gewesen. „Aktuell sind wir 120 Mitglieder“, sagt Blanco. Der Valencianer kam vor 16 Jahren auf die Insel und wurde sofort Teil der Gemeinschaft. „Als ich mit dem Boot im Hafen von Port Adriano anlegte, sah ich direkt die Falla“, erzählt der 49-jährige Chefkoch. Noch am ersten Tag sei er aufgenommen worden.
Falles-Künstler aus Manacor
Wichtig sind bei den falles auch die falleras mayores — die Festköniginnen, einmal bei den Erwachsenen und einmal bei den Kindern. Sie sind diejenigen, die die Zündschnur anzünden, wenn die falla in Brand gesetzt wird. Für viele Mädchen und Frauen in Valencia ist diese Rolle ein lang gehegter Traum.

Yanira Jiménez (Mi.) ist 2026 die Fallera Mayor Infantil (junge Festkönigin) in der Falla de El Toro. Ein Traum für viele Valencianerinnen. / Rathaus Calvià
Die falla selbst wird erst seit dem vergangenen Jahr direkt auf Mallorca gebaut. „Früher hat sie Jordi Palanca, ein Künstler aus Valencia, gefertigt“, sagt Óscar Blanco. Doch das sei auf Dauer zu teuer gewesen: Allein der Transport habe bis zu 4.000 Euro gekostet. Inzwischen baut der Kunsthandwerker Toni Galmés aus Manacor die Figuren — nicht nur für El Toro, sondern auch für die fallas auf den Nachbarinseln Ibiza und Formentera.
Nicht auf die Insel verlegt worden ist bislang die Herstellung der traditionellen Kleidung. „Dafür fliegen die Leute noch immer nach Valencia und lassen sich die Kleider dort anfertigen“, sagt Blanco. Auch die aufwendigen Frisuren, bei denen häufig Kunsthaar verwendet wird, gehören fest zur Tradition. Die Frauen helfen sich dabei gegenseitig. „Es gibt eine Friseurin in El Toro, die in all den Jahren gelernt hat, wie diese Frisuren gemacht werden“, sagt Blanco, der schon in seiner Kindheit teil einer Falla in Valencia war.

Eine der falleras bei der Präsentation im Rathaus von Calvià. / Rathaus Calvià
Neben Feuer, Sprengstoff und Gemeinschaft spielt auch die Religion eine wichtige Rolle. Am 17. und 18. März findet traditionell die ofrena, also die Opfergabe, statt. Dabei bringen die falleras der Geperudeta, der Schutzpatronin Valencias, Blumen dar. Aus den Sträußen wird in Valencia der Mantel der Heiligen gestaltet. Auch in der Kirche von El Toro gibt es eine kleine Darstellung der Patronin. Dorthin bringen die Falleras jedes Jahr ihre Blumen und ziehen in ihren farbenfrohen Kleidern durch den Ort.
Ein lautes Wochenende
Die ofrena gehört zu den wenigen Momenten des Festes, in denen nicht Feuer und Lärm im Mittelpunkt stehen. Davon gibt es anschließend wieder genug. „Wir werden bei zwei mascletàs und zwei Feuerwerken mehr als 120 Kilo Schwarzpulver verschießen — so viel wie sonst auf der ganzen Insel in einem Jahr“, kündigt Blanco an. Dafür habe man eigens einen der Profis aus Valencia nach Mallorca geholt. Der kann den Termin problemlos wahrnehmen, denn die falles werden auf Mallorca zeitversetzt gefeiert: in diesem Jahr vom 27. bis 29. März. Das lockt auch zahlreiche Besucher aus Valencia nach Calvià. „Dieses Jahr sind drei Hotels voll mit Gästen aus Valencia“, sagt Blanco. Zudem laufen Bestrebungen, die Feier als Fest von lokalem touristischem Interesse anerkennen zu lassen.
Alle willkommen
Das Feuerfest scheint gut anzukommen. „Die Tickets für die Paellas sind immer schnell ausverkauft“, sagt Blanco. Gemeint sind die Portionen, die beim Kochwettbewerb zubereitet werden. Am Abend legt dann noch ein DJ auf. „Wer mag denn keine Party?“, sagt der 49-Jährige Valencianer.
Im Laufe der Jahre seien auch immer mehr Nicht-Valencianer Teil der Falla geworden – Partner von Zugezogenen, aber auch Nachbarn und Freunde. „Wir haben Mitglieder aus Belgien und auch aus Deutschland“, sagt Óscar Blanco. Auftakt ist am Freitag (27. März) mit der Plantà, also dem Aufbau der Figuren. Zwei Tage später gehen sie dann am Sonntag ab 21.30 Uhr im Takt der Böller und nicht selten unter Tränen in Flammen auf.
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