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Casa Roca in Palma: Ein Traditionsgeschäft wird zum Boutiquehotel

Der ehemalige Schreibwarenladen in der Altstadt von Palma erwacht nach Renovierung und Umbau zu neuem Leben

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Wer die Casa Roca im Carrer dels Hostals von Palma betritt, hat das Gefühl, sich auf eine Zeitreise zu begeben. Viel dunkles Holz beherrscht den Raum mit seiner hohen Decke. Im rückwärtigen Teil dominiert eine lange Theke, ebenfalls aus Holz und mit Marmoroberfläche sowie glänzenden Messinggriffen. In den beiden hinteren Ecken führen zwei kurze Wendeltreppen aus schwarzem Metall zu einer schmalen Balustrade, auf der es den Kopf einzuziehen gilt.

Verstärkt wird dieses Eintauchen in die Historie durch eine alte Wanduhr, deren Stundenzeiger auf der Sechs stehen geblieben ist. Fast schon symbolisch, war es doch im Jahr 2016, als das traditionsreiche Schreibwarengeschäft im Herzen der Altstadt von Palma für immer die Rollläden heruntergelassen hat. Doch davon später mehr.

Susan Butler und Casa-Roca-Rezeptionistin Valentina Zillich (v. li.).  | FOTO: NELE BENDGENS

Die Zimmer bieten modernen Komfort und elegantes Design mit lokalen Bezügen. / Nele Bendgens

Die Sechs könnte aber auch für 2026 stehen, das Jahr, in dem Casa Roca zu neuem Leben erwacht ist. Dieses Mal aber nicht als Geschäft, sondern als mondänes Boutiquehotel mit zehn Zimmern in den oberen Stockwerken nebst Café-Restaurant im Erd- und Untergeschoss. Nichts Besonderes könnte man meinen angesichts der zahlreichen ähnlichen Einrichtungen, die in den vergangenen Jahren in der Balearen-Hauptstadt wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Und doch nimmt das Casa Roca unter all den schicken Hotels und Restaurants eine besondere Stellung ein.

Das wird bereits deutlich, wenn man sich dem Gebäude an der Ecke Carrer dels Hostals und Carrer de la Llotgeta von außen nähert. Restaurierte sandfarbene Fassade, auf der noch die Beschriftung „Almacenes Casa Roca“, übersetzt Warenhaus Casa Roca zu lesen ist, ausladendes Vordach aus Eisen und Milchglas, nostalgische Wandleuchten, schmiedeeiserne Balkone in den oberen Etagen – alles Referenzen im Art-déco-Stil an die Vergangenheit und die einstige Bedeutung.

Restaurierte Holzmöbel, Messing, Marmor: Das ehemalige Schreibwarengeschäft wartet mit einem gediegenen Ambiente auf, das Anleihen am Stil der 1920er-Jahre nimmt .   | FOTO: NELE BENDGENS

So sah es in dem ehemaligen Schreibwarengeschäft vor der Schließung aus. Vorne in der Mitte die ehemalige Besitzerin Catalina Torrents. / Nele Bendgens

Zehn Jahre dauerte die Transformation

„Wir wollen die Geschichte des Hauses weiter erzählen und nicht einfach ein Hotel betreiben“, sagt Susan Butler, Miteigentümerin und Chefdesignerin von Espais Roca, einer spanischen Hotelgruppe, die laut Eigenbeschreibung darauf spezialisiert ist, Immobilien „mit Seele, Geschichte und Gestaltung auf hohem internationalen Niveau“ zu schaffen. Von daher war das Casa Roca mit seiner 176 Jahre alten Geschichte geradezu prädestiniert für ein ambitioniertes Projekt, gehörte es doch zu den emblematischen Geschäften der Stadt und war Anlaufstation für Generationen von Einwohnern, die sich dort neben Schreibutensilien auch mit Karnevalskostümen eindeckten. In anderen Worten: nicht nur ein gewöhnlicher Laden, sondern eine Institution, die dennoch in der fünften Generation ein Ende fand.

Das prachtvolle Treppenhaus ist eines der architektonischen Highlights von Casa Roca.

Das prachtvolle Treppenhaus ist eines der architektonischen Highlights von Casa Roca. / Nele Bendgens

Verbunden war die Transformation mit einigen Herausforderungen, wie Butler erzählt. Insgesamt zehn Jahre habe der Prozess gedauert, angefangen von der behördlichen Lizenzerteilung bis zur eigentlichen Renovierung des Gebäudes, bei dem sowohl Fassade als auch Innenräume unter Denkmalschutz standen. Butler und ihr Team investierten in diesen Teil des Projekts viel Liebe zum Detail.

"Wir wollen die Geschichte des Hauses weiterzählen"

Dazu gehören die alten Möbel, die nicht einfach auf den Müll wanderten, sondern von einem Schreiner aus Binissalem aufwendig restauriert wurden. Wie auch die erwähnten zahlreichen Messingelemente, die nach der Reinigung nun wie neu erstrahlen. Zugleich suchte die 49-Jährige Butler Objekte, die den Geist der 1920er-Jahre widerspiegeln. Sie schmücken jetzt in großer Zahl die Regale im ehemaligen Ladengeschäft. Der Flohmarkt in Consell entpuppte sich dabei als wahre Fundgrube, erzählt die aus England stammende Butler, die seit 2009 auf der Insel lebt und übrigens mit einem Deutsch-Engländer verheiratet ist.

Damit nicht genug. Butler und Co. erforschten außerdem die Geschichte der Familie Torrents Roca und die des Geschäfts. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die frühere Eigentümerin Catalina Torrents, die beratend zur Seite stand, um die Erinnerung an die alten Wurzeln in der Gegenwart aufrechtzuerhalten. Offenbar scheint dies gelungen zu sein, zumal die alte Dame und auch Anwohner des Viertels immer wieder vorbeischauten, wie Butler erzählt.

Zimmer mit Referenzen an die Insel

Was aber bietet das neue Casa Roca? Da wären die erwähnten Unterkünfte, verteilt auf drei Obergeschosse: Suiten und Apartments mit ein bis drei Schlafzimmern. Dazu das Kronjuwel des Hauses, ein 120 Quadratmeter großes Penthouse im modernistischen Design mit eigener Terrasse und einigen anderen Annehmlichkeiten. Nicht zu vergessen die Terrasse für die übrigen Hotelgäste. Der Einrichtungsstil der Zimmer ist zwar modern gehalten, aber mit vielen Referenzen an die Insel – seien es Materialien, Farben oder Fotos an der Wand. Klar, nicht ganz billig, die Preise fangen bei etwas über 300 Euro an, seien aber „dynamisch“, wie Butler sagt, das heißt sie richteten sich nach Saison, Buchungslage und anderen Kriterien. Dafür biete man ein familienfreundliches Ambiente – inklusive Babypack, zu dem beispielsweise ein Hochstuhl gehört. „Wir versuchen eine Atmosphäre zu schaffen, bei der man das Gefühl hat, jemanden zu besuchen.“

Viel Holz, Messing und Marmor sorgen für nostalgisches Flair im neuen Casa Roca.

Viel Holz, Messing und Marmor sorgen für nostalgisches Flair im neuen Casa Roca. / Nele Bendgens

Im ehemaligen Ladengeschäft ist das Café-Restaurant Capitulo angesiedelt, das auch für Nicht-Hotelgäste geöffnet ist. Prunkstück ist die Phalanx von 900 Weinflaschen, die gekühlt in den ehemaligen Ladenregalen lagern. Im Untergeschoss liegt der sogenannte „Tasting Room“, genutzt sowohl als Frühstücksraum als auch für Tapas-Menüs oder Koch-Events. Auch hier viel geschmackvolles Design, das den Art-déco-Stil der 1920er-Jahre atmet. Eröffnung des Restaurantbereichs ist für Ende Juli vorgesehen, der ganzjährige Hotelbetrieb läuft bereits seit Mai. Die Buchungslage sei gut, heißt es.

Doch noch einmal zu den Vorbesitzern. Ihnen wurde im neuen Casa Roca quasi ein Denkmal gesetzt. Nicht nur, dass die Zimmer die Namen der Familie Roca tragen. An der Seitenfassade haben die mallorquinischen Streetart-Künstler Joan Aguiló und Álex@Inkterrorist eine besondere Referenz angebracht. Sie verewigten die Porträts von Gründer Francisco, Catalina, deren Mutter Vicenta und dazu noch von Chari und Mati, zwei Angestellte, die Casa Roca ein Leben lang treu geblieben waren.

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