Oscarstar, Detektiv, Mallorca-Fan: Das geheime Inselleben von Peter Ustinov
Neues Buch beleuchtet die knapp 40 Jahre, in denen der Oscar-Preisträger in der Insel ein- und ausging

Ustinov war treuer Mallorca-Fan. | FOTO: B. RAMON / B. Ramon
Er war einer der großen Charakterdarsteller des Films, zweifach oscarprämiert und von der Queen geadelt. Ein Kosmopolit mit familiären Wurzeln, die nach Russland, Deutschland, sogar nach Äthiopien reichten. Auch mit Mallorca verbindet den 2004 verstorbenen Schauspieler eine lange und leidenschaftliche Geschichte. Wie diese zustande gekommen ist und wie sie sich abgespielt hat, beschreibt der spanische Autor und Journalist Luis Olivera Marañó in dem Buch „Peter Ustinov und Mallorca“.
Nero ist angekommen
Schon der erste Aufschlag auf der Insel im Jahr 1965 war, passend zu Ustinov, mit einer Anekdote verbunden, die Olivera wie folgt schildert: Nachdem die Guardia Civil in Porto Cristo ihre Kontrolle beendet hatte, bat ein Mann namens Martín Bonet darum, die Papiere sehen zu dürfen. Darauf habe er telefonisch gemeldet: „Rafel, komm zum kleinen Hafen, Nero ist angekommen.“ Gemeint war Ustinov, derdurch seine Rolle als Kaiser Nero im Film „Quo Vadis“ bekannt geworden war. „Nero“ alias Ustinov sollte danach fast 40 Jahre die Insel besuchen – ohne wie im Hollywoodstreifen verbrannte Erde zu hinterlassen. Im Gegenteil. „Er verliebte sich in den Ort“, schreibt Olivera in seinem Buch, das er als erste biografische Annäherung an die Zeit zwischen 1965 und 2003 bezeichnet, in der der britische Schauspieler seine Urlaube auf der Insel verbrachte.
Kein zurückgezogenes Leben
Olivera stützt sich auf Zeitzeugen, Dokumente und Interviews. Ustinov habe kein zurückgezogenes Leben geführt, sondern Kontakt gesucht. Zum Beispiel zum britischen Schriftsteller Robert Graves, mit dem ihn eine Freundschaft verband. Und er nahm am Kulturleben der Insel teil. Schauspielerisch hinterließ er seine größten Spuren im 1981 erschienenen Film „Das Böse unter der Sonne” von Regisseur Guy Hamilton. Ustinov spielte in der Leinwandversion des Agatha-Christie-Klassikers den berühmten belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot. Die Außenaufnahmen des Films entstanden unter anderem in Formentor, Cala Monjo, Cala Blanca, Cala Feliu, Bunyola und auf dem Landgut Raixa.
Schließlich thematisiert das Buch eine weitere Verbindung zwischen Ustinov und Mallorca, die dieser wie folgt 1995 einem Reporter gegenüber formulierte: „Ich bewahre immer gute Erinnerungen an Mallorca, das Land meiner Vorfahren.“ Bei einer anderen Gelegenheit erklärte er: „Wissen Sie, dass ich halb mallorquinisch bin? Meine Mutter war Venezianerin, aber ihre Familie war von Mallorca dorthin gekommen. Ihr Nachname war Cabós, auch wenn er sich mit der Zeit verändert haben kann.“
Vor Überfüllung der Insel gewarnt
Apropos verändern. Auf Mallorca erwies sich auch, dass Ustinov nicht nur ein Mann mit Charisma, sondern auch mit Weitsicht war. In seinen späten Aufenthalten warnte er laut Olivera vor der Überfüllung, unter der Mallorca heute leidet. Er selbst konnte sich dieser Entwicklung wohl erfolgreich entziehen. Wie Olivera schreibt, fand Ustinov auf der Insel einen besonderen Rückzugsort, „ein geistiges Zuhause, Inspiration und Frieden“.
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