Mallorca-Promis am Esstisch: Gigi Ferrulli kommt zum Kochen vorbei
Ob Marcel Remus, Lang Lang oder The Jacksons: Alle fahren auf die Gourmet-Kreationen des 26-Jährigen ab

Der Mann mit der goldenen Pinzette: Das Küchenutensil bekam Gigi Ferrulli von einer renommierten Kochschule in Rom verliehen. | FOTO: NELE BENDGENS / Nele Bendgens
Für Marcel Remus und seine Frau Mama standen gegrillte Calamari mit Kirschtomaten und Seealgen, Rehrücken mit Kartoffelpüree umhüllt mit Sesam und einer Honig-Reh-Jus auf dem Programm. Calvin Kleinen, wohlgemerkt mit „en“ am Ende, bekam nicht nur ein kulinarisch wertvolles Gericht kredenzt, sondern auch ein optisches Kunstwerk: eine zu einem kleinen Turm geformte Lasagne, kombiniert mit Steinpilzen, Parmesan und Speck, im zweiten Gang spachtelte der erklärte Fischfreund Steinbutt.
Was der Luxusmakler und der Ballermann-Sänger gemeinsam haben, ist kein gemeinsames Faible für ein neues In-Lokal mit ausgefeilter Küche auf Mallorca, sondern dass sie sich in privater Umgebung bekochen ließen. Verantwortlich dafür ist ein 26-jähriger Bremer mit dem klangvollen Namen Gianluca Ferrulli. Gigi, wie er sich nennt, ist eine Art mobiler Koch, der für Prominente exklusiv auf sie abgestimmte Gerichte zubereitet.
Im Fall von Remus spielte sich das kleine, aber feine Event im Oktober vorigen Jahres in dessen Ferienvilla am Golfplatz von Son Vida ab. Calvin Kleinen, der Mann heißt wirklich so, durfte dieser Tage in einer Finca im Palmesaner Stadtteil Terreno speisen, die Ferrulli zusammen mit einem Kamerateam angemietet hatte.
Bekochtenliste reicht von Ailton bis Lang Lang
Es sind beileibe nicht die einzigen bekannten Gesichter, die in den letzten Jahren in den Genuss von Gigis Herdkünsten gekommen sind. Das zeigt sich beim Blick auf dessen Instagram-Account, wo beim Scrollen zahlreiche bekannte Gesichter aus der Welt des Sports, der Musik und Medien neben Reality-Sternchen und Influencern auftauchen. Die brasilianische Fußballlegende Ailton, der österreichische Fußball-Nationalspieler Marco Friedel in Diensten von Bundesligist Werder Bremen, Moderatorin Laura Wontorra, Mitglieder der Popgruppe The Jacksons oder Starpianist Lang Lang. Schlemmerereignisse, die in diesem Fall jenseits von Mallorca stattfanden. Wie aber kommt ein Bremer Koch mit italienischen Wurzeln dazu, reihenweise für Promis zu schnippeln und zu bruzzeln?

Ballermann-Sänger Calvin Kleinen ließ es sich sogar zweimal schmecken. / privat
Zum Treffen in einem Café in El Terreno bringt Gigi Ferrulli zwei Accessoires mit, die die beiden Standbeine in seinem Leben symbolisieren: eine dunkelblaue Kochjacke mit der Aufschrift „Gigis Gourmet Kitchen“ und eine lange goldene Pinzette. Ersteres steht für das Promi-Projekt. Das Instrument hingegen, das zum finalen dekorativen Feinschliff von Gerichten benutzt wird, hat Gigi zum Abschluss der Kochakademie „Gambero Rosso“ in Rom verliehen bekommen.
Die renommierte Fortbildungsstätte besuchte Ferrulli, nachdem er eine klassische Berufsausbildung im elterlichen Restaurant „Al Papagallo“ in Bremen abgeschlossen hatte. Danach lernte er knapp achteinhalb Monate bei Meistern wie Sternekoch Igles Corelli die gehobene Kulinarik. Corelli gilt als einer der Wegbereiter der modernen italienischen Küche. Weil ihm aber nach dem Tageswerk in Rom manchmal langweilig gewesen sei, habe er angefangen, tägliche Videos über das Geschehen hinter den Kulissen der Kochschule zu drehen und diese ins Netz zu stellen. „Da kam die Idee auf, Prominente zu bekochen“, erzählt Gigi. Das habe es in Deutschland noch nicht gegeben.
An die 100 E-Mails pro Woche
In der Folge begann das Klinkenputzen, von Gigi geschäftsmäßig Kaltakquise genannt. Das heißt: vor allem per Mail Wunschkandidaten anschreiben und auf positive Resonanz hoffen. Der Erste, der im wahrsten Sinne des Wortes anbiss, war ein Reality-Star namens Steffen Vogeno, einst Kandidat bei der TV-Sendung „Bachelorette“ und anderen Formaten dieses Genres. Die Sache nahm langsam Fahrt auf, nicht zuletzt durch Mundpropaganda oder indem Ferrulli Promis einfach direkt bei Begegnungen ansprach. Auch Anfragen gebe es inzwischen.
Dennoch ist das Ganze auch nach fast zwei Jahren kein Selbstläufer. Er schicke pro Woche rund 100 Mails raus, sagt Ferrulli. Auf diese Weise erreichte er etwa Marcel Remus, der auf eine Anfrage antwortete: „Melde dich, wenn du auf Mallorca bist, dann machen wir das.“ Dazu kommt Instagram, wo Gigi mit Genehmigung seiner Gäste Fotos und Videos postet. Möglich wurde dies, da das Projekt im Laufe der Zeit professioneller wurde und Ferrulli mit einem Kamerateam zusammenarbeitet. Bei rund 24.000 Followern ist Aufmerksamkeit garantiert. Etwa ein bis zwei Mal pro Monat sei er gebucht, sagt Gigi, dazwischen könnten auch mal zwei Monate Pause liegen.

Auch Marcel Remus genoß bereits die Kochkunst des Bremers Gigi Ferrulli / privat
Die Menü-Zusammenstellung richtet sich nach den individuellen Wünschen, oft auf Basis von Ferrullis Vorschlägen. Laura Wontorra etwa aß Hochprotein-Pasta von De Cecco mit Wagyu-Ragout. Lang Lang und Co. schlemmten Meeresfrüchte-Antipasti, roh serviert, und Meeresfrüchte-Pasta. Marlon und Jackie Jackson begnügten sich mit Hühnchen, Fisch und Brokkoli.
Was der Spaß kostet? Eine Summe will Ferrulli nicht nennen. Er habe einen Menüpreis pro Person plus Stundenlohn. Bei einem Aufwand von sechs bis acht Stunden, wie er sagt. Umso erstaunlicher, dass er seine Gourmet Kitchen nach wie vor als Hobby bezeichnet. Vielleicht das Understatement eines trotz seiner schillernden Passion geerdet wirkenden Typen. Aber da wäre ja noch sein Haupt-Job: Junior- und Küchenchef im Bremer Restaurant. Auch das auf der Erfolgsspur. Gerade gab’s eine Empfehlung im Guide Michelin, und im September darf man im Berliner Hotel Adlon einen Preis des Restaurantführers Schlemmer-Atlas für eines der Top-100-Restaurants in Deutschland mit Italoküche entgegennehmen. Bei alldem hat Gigi ein ambitioniertes Ziel: Promis im Fernsehen bekochen, vielleicht mit eigener Show, oder gegen TV-Koch Steffen Henssler antreten. Gespräche seien schon gelaufen.
Auch auf Malle will er wieder kochen – „hundertprozentig“. Dort hat sich offenbar ein kleiner Fan-Kreis gebildet. Das zeigt ein Zusatztermin mit der deutschen Pop-Sängerin Linda Teodosiu, der kurz vor dem Rückflug nach Bremen spontan zustande kam. Calvin Kleinen hatte es beim ersten Mal so gut geschmeckt, dass er sich dafür einklinkte.
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