Sie führte jahrelang ein Doppelleben – dann entschied sich Minnie Rock für den Ballermann
Schon als Kind träumte Minnie Rock von einem Auftritt auf Mallorca. Heute steht die frühere Grundschullehrerin wöchentlich im Megapark auf der Bühne – auch wenn der große Hit bislang ausblieb

Minnie Rock
Ganz wie ein Urlaubsflirt am Ballermann gibt sie sich geheimnisvoll und verrät weder ihren richtigen Namen noch ihr Alter. „Das lasse ich mal als Rätsel offen. Das darf sich jeder so denken, wie er es mag“, sagt die Schlagersängerin Minnie Rock, die wir zum Interview nach ihrem wöchentlichen Auftritt im Megapark treffen. Es ist Dienstagmittag, knapp 40 Grad, Hochsommer und Hochsaison an Mallorcas beliebtester Partymeile. Drinnen im Megapark sind bereits alle Tische besetzt, die ersten Säulen mit Bier oder Sangria geleert. Minnie singt: „Oh-oh, ich will wirklich jeden Tag, oh, wieder in den Megapark, Megapark. Oh-oh, weder Sylt noch Reeperbahn …“ Auch wer zuvor noch nie was von ihr gehört hat, kann ihren Text sofort mitschmettern.

Einheizen um 12 Uhr: Während viele noch von der Vornacht im Koma liegen, tritt Minnie Rock bereits im neuerlich vollen Megapark auf / Nele Bendgens
Minnie folgen auf Instagram über 19.500 Menschen, ihr Profilmotto ist: „früher Lehrerin, heute Leererin“. Eine Andeutung auf ihren Karriereweg: Sie war verbeamtete Grundschullehrerin in Trier, startete nebenbei ihren Weg als Schlagersängerin und stand 2020 vor der Entscheidung: Sicherheit oder den eigenen Traum leben? Minnie entschied sich für Letzteres, denn sie wünschte sich bereits als Kind, einmal auf Mallorca auf der Bühne zu stehen. Da ihr Vater ein großer Mallorca- und Karnevalsfan ist, verbrachte die Familie regelmäßig Urlaub am Ballermann. „Ich habe noch Bilder von damals, als ich mit meinem Papa am Ballermann 6 stand und meine Fanta trank“, erinnert sie sich.
2011 besuchte sie sogar eine Spanischschule an der Playa und knüpfte dort Verbindungen in die Partyszene. Über Rick Arena kam schließlich der Kontakt zu einem Produzenten zustande; 2015 nahm sie mit „Ekstase ohne Grenzen“ ihren ersten Song auf. Den Sprung an den Ballermann selbst verdankte sie einem Zufall mit gutem Timing: Eine bekannte Mallorca-Sängerin war schwanger und konnte einige ihrer Auftritte nicht wahrnehmen. Minnie Rock sprang ein und trat am 30. April 2017 erstmals im Megapark auf. „Ich habe natürlich nicht lange überlegt, denn das war immer mein Traum“, erzählt Minnie Rock, während sie eine Coladose auf der Bank des 24-Stunden-Dönerimbisses „Gran Joy“ an der Playa de Palma austrinkt.

Minnie Rock
Was den meisten Zuschauern verborgen blieb: Die Frau auf der Bühne führte ein Doppelleben, denn montags bis freitags stand sie als Grundschullehrerin vor ihrer Klasse und brachte den Kindern das Lesen und Schreiben bei. Am Wochenende stieg sie ins Flugzeug und sang für die Partymenge Refrains wie „Komm, wir machen Inselliebe …“. Nur die Schulleitung war pflichtgemäß über Minnies Nebenjob eingeweiht. Zwei Jahre lang lebte sie so mit „angezogener Handbremse“. Dann wurden die Auftritte zu zahlreich und die Behörde legte ihr nahe, sich zwischen den beiden Welten zu entscheiden. Im Januar 2020 unterrichtete sie zum letzten Mal – wenige Wochen, bevor die Pandemie Europa erreichte. „Der Abschied von meiner dritten Klasse hat mir wirklich das Herz zerrissen. Die waren sehr traurig und ich genauso.“ Trotzdem habe sie den Schritt nie bereut, auch wenn bis heute der große Durchbruch auf sich warten lässt. „Ich habe meine Entscheidung keine Sekunde angezweifelt. Man lebt nur einmal und sollte an seinen Träumen festhalten, sonst fragt man sich sein Leben lang: Was wäre gewesen, wenn?“

Minnie Rock ist diese Saison wöchentlich im Megapark auf der Bühne / Alexandra Bosse
Musikalisch bewegt sich Minnie Rock zwischen den klassischen Themen des Partyschlagers – Alkohol und Liebe, „ein Ticken über der Gürtellinie, aber nicht zu viel“ – und einem Anspruch an die eigenen Texte, den sie explizit von der „08/15-Nummer“ abgrenzt. „Ich lege ganz viel Wert auf die Strophen, weil ich finde, das muss Hand und Fuß haben“, sagt sie. Einen Song, den sie selbst nicht fühle, werde sie nie veröffentlichen, betont sie mehrfach. Ihr persönlicher Favorit sei „Baby, mein Herz brennt“, der auf einer wahren Geschichte aus ihrem Leben beruhe. Im September soll mit „Trikottausch“ die nächste Single erscheinen. Über die kommerzielle Logik der Branche macht sich Minnie Rock wenig Gedanken. Sie arbeitet ohne Plattenlabel und Management. „Es geht für mich nicht ums Geld, sondern um die Momente mit den Leuten“, sagt sie. „Selbst wenn ich in zehn Jahren noch nicht den großen Hit habe, dann habe ich es aber trotzdem gemacht – vom Herzen her. Solange ich es fühle, mache ich weiter.“
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