Mallorca Zeitung

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Zusammen aktiv: So wird die neue Senioren-WG für deutschsprachige Mallorca-Auswanderer aussehen

Wohnprojekte für deutsche Senioren hat es schon einige auf Mallorca gegeben. Meist bleiben sie auf dem Papier. Mit „Zenara“ zwischen Felanitx und Manacor dürfte nun eines schon bald Wirklichkeit werden

Freuen sich auf den Start des Wohnprojekts: Bauleiter Frank Thies (li.), seine Frau und Projektleiterin Janine Klein und ihr Vater Jo Petit. Nele Bendgens

Baustaub, Werkzeug, Arbeiter – auf dem Anwesen des ehemaligen Agroturismo Es Pla Nou zwischen Manacor und Felanitx auf Mallorca geht es betriebsam zu. „Man braucht noch viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie es einmal aussehen soll“, betont Jo Petit. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer, hier, mitten auf dem Land, zwischen Feigenbäumen, Bougainvilleas, Palmen und alten Natursteinmauern einen Ort zum Wohlfühlen zu erahnen. Genau der soll entstehen, für deutschsprachige Senioren, die sich jung geblieben fühlen und gesellig sind.

Gegen die Einsamkeit

„Wir planen eine WG für Menschen, die das Leben in vollen Zügen genießen und ihre Freizeit gemeinsam verbringen möchten“, betont Jo Petit. Der Unternehmer mit dem einprägsamen Künstlernamen („dokumentenecht“) ist selbst der Inbegriff eines rüstigen Rentners. Langjährigen deutschen Inselresidenten dürfte er bekannt sein. 16 Jahre lang organisierte Petit im Rahmen des Clubs Amigos Mallorca Zusammenkünfte, Ausflüge und Unternehmungen aller Art mit und für deutschsprachige Menschen. „Es ging darum, ein Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen, damit die Menschen hier sich nicht einsam fühlen und Neues erleben“, sagt Jo Petit.

Wie nun auch bei dem Wohnprojekt. Z, E, N, A, R, A – noch lehnen die metallenen Buchstaben an eine der Außenmauern des alten Gutshauses, in dem so kräftig renoviert wird. „Sie werden bald am Eingang angebracht“, erklärt Janine Klein, Jo Petits 55-jährige Tochter. Genau genommen ist sie die Initiatorin der neuen Senioren-WG. „Der Name Zenara ist angelehnt an den Zen-Buddhismus und das bewusste Erleben des gegenwärtigen Augenblicks“, erklärt sie. Seit mehr als 30 Jahren lebt die Immobilienexpertin auf Mallorca, einige Jahre länger als ihre Eltern. „Ich kenne viele ältere Residenten, die einsam sind und sogar überlegen, nach Deutschland zurückzukehren, obwohl sie Mallorca sehr mögen“, sagt Klein. Also kaufte sie im vergangenen Jahr das 42.000 Quadratmeter große Gelände von Es Pla Nou samt des ehemaligen Agroturismo und der Lizenz für 32 Ferienvermietungsplätze. „Die geben wir auf. Wir setzen auf Langzeitmiete“, sagt sie. Mindestmietdauer: ein Jahr.

Viele unterschiedliche Bereiche

14 Wohneinheiten entstehen dazu in und um das antike Gutshaus, das weit über 100 Jahre alt ist. Jede Wohneinheit bekommt ein eigenes Bad und ein eigenes Schlafzimmer, manche sogar mehrere Privatzimmer oder einen privaten Außenbereich. Die Hälfte der Apartments hat eine eigene Küche. Die Mieter, die keine haben, können sich ihr Essen in einer Gemeinschaftsküche zubereiten. „Kein Zimmer gleicht dem anderen. Alle sind unterschiedlich, wir passen uns an das alte Gebäude an“, sagt Janine Klein. Zwei Monate intensiver Renovierungsarbeiten – unter der baulichen Leitung ihres Mannes Frank Thies – sind schon vollbracht, zwei weitere liegen noch vor dem Organisatoren-Gespann, das sichtlich darauf brennt, das Wohnprojekt voranzutreiben. „Wir setzen auf einen Mix antiker und moderner Elemente“, so Janine Klein und führt stolz durch einige der „Show Rooms“, wie sie die fertigen Zimmer nennt. In Deko und Möblierung herrschen warme Naturtöne vor. „Die Mieter können selbst entscheiden, ob sie die Möbel nutzen oder in der Halle hinter dem Haupthaus kostenlos zwischenlagern und ihre eigenen mitbringen wollen“, so Janine Klein.

Die Möbel können übernommen oder mitgebracht werden. | Zenara

Durch die verwinkelte Architektur des Hauses liegen manche Zimmer abgeschirmt, ausgerichtet auf die Gemüsegärtchen, die jeder Bewohner beackern darf, oder auf die Wiesen dahinter. Ein Apartment entsteht in einem separaten Nebengebäude, ist aber auch nur einen Steinwurf vom Gemeinschaftspool entfernt. Andere Zimmer gruppieren sich direkt um den mediterranen Innenhof mit den Steinofengrills. Von hier aus geht es auch in die Gemeinschaftsküche und den Wohn-Ess-Bereich.

Selbst bestimmen

Die Mietpreise variieren je nach Größe der Einheit zwischen 1.500 und 3.500 Euro. „Inklusive sind nicht nur Strom und Wasser, sondern auch jegliche Nutzung von Gemeinschaftsräumen und organisierte Aktivitäten“, betont Jo Petit. Und genau darum soll es ja auch bei Zenara gehen. Musikabende, Spielturniere, sportliche Aktivitäten seien nur einige der möglichen Angebote. „Ich werde das Programm organisieren und Dinge vorschlagen, letztlich können aber die Bewohner selbst entscheiden, was sie möchten. Sie sollen selbstbestimmt bleiben“, sagt Jo Petit.

Einer von vielen Gemeinschaftsbereichen: der Pool. Zenara

Inbegriffen ins Zenara-Angebot ist auch die Arbeitskraft einer Managerin, die ebenfalls auf dem Gelände wohnen wird. „Sie ist Ansprechpartnerin für alle Belange, kann auch Tipps zu medizinischer Versorgung oder bei Behördengängen geben.“ Zusatzkosten fielen dann nur für Fremdgehälter an, beispielsweise, wenn sich die Gemeinschaft entscheide, eine Yogalehrerin oder einen Koch zu engagieren. Auch gemeinsame Tagesausflüge oder Reisen sind angedacht.

Jo Petit und Janine Klein wollen sich die Mieter des Wohnprojekts nach persönlichen Gesprächen aussuchen, schließlich soll auch die Mischung stimmen. Genaue Altersvorgaben gibt es nicht. „Man muss nicht zwingend Rentner sein. Jeder, der sich selbst als jung gebliebenen Senior versteht, ist willkommen“, sagt Jo Petit, der sein Alter selbst nicht nennen will. Nur pflegebedürftige Menschen können nicht einziehen. „Dafür fehlt hier die Infrastruktur.“

Interessenten können sich schon jetzt bei Jo Petit melden (Tel.: 0034 666-00 94 87). Besuche vor Ort sind ab Ende August möglich. Einzug nach einer Kennenlernparty im September.

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