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"Wir waren so oft am Boden zerstört": Das würden die "Goodbye Deutschland"-Auswanderer Mermi-Schmelz bei ihrer nächsten Auswanderung anders machen

Kathrin Mermi-Schmelz und Thommy Schmelz ziehen in einer neuen Folge, die am Freitag (23.5.) im Free-TV läuft, Bilanz zu ihrer ersten Auswanderung nach Brasilien

Kathrin Mermi-Schmelz und Thommy Schmelz ziehen Bilanz.

Kathrin Mermi-Schmelz und Thommy Schmelz ziehen Bilanz. / RTL+

Simone Werner

Simone Werner

Kaum ein Auswanderer macht bei dem großen Schritt, sein Heimatland zu verlassen, alles perfekt. Das wissen auch Kathrin Mermi-Schmelz und Thommy Schmelz. Was sie bei ihrer ersten Auswanderung nach Brasilien anders gemacht hätten, erzählen sie in einer neuen Folge, die unter dem Titel "Goodbye Deutschland! Die Bilanz" am Freitag (23.5.) um 20.15 Uhr auf Vox läuft. Gezeigt werden Szenen, die ab 2007 in Deutschland wie auch in Brasilien gedreht wurden. Das Paar kommentiert sie aus heutiger Sicht..

Zunächst erfährt man, dass die Patchwork-Familie ihre Brasilien-Auswanderung zwei Jahre im Vorfeld geplant hat. Einige Szenen, die man in der neuen Folge sieht, wurden im Restaurant "Zur Brücke" in Kirchheim unter Teck gedreht. Dort hatten sich Thommy Schmelz und Kathrin Mermi-Schmelz einst kennengelernt.

“Mein Traum war es schon immer, aus Deutschland wegzugehen und woanders zu leben. Ich habe schon immer einen besonderen Bezug zum Meer gehabt", erzählt Katrin Mermi-Schmelz in der Folge. Obwohl das Restaurant in Deutschland gut lief, gab das Paar es ab, um in Brasilien direkt am Strand ein neues zu eröffnen. Vor dem großen Tag der Abreise organisierten sie eine Abschiedsparty in dem Lokal in Kirchheim unter Teck. Auch “Küchenhilfe” Uwe Wehrstedt, der damals in Schmelz Restaurant arbeitete, kommt mit nach Brasilien. Thommy Schmelz und er haben sich 1999 in der Dominikanischen Republik kennengelernt, erzählt das Auswanderer-Urgestein Schmelz.

Mit diesem Foto, auf dem auch Uwe Wehrstedt zu sehen ist, hatte sich Kathrin Mermi-Schmelz heimlich für die Familie bei Vox beworben.

Mit diesem Foto, auf dem auch Uwe Wehrstedt zu sehen ist, hatte sich Kathrin Mermi-Schmelz heimlich für die Familie bei Vox beworben. / Privat

Thailand statt Brasilien

Später erzählen die Mermi-Schmelz, dass sie umgezogen sind, obwohl ihre Aufenthaltsgenehmigung noch nicht durch war, weil sie sich auf jemanden verlassen hatten. Das würden sie im Nachgang nicht wieder so machen. Dann steht die traurige Verabschiedung von Familie und Freunden an. “Wir wollten zuerst nach Thailand auswandern. Es war aber von den rechtlichen und gesetzlichen Bestimmungen her nicht unser Ding, weil du musst da immer zu 51 Prozent einen Thai in deine Geschäfte mitnehmen, das wollten wir nicht", verrät Kathrin Mermi-Schmelz in einer späteren Szene. Auch auf dem spanischen Festland hätte sich das Paar umgeschaut. Es sei damals aber schon überlaufen und teuer gewesen. Dann eben Brasilien.

Der Abschied steht an für Kathrin Mermi-Schmelz und Thommy Schmelz.

Der Abschied steht an für Kathrin Mermi-Schmelz und Thommy Schmelz. / RTL+

In der neuen Folge kommt auch Mermi-Schmelz' Tochter Jessi zu Wort, die damals gerade einmal zwölf Jahre alt war. “Ich war am Anfang noch nicht aufgeregt, aber jetzt kurz vorm Zusammenpacken”, sagt sie. Sie sei traurig, weil sie ihre Freunde zurücklassen muss. 

Jessi war damals gerade einmal zwölf Jahre alt.

Jessi war damals gerade einmal zwölf Jahre alt. / RTL+

Schwerer Start für die 12-Jährige

“Der Anfang war total beschissen, ist es für jedes Kind”, sagt ihre Mutter später. Dass die meisten Auswanderer-Kinder die Sprache noch nicht sprechen, mache die Situation noch schlimmer für sie. Jessi sei am Anfang sehr niedergeschlagen gewesen. “Sie war todunglücklich", so die Worte ihrer Mutter. 2014 zog Jessi alleine nach Deutschland zurück.

Jessica Mermi mit ihrer Mutter Kathrin Mermi-Schmelz und ihrem Ziehvater Thommy Schmelz auf einem älteren Foto.

Jessica Mermi mit ihrer Mutter Kathrin Mermi-Schmelz und ihrem Ziehvater Thommy Schmelz auf einem älteren Foto. / Privat

Acht Jahre nach ihrer Auswanderung, 2015, verließen auch Jessis Ziehvater Thommy Schmelz und ihre Mutter Brasilien aus gesundheitlichen Gründen wieder und gingen zurück nach Europa. "Uwe war mit uns sogar nur ein halbes Jahr unterwegs", so Kathrin Mermi-Schmelz zur MZ. Ihrem Freund gehe es gut. Er wohne aktuell wieder in Kirchheim unter Teck.

Zurück zur Folge. Ankunft am Flughafen in Brasilien. "Ach, ist das schön warm hier", freut sich Kathrin Mermi-Schmelz. "Als wir das erste Mal brasilianischen Boden betreten haben, mit dem Wissen, wir sind jetzt ausgewandert und nicht mehr im Urlaub hier, fand ich das total spannend und habe mich ganz irre gefühlt", erinnert sich Kathrin Mermi-Schmelz. Auch Katze Mausi, die vor dem Abflug per Spritze ruhig gestellt wurde, ist mit dabei. "Wir haben uns echt Sorgen gemacht, da sie schon 13 Jahre alt ist. Da weiß man halt auch nicht genau, wie sie das verkraftet", erzählt Kathrin Mermi-Schmelz.

Bis zur Eröffnung der Strandbar gibt es noch einiges zu tun.

Bis zur Eröffnung der Strandbar gibt es noch einiges zu tun. / RTL+

Zwei Nächte wollen die Neu-Auswanderer in Salvador bleiben. Dann soll es zum Endziel gehen. "Wir wollten da unseren VW-Bus kaufen. Das war die erste Sache, die mächtig in die Hose gegangen ist", erzählt die Kellnerin. Schon bei der Probefahrt hätten sie bemerkt, dass bei Gebrauchtwagen andere Standards als in Deutschland gelten. "Es hat sich herausgestellt, dass mit der Lenkung etwas nicht stimmt", erzählt sie weiter.

Berg- und Talfahrt

Die Strandbar, die sie künftig betreiben wollen, hatten sie bereits bei einem Urlaub gefunden. 30.000 Euro soll sie kosten, erfährt man. Den Kaufvertrag hatten die Mermi-Schmelz bereits während ihres Urlaubs unterschrieben und eine Anzahlung gemacht. Doch bis zur Eröffnung des Lokals gibt es noch einiges zu tun. Die Fenster sind teils kaputt. "Wir waren so oft am Boden zerstört. Es war eine Berg- und Talfahrt", resümiert Kathrin Mermi-Schmelz. "Aber es hat uns stark gemacht", fügt Thommy Schmelz hinzu.

Ob Pasta oder Fisch: Uwe und Thommy wollen die Kochlöffel schwingen. "Wir wollen gute Küche machen, für wenig Geld, dass auch der Einheimische es sich leisten kann. Wenn es nach mir ginge, wäre der Kochlöffel schon lange wieder in Bewegung. Mir juckt es in den Fingern ohne Ende", sagt Schmelz in der Folge.

Doch erst müssen die beiden Männer die Baukelle schwingen. 20.000 Euro Erspartes haben die Auswanderer mitgebracht. Zudem haben sie in Deutschland einen Kredit beantragt, wollen aber so schnell wie möglich eröffnen und "zusehen, dass sie Geld verdienen", so Schmelz.

Ihr Touristenvisum gilt allerdings nur drei Monate. Um die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, müssen sie über 100.000 Euro im Land investieren. Statt ein Auto zu kaufen, mieten sie erst einmal eines. Der Fiat kostet umgerechnet 27 Euro pro Tag. Kathrin Mermi-Schmelz spreche zwar Portugiesisch, habe aber noch keine Kontakte in ihrer neuen Heimat, um etwa an ein Auto zu gelangen, erzählt sie. Kurios: In dem 40.000 Einwohnerort gibt es nur eine Ampel.

Die Mermi-Schmelz in ihrem Mietauto.

Die Mermi-Schmelz in ihrem Mietauto. / RTL+

"Noch was von der Welt sehen"

"Es ist ja nicht so, dass wir ausgewandert sind, weil wir Deutschland nicht mögen. Wir möchten einfach noch etwas von der Welt kennenlernen. Das kannst du am besten, wenn du in den Ländern lebst und arbeitest", findet Mermi-Schmelz.

In Brasilien sind sie dann auch mit dem Thema Armut konfrontiert. Die Arbeitslosigkeit im Ort ist hoch, viele verdienen nur den Mindestlohn, knapp 150 Euro im Monat. Angst vor Überfällen haben die Auswanderer dennoch keine. Während das Kamerateam mit ihnen dreht, grüßen einige Einheimischen. "Wir haben ja einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Da wirst du dann immer sehr freundlich und nett begrüßt. Man fühlt sich dann gleich super heimisch hier", findet Mermi-Schmelz.

Noch sei es ruhig in dem Ort. "Bilanz. Wir würden es immer immer wieder machen. Niemals würden wir auf die tollen Erfahrungen verzichten wollen", so Kathrin Mermi-Schmelz. "Leute, ohne dass die Beziehung steht, braucht ihr gar nicht auszuwandern. Das ist das Allerwichtigste", mahnt Thommy Schmelz in einem aktuellen Video. Es kämen verschiedene Sachen auf einen zu, die einen stressen. "Wenn der eine es dem anderen zuliebe macht, kann es nicht gut gehen", weiß auch Kathrin Mermi-Schmelz.

Kellnerin Kathrin Mermi-Schmelz.

Kellnerin Kathrin Mermi-Schmelz. / RTL+

Am Ende erzählt das Paar dann noch, was es nach ihrer Abreise in Brasilien gemacht haben. "Wir haben dann hier noch ein bisschen unser Wandergen ausgelebt", so Kathrin Mermi-Schmelz. Ob Deutschland, Österreich, Schweden oder Mallorca. "Wir wollten alles mal ausprobieren", sagt sie weiter. Der Winter in Schweden sei ihnen aber zu kalt gewesen. Dennoch wehren sie sich gegen die Vorwürfe, sie hätten keine Arbeit richtig zu Ende gebracht.

Die Auswanderer-Geschichte der Urgesteine von "Goodbye Deutschland"

Kathrin Mermi-Schmelz und Thommy Schmelz gehören zu den bekanntesten Mallorca-Auswanderern von "Goodbye Deutschland." Kennengelernt hatten sie sich in Deutschland. "Bevor es 2007 erstmals nach Brasilien ging, waren wir noch etwa zehn Jahre zusammen in Deutschland", so Kathrin Mermi-Schmelz. In allen Ländern, in denen die beiden lebten, sei das Drehteam dabei gewesen, wenn es auch nicht immer aus denselben Personen bestanden habe. Nach Aufenthalten unter anderem in Österreich lebt das Paar mittlerweile wieder fest in Peguera, hat seit 2017 eine Wohnung auf der Insel.

Bereut ihre Auswanderung nicht: Lena Koll.

Bereut ihre Auswanderung nicht: Lena Koll. / RTL+

Auch diese Auswanderin kommt prominent vor

Neben den Mallorca-Auswanderern ist auch Auswanderin Lena Koll Teil der Sendung. "Mehr als ein Jahrzehnt in Nordamerika - Lena Koll schaut mit uns zurück! Lena treibt die Liebe mit Anfang 20 nach Mexiko. Sie verliebt sich in den Gitarristen einer Band und zieht für ihn nach Nordamerika. Hier will sie als Sängerin durchstarten. Ihr Leben nimmt nicht nur einmal eine neue Wendung in Mexiko. Heute ist sie Mutter einer kleinen Tochter und lebt vom Vater ihres Kindes getrennt. Immer noch in Mexiko", heißt es in der Programmbeschreibung zu ihrer Geschichte. "Ich würde das definitiv wieder machen. Es ist immer noch eine unfassbar schöne Erfahrung", so ihr Fazit in Kurzform.

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