Lokal in Urlaubsort auch im Winter geöffnet: Darum geht das Konzept der "Goodbye Deutschland"-Auswanderer Licia und Mark Wycislik auf
Die Restobar in dem kleinen Ort Porto Cristo an der Ostküste hat auch während der Nebensaison geöffnet. Wie das geht

Die Restobar in Porto Cristo hat den ganzen Winter über geöffnet. / Privat
Der kleine, aber immer trendigere Ort Porto Cristo an der Ostküste scheint im Winter wie ausgestorben. Für die meisten Gastronomen und deren Saisonarbeiter dort bedeutet Nebensaison Durchschnaufen und später eventuell das Lokal für die neue Saison fertig machen. Nicht bei den "Goodbye Deutschland"-Auswanderern Mark und Licia Wycislik, die im Mai 2025 direkt an der Promenade das Lokal "Restobar" eröffnet haben.

Eröffnung in Porto Cristo: So sieht es in der neuen Restobar von "Goodbye Deutschland"-Auswanderer Mark Wycislik aus / Privat
Auch an den Feiertagen geöffnet
"Wir haben durchgehend auf, außer montags, und machen am 24. und 31.12. sogar einen Wermut-Umtrunk bis 17 Uhr. Dafür kommen extra bekannte DJs", so Wycislik zur MZ. Aus Respekt gegenüber den Angestellten sei an den beiden Tagen am späteren Abend nicht geöffnet. Am 24., 25. und 26. Dezember sowie am 31. Dezember gebe es in dem Lokal neben dem regulären Frühstück zudem ein besonderes Weihnachts- beziehungsweise Silvesterfrühstück. Im neuen Jahr, am 1. Januar 2026, eröffne das Lokal dann um 11 Uhr. "Zum Mittagessen. Vorher ergibt das auch keinen Sinn", so der Gastronom. Darauf folgen schon die Feiertage und Feierlichkeiten rund um den Tag der Heiligen Drei Könige und Sant Antoni. "Da die Spanier am Hafen Halligalli machen, haben wir jetzt schon einige Reservierungen." Danach sei bald schon wieder Ostern und der Ort wieder deutlich belebter.

Damit bei aktuell fast 20 Grad zumindest ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommt. / Privat
Konzept geht auf
Die Restobar sei von Tag Eins als Ganzjahreskonzept geplant gewesen. "Es funktioniert genau so, wie wir es uns vorgestellt haben – sei es, was die Anzahl und Art der Gäste, die Umsätze oder auch Personalbedarf betrifft. Es geht sich alles hundertprozentig auf, was mich sehr freut", so der zweifache Familienvater weiter.
Jahrelang war der im Nordosten bekannte Gastronom nur im Saisongeschäft tätig, vor allem mit dem "Mile's" in Cala Millor. "Nach so vielen Jahren kann ich endlich den Gästen wie auch den Angestellten ein Ganzjahreskonzept anbieten", freut sich Wycislik.
Im Winter seien 80 Prozent der Gäste Spanier, der Rest andere Residenten. Viele Einheimische, die etwa aus Manacor stammen, hätten Wochenend-Häuser in oder um Porto Cristo herum. Im Sommer kämen dann auch vermehrt Tagestouristen, wobei alle möglichen Länder vertreten seien (Polen, Frankreich, USA). "Wir haben hier sehr internationales Publikum", so der Gastronom. Im Sommer sei der Urlauber- und der Residentenanteil ausgeglichen.
Dadurch, dass die Gäste unterschiedlicher Herkunft sind, kämen nicht alle auf einmal, sondern über größere Zeiträume verteilt. "Die Europäer (Spanier ausgenommen) kommen eher um 18.30 Uhr zum Abendessen, die Spanier eher ab 20.30 Uhr", so Wycislik. Auch um die Mittagszeit sei es ähnlich, vor allem im Sommer. "Die Urlauber, die meist schon ab 7 Uhr morgens unterwegs sind, etwa zu den Höhlen, zum Dinopark oder bei Bootstouren, kommen ab 11.30 Uhr, die Spanier hingegen eher ab 14.30 Uhr zum Mittagessen. Dadurch füllen wir die Zeiten sehr gut."

Meerblick inklusive in Porto Cristo. / Simone Werner
Auch die strategisch gute Lage des Ortes und des Lokals direkt an der Promenade in Porto Cristo spiele den Gastronomen in die Hände. "Es kommen zum Beispiel viele Eltern, deren Kinder auf die Rafa-Nadal-Schule oder eine andere Privatschule in Manacor gehen. Sie essen bei uns zu Mittag und holen dann die Kids ab." Andere würden vor dem Einkaufen oder Besorgungen-Machen in Palma in der Restobar vorbeischauen.
Unabhängig vom Wetter
Ein weiterer Vorteil des Lokals: Es gibt nicht nur einen Außenbereich mit direktem Meerblick, sondern auch einen großen, gemütlichen Gastraum. "Damit sind wir wetterunabhängig", so Wycislik.
Während der Wintermonate sei das Team etwas kleiner. "Derzeit sind wir zu zehnt, im Sommer sind wir 22." Aushilfen, also etwa Bar-Helfer, ein zweiter Spüler oder auch Runner, seien gerade nicht am Arbeiten.
Weitere Lokale zu eröffnen, planen die Wycisliks nicht.

Die Wycisliks (ohne ihre beiden Kinder). / Wycislik
Die Geschichte der Wycisliks
Mark Wycislik ist 2013 zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter Leana nach Mallorca ausgewandert, hatte aber immer auch geschäftliche Kontakte nach Deutschland. Kennengelernt hatte sich das Paar in der Cocktailbar, die Mark Wycislik in Essen betrieb. Mittlerweile hat das Paar auch einen Sohn, Daniele.
Als erstes Projekt eröffneten die Auswanderer auf Mallorca die Cocktailbar Chucca Cala Ratjada. Mit demselben Konzept, nur auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet, ging noch im selben Jahr das The Nube in dem Ferienort im Nordosten an den Start. Mit Chucca war eine Marke geboren, die Wycislik auf Mallorca immer weiter etablieren konnte. 2016 eröffnete das Chucca Cala Millor, 2019 das an der Playa de Palma, das aktuell "Goodbye Deutschland"-Auswanderer Sohel Abdoulkhanzadeh betreibt.
Auch in den kreativen Food-Bereich tauchte Wycislik parallel immer weiter ein und brachte 2016 die Calzönerias auf die Insel. Erst eröffnete er 2015 ein Calzöner-Restaurant in Cala Ratjada, 2016 dann in Cala Millor. Das Lokal in Cala Ratjada gibt es mittlerweile nicht mehr, das in Cala Millor ist mittlerweile im "Diggi Kebab" untergebracht. 2017 eröffneten die Wycisliks in Cala Millor zudem das "Mile's". Lange Zeit war es das Hauptgeschäft des Gastronomen. Mittlerweile ist das Lokal geschlossen. In Deutschland betreibt das Paar zudem die Restobar und das Restocafé in Rheinfelden. Das La Cabaña in Costa dels Pins haben die Gastronomen im April 2024 eröffnet. Es befindet sich derzeit in der Winterpause und wird an Ostern 2026 wieder eröffnen. Die Restobar hatten die Wycisliks erst im Mai 2025 eröffnet. Anfang Dezember hatte der Fahrer eines Mercedes einen Großteil des Mobiliars im Außenbereich des Lokals zerstört.

Nach dem Crash: So sieht der Außenbereich der Restobar aus / Mark Wycislik
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