Kaum Spanisch, keine Gastro-Erfahrung – warum dieses Auswanderer-Restaurant in Cala Ratjada trotzdem läuft
Seit zwei Jahren betreibt ein deutsches Paar ein altbekanntes Restaurant in Cala Ratjada. Ohne Erfahrung, aber mit viel Selbstvertrauen. Mittlerweile ist es ein angesagter Treffpunkt für deutsche Auswanderer

Kümmern sich gemeinsam um das Dinos in Cala Ratjada: Kevin und Selina Libawski. / Nele Bendgens
Spanisch sprechen Kevin und Selina Libawski nach zwei Jahren Mallorca nur „un poquito“. Und Gastro-Erfahrung hatten sie auch nicht, als sie sich kurz nach ihrer Auswanderung entschieden, ein Restaurant in Cala Ratjada zu eröffnen. Keine guten Erfolgsaussichten, möchte man meinen. Und doch: Ihr Restaurant Dinos existiert immer noch, hat sich etabliert – und ist über den Winter sogar zu einem beliebten Treffpunkt der deutschen Auswanderer-Community im Ort geworden. Warum eigentlich?
Quizabend als Durchbruch
„Besser laufen könnte es immer, aber wir sind zufrieden“, zieht Kevin Libawski ein Resümee nach einem Winter, in dem das Dinos wochenlang das einzige geöffnete Restaurant am nördlichen Ende der Geschäftsstraße Carrer de l’Agulla war. Im Sommer ist der Standort direkt am Eroski-Kreisverkehr dank der vielen umliegenden Hotels gut. Außerhalb der Saison dagegen, wenn sich das gastronomische Leben im Ort vor allem auf die Hafenpromenade konzentriert, bleibt die Laufkundschaft aus. Macht aber nichts, findet Kevin Libawski. „Vergangenen Winter hatten wir nur sporadisch auf, dieses Jahr haben wir durchgezogen. Und es hat funktioniert.“
Es habe eine Zeit gebraucht, die Dynamiken im Ort zu verstehen. Die Urlaubertypen, die sich je nach Jahreszeit unterscheiden. Die Einheimischen mit ihren Vorlieben. Und die Auswanderer, die besonders in den mauen Monaten außerhalb der Saison zu wichtigen Stammkunden werden können. Den Durchbruch unter der deutschen Residenten-Community brachte der in diesem Winter eingeführte regelmäßige Quizabend, moderiert von MZ-Kolumnist Mirko Perković. Sonderangebote, die nur außerhalb der Saison gelten und ab und an thematische Events taten ihr Übriges. „Das hat uns in der Szene bekannt gemacht und ist ein Erfolg. Das Quiz wollen wir auf jeden Fall auch den Sommer über weiterführen“, so Kevin Libawski.
Lang gehegter Auswanderungs-Traum
Überhaupt gibt sich der 34-Jährige als jemand, der über alle Zweifel erhaben ist. Vor seiner Auswanderung habe er in der Nähe von Frankfurt eine Baufirma hochgezogen, berichtet er. Der Gedanke, dass es mit der Gastro-Idee auf Mallorca nicht klappen könne, sei ihm gar nicht gekommen. „Ich weiß, wie man einen Betrieb leitet.“ Dass dieser nun gastronomischer Natur sei, spiele keine so große Rolle, sagt er mit Pokerface. „Ich bin ein Macher. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich eben etwas anderes versucht. Baugewerbe gibt es ja auch hier auf der Insel.“
Einen eigenen Handwerksbetrieb auf der Insel eröffnen – eigentlich war das der Plan gewesen, mit dem Libawski samt Frau Selina und zwei kleinen Kindern im Februar 2024 auf die Insel kam. „In Deutschland hatten wir zu dem Zeitpunkt bereits alle Segel gestrichen, Haus und Firma verkauft.“ Denn den Mallorca-Traum hegt Kevin Libawski schon, seit er 18 Jahre alt war und einen Promo-Job an der Playa de Palma angeboten bekam. „Damals ist aus verschiedenen Gründen nichts daraus geworden. Aber die Idee, einmal hier zu leben, hatte ich weiterhin.“ Bei vielen gemeinsamen Urlauben mit Selina festigte sich die Idee. 2023 zog dann auch noch seine Mutter auf die Insel. Und so wanderte die junge Familie Anfang 2024 ebenfalls aus.
Schon jetzt Reservierungen für die WM
Dass es ein Restaurant wurde statt einer neuen Baufirma, und dann auch noch in Cala Ratjada („da wollte ich eigentlich nie hin“), sei Zufall gewesen. „Wir sahen, dass das Lokal inseriert war und schlugen zu“, sagt Kevin Libawski. Immerhin: Beim aufwendigen Umbau konnte er dann doch mit seiner Handwerks-Expertise glänzen. Neues Design, neue Holzverkleidungen, zwei neue Riesen-LED-Bildschirme. Sie sind das Herzstück im neuen Dinos. Denn um Essen allein ging es den Libawskis nie. „Wir sind auch Sportsbar. Zeigen alles rund um Fußball.“
Vor allem größere Urlaubergruppen wie Sportvereine oder Kegelclubs, die besonders im Früh- und Spätsommer in Massen nach Cala Ratjada kommen, lassen die Kassen klingeln. Erst recht bei großen Fußballevents. „Die EM vor zwei Jahren lief sehr gut, und wir haben jetzt schon Reservierungen für die WM“, schwärmt Libawski.
Ein bisschen profitieren die Auswanderer auch vom guten Namen. Rund 30 Jahre lang war das Dinos im Ort allsommerlich eine bekannte Institution gewesen, betrieben von Spaniern aus dem Dorf. Nachdem diese es vor einigen Jahren aufgaben, wechselten Name und Wirt mehrmals. „Wir haben den alten Namen dann wiederbelebt. Jeder weiß, wo das Dinos ist“, so Kevin Libawski. Die Speisekarte ist simpel, aber allgemeinverträglich. Verschiedene Schnitzelgerichte, Hamburger, ein paar Tapas, ein bisschen Pasta. Auch Flammkuchen, Kaiserschmarrn und Cocktails. „Eben alles, was schmeckt.“ Im Winterhalbjahr steht Selina Libawski in der Küche. Im Sommer wird ihr wieder Personal und ein externer Koch zur Hand gehen – schließlich ist da auch noch das dritte Kind des Paares, das vor sechs Monaten auf die Welt kam und betreut werden will.
Schimmel und gleichgültige Vermieter
„Ich war mehrmals an dem Punkt, alles hinzuschmeißen. Aber Kevin hat mich weitergezogen“, gibt Selina Libawski zu. Nicht wegen der Herausforderung, einen Gastrobetrieb zu führen. Sondern vielmehr wegen der Wohnsituation auf der Insel. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm ist. Mit feuchten Wänden, Schimmel in den Schlafzimmern und Vermietern, die sich um nichts kümmern und trotzdem so viel Geld verlangen“, so die 29-Jährige. Ständig seien die Kinder krank gewesen. „Jetzt wird hoffentlich alles besser“, sagt sie. Vor ein paar Wochen ist die Familie in eine Finca bei Son Carrió gezogen. „Bis jetzt scheint es, dass wir dort endlich Glück haben.“
Und der Winter ist ja nun auch bald überstanden. „Ab der neuen Saison wollen wir alle Gerichte auch in XXL anbieten“, erzählt Selina Libawski. Ein-Kilo-Schnitzel – das ist bestimmt etwas, das den Urlaubergruppen gefällt. An Kreativität fehlt es dem Paar jedenfalls nicht.
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