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Auch wegen "wachsender Deutschenfeindlichkeit": „Goodbye Deutschland“-Mallorca-Auswanderin Anke Dietz plant, die Insel zu verlassen

Jahrelang fühlte sich die TV-Auswanderin auf der Insel zu Hause. Neben anderen Gründen haben auch Anfeindungen gegen Deutsche und die angespannte Lage auf dem Mietmarkt sie und ihren Mann Tom Ströhle zum Umzug aufs Festland bewogen

Fühlen sich auf Mallorca nicht mehr so willkommen wie noch vor ein paar Jahren: Anke Dietz und Tom Ströhle.

Fühlen sich auf Mallorca nicht mehr so willkommen wie noch vor ein paar Jahren: Anke Dietz und Tom Ströhle. / Privat

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Simone Werner

Simone Werner

"Goodbye Deutschland"-Auswanderin und TV-Bekanntheit Anke Dietz hat auf Mallorca in den vergangenen Monaten immer wieder am eigenen Leib die Ausländerfeindlichkeit zu spüren bekommen, die teils auf der Insel vorherrscht. Auch daher hat sie nun zusammen mit ihrem Mann beschlossen, der Insel den Rücken zu kehren und aufs Festland zu ziehen.

Noch im August 2025 sagte Dietz gegenüber der MZ, dass sich das Paar in Colònia de Sant Pere "pudelwohl fühle". "Wir sind hier gut integriert, sind hier zu Hause." An diesem Gefühl hat sich nun einiges geändert: In den letzten ein bis zwei Jahren habe sich die Feindlichkeit gegenüber Deutschen auf der Insel zunehmend gesteigert, erklärt Dietz, die schon am Gemeinschaftspool von einer spanischen Nachbarin mit "Ihr Scheiß Deutschen, geht nach Hause!", beschimpft wurde.

"Bei uns im Ort, wo es überhaupt kein Hotel gibt, steht überall 'Tourists go home'." Auch Menschen, die schon Jahre auf der Insel leben und Spanisch sprechen würden, würden mit den Urlaubern gleichgestellt. "Du bist einfach immer nur der Ausländer, der Deutsche, der nach Hause gehen soll", so die Immobilienmaklerin, die sich laut eigener Aussage in dem Ort sehr gut integriert habe.

Lebt seit einigen Jahren in Colònia de Sant Pere: TV-Bekanntheit Anke Dietz.

Lebt seit einigen Jahren in Colònia de Sant Pere: TV-Bekanntheit Anke Dietz. / Privat

2019 hatte sich das Ehepaar das Haus in Colònia de Sant Pere gekauft. Vor allem die Immobilienmaklerin wollte sich schon einige Jahre zuvor auf der Insel niederlassen. "Mein Mann wollte erst nicht mitmachen", erzählte sie der MZ. In einem Urlaub – Dietz war vor ihrem Umzug an die 200 Mal auf der Insel – hätten sie sich dann in die Immobilie, die sie später kaufen sollten, verliebt. 2022, noch während der Pandemie, sei zunächst Dietz fest auf die Insel gezogen, nachdem sie zuvor noch gependelt hatte. "Ich habe damals in Deutschland nicht mehr viel gearbeitet, habe aber gemerkt, dass ich auf der Insel immer mehr Kontakte geknüpft habe", erinnert sie sich. Also gab sie ihr Gewerbe als Immobilienmaklerin in ihrem Heimatland auf und startete auf der Insel durch. Ihr Mann sei damals noch in einem Angestelltenverhältnis, sei mittlerweile aber Privatier, erzählte Dietz, die man auch aus dem Vox-Format "Mieten, kaufen, wohnen" kennt.

Die Auswanderin mit ihrem Mann Tom Ströhle.

Die Auswanderin mit ihrem Mann Tom Ströhle. / Privat

Doppelmoral?

"Ich verstehe die Mallorquiner auf der einen Seite. Uns geht es ja selbst auf den Wecker. Deswegen leben wir auch in einem Ort, in dem es keine Hotels gibt, aber selbst hier überfluten uns die Touristen. Wir können in kein Restaurant gehen ohne Reservierung. Das war vor Jahren noch anders." Auf der anderen Seite, findet Dietz, tragen die Insulaner auch etwa zur Wohnraum-Problematik bei. "Grade hier im Dorf schmeißen viele Mallorquiner Leute raus, die ewig in den Häusern gelebt haben, teils auch Rentner-Paare, die seit 20 Jahren hier leben, weil sie das Doppelte an Miete wollen. Sie nehmen dann anstatt 1.000 Euro fürs Haus auf einmal 2.500 Euro oder teilweise 3.000 Euro. Sie machen es sich selbst kaputt, machen es sich aber dann auch so einfach, dass sie es auf die Ausländer schieben. Als wir hier hergekommen sind, habe ich das ganz anders erlebt." Auch vielen Freunden von Dietz, die an anderen Orten auf der Insel leben, falle die immer radikalere Ausländerfeindlichkeit auf.

Nach einem Besuch bei Dietz’ Sohn auf Zypern habe sich das Paar ernsthaft überlegt, an welchen Ort in Spanien es ziehen kann, an dem die beiden willkommener sind.

In den vergangenen Jahren sind auf der Insel immer wieder Schmierereien aufgetaucht, die sich teilweise gegen den Tourismus und die Spekulation mit Immobilien, in anderen Fällen explizit gegen Deutsche richteten. Ziel der Farbattacken wurden unter anderem Mietwagen, aber auch Immobilienbüros in ausländischer Hand. Für Aufsehen sorgte etwa im Frühjahr 2025 eine Attacke, bei der mehrere von Deutschen betriebene Geschäfte in Santanyí mit dem Wort "Raus" beschmiert wurden.

Publicación de Anke Dietz en Facebook.

Dann eben Andalusien

Wenig später flogen die beiden Auswanderer nach Málaga, machten dort direkt Termine mit Maklern aus. "Wir haben uns total in den Ort Estepona verliebt. Er liegt circa 20 Minuten entfernt von Marbella", so Dietz, die sehr begeistert davon war, wie sauber die Orte in der Region sind und wie blumig der Ort ist. "Estepona ist voll mit Blumen. Du kannst vom Boden essen. Die Spanier sprechen dich auf der Straße an, was du für ein schönes Kleid anhast. Täglich ist irgendwas Positives passiert. Die waren so freundlich. Auf Mallorca werde ich täglich angeblafft, weil sie sehen, dass ich Deutsch spreche oder Deutsch bin." Nach Jahren habe Dietz zudem gemerkt, dass die Insel ihr zu klein geworden ist.

In den Bau dieser Finca in s'Horta haben die Auswanderer viel Herzblut, Geld und Nerven gesteckt.

In den Bau dieser Finca in s'Horta haben die Auswanderer viel Herzblut, Geld und Nerven gesteckt. / Privat

Daraufhin habe das Paar beschlossen, nach Andalusien zu ziehen und seine beiden Immobilien zu verkaufen. Neben dem Haus in Colònia de Sant Pere hat das Paar dreieinhalb Jahren eine Finca in s'Horta gebaut. "Sie ist jetzt endlich fertig. Wir haben aber noch keinen Käufer", so Dietz zur MZ, die viel Nerven, Kraft, Geld und Geduld in das Projekt investiert habe. "Momentan gibt es viel zu viele Immobilien auf der Insel. Das war vor dreieinhalb Jahren anders", so die gelernte Großhandelskauffrau, die zunächst ihr Haus in Colònia verkaufen will.

Publicación de Anke Dietz en Facebook.

Zeit, um weiterzuziehen

"Ich weiß, dass ich nie mehr so nah am Meer leben werde. Hättest du mir vor einem Jahr gesagt, dass ich dieses Haus hier verkaufe: never ever. Ich habe immer gesagt, ich lasse mich mit den Füßen zuerst raustragen", so Dietz. "Doch die Insel hat sich verändert. Wir vielleicht auch", so die Mutter eines Sohnes, die auch schon eine Wohnung in Palma hatte.

Liegt in Colònia de Sant Pere direkt am Meer: das Haus von Anke Dietz und ihrem Mann.

Liegt in Colònia de Sant Pere direkt am Meer: das Haus von Anke Dietz und ihrem Mann. / Privat

"Palma ist immer nur zu voll. Diese Kreuzfahrtschiffe, dieser Dreck, auch wenn sie versuchen, alles sauber zu halten, aber es ist einfach nicht möglich", sagt Dietz. Sie sei sehr traurig, dass sie auf der Insel nicht mehr willkommen sei. "Obwohl wir hier so viel Geld gelassen und auch so viele Leute beschäftigt haben", fügt sie hinzu. "Wir haben bis auf den Kaminbauer nur mallorquinische Firmen beschäftigt."

Bis beide Immobilien verkauft sind, könne es noch Jahre dauern, mutmaßt Dietz. "Wenn's nach mir geht, würde ich gerne bis Weihnachten auf dem Festland leben, aber das werden wir nicht hinkriegen", sagt sie. "Wir wollen unbedingt in Spanien bleiben, wir lieben Spanien und wir werden bestimmt auch jedes Jahr wieder Urlaub auf Mallorca machen. Ich gehe natürlich mit einem weinenden Auge von der Insel, aber es ist für uns an der Zeit, weiterzuziehen", so Dietz, die auf der Insel vor einigen Jahren auch geheiratet hat und dankbar für ihre Zeit auf Mallorca ist.

Zieht bald aufs Festland: Anke Dietz.

Zieht bald aufs Festland: Anke Dietz. / Privat

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