Unterschiedliche Gehälter: Werden die Komparsen bei "Der perfekte Urlaub" wirklich "abgezockt"?
Laut der Produktionsfirma Constantin Film werden die gesetzlichen Rahmen eingehalten. Eine deutsche Initiative beschwerte sich lautstark

Das Starensemble von "Der perfekte Urlaub", dem Nachfolgerfilm von "Das perfekte Geheimnis" auf einem Pressebild von Constantin Film. / Constantin Film
Bis Ende November dreht Constantin Film noch den deutsche Spielfilm "Der perfekte Urlaub" auf Mallorca. Eine Castingfirma suchte dafür 1.000 Komparsen für die Drehtage von Montag bis Freitag (14.11.). Laut der deutschen Initiative "Faire Gage" sind die Arbeitsbedingungen am Set jedoch sehr schlecht. "Die Menschen werden regelrecht abgezockt und ihre Blauäugigkeit, einmal mit den Stars zu drehen, wird einfach gnadenlos ausgenutzt", sagt der Verantwortliche der Initiative, Klaus Stutzer, gegenüber der MZ. Die Produktionsfirma entgegnet, dass man sich an die gesetzlichen Vorschriften halte.
In erster Linie stört "Faire Gage" die geringe Bezahlung. Für jeden Drehtag erhalten die Komparsen laut der Anzeige der Castingfirma 82,50 Euro brutto für zehn Stunden Arbeit plus eine Stunde Mittagspause. Jede Überstunde wird mit 14 Euro vergütet. "Wir sehen keinen Grund dafür, den in Deutschland üblichen Mindestlohn zu umgehen, wenn auf Mallorca gedreht wird", so Stutzer. In Deutschland liegt der Mindestlohn für Komparsen seit dem 1. Januar 2025 bei 12,82 Euro pro Stunde brutto.
Die Nachtdrehs seien für die Komparsen zudem besonders anstrengend. "Da liegen die Nerven oft blank. Fünf Nächte hintereinander habe ich noch nie durchgemacht und noch nie von einem derartigen Stressprogramm gehört", sagt Stutzer, der laut eigenen Angaben seit zehn Jahren als Komparse arbeitet und bei Hunderten Drehtagen dabei war. "Diese Kälte gegen unseren Berufsstand kennen wir so nicht."
Die Initiative sei in der Vergangenheit schon öfter mit der verantwortlichen Produktionsfirma Constantin Film aneinandergeraten. "Man zeigt sich dort nicht einsichtig, was der erneute Eklat auf Mallorca beweist", sagt Stutzer. "Constantin Film verspielt hier gerade auf nicht mehr nachvollziehbare Weise seinen guten Ruf."
Das sagt Constantin Film zu den Vorwürfen
Da der Dreh auf Mallorca stattfindet, müssten die Komparsen eigentlich nach dem spanischen Arbeitsrecht entlohnt werden. Die Mindestgage für 2025 beträgt laut der balearischen Gewerkschaft für Schauspieler 56,08 Euro pro Drehtag im Falle von kleineren Rollen und Komparsen. Zuzüglich gibt es einen Nachtzuschlag in Höhe von 25,40 Euro. Das macht 81,48 Euro, die in dem Fall dann eingehalten werden. Diese Zahlen basieren auf dem Tarifvertrag für den sector audiovisual. Die Komparsen gelten laut dem ehemaligen Filmproduzenten Pedro Barbadillo in Spanien nicht als Selbstständige, sondern müssen mit einem befristetem Arbeitsvertrag ausgestattet werden.
Der Fall ist aber verzwickter. Constantin Film holte sich zusätzlich zu den Komparsen von der Insel Verstärkung aus Deutschland. "Bei unseren Dreharbeiten kamen und kommen sowohl spanische und deutsche Komparsen, die sich jeweils unabhängig von unserem Dreh auf Mallorca aufhalten, als auch 20 Komparsen aus Deutschland, die extra für diese Dreharbeiten nach Mallorca gereist sind, zum Einsatz", heißt es auf MZ-Anfrage bei der Produktionsfirma.
"Die Personen, die schon unabhängig von unseren Dreharbeiten auf Mallorca waren, wurden über die spanische Agentur MarCasting angestellt und werden entsprechend der spanischen Vorschriften vergütet. Die Komparsen, die extra aus Deutschland gekommen sind, wurden über eine deutsche Agentur angestellt, sie erhalten den vorgeschriebenen deutschen Mindestlohn, wie er üblicherweise immer an Komparsen in Deutschland gezahlt wird, zusätzlich auch einen Nachtzuschlag. Für diese Komparsen haben wir selbstverständlich auch die Reise- und Unterbringungskosten getragen.“
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