Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Alles Lüge, sagt La Paca: Warum das Drogen-Drama "Mallorca Confidencial" auf der Insel für Wirbel sorgt

Der Film „Mallorca Confidencial“ handelt von einer Drogenbaronin auf der Insel. Da fühlt sich jemand angesprochen

Szene aus dem Film: La Chusa wird von Lolita Flores (Mi.) gespielt.

Szene aus dem Film: La Chusa wird von Lolita Flores (Mi.) gespielt. / FOTO: VERLEIH

Folgen Sie uns bereits?Marken Sie uns als bevorzugte Medien
Hinzufügen zu Google
Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Wie fiktiv muss eine Geschichte sein, damit sie als Fiktion durchgeht? Reicht es, wenn man zu Beginn eines Films darauf hinweist, dass es sich um frei erfundene Geschehnisse handelt? Wenn man auch die Namen der Protagonisten verändert? Und Handlungsstränge erfindet, die sich so nie zugetragen haben?

Dass all diese Vorkehrungen manchmal zu wenig sind, bekommen dieser Tage die Macher des Dramas„Mallorca Confidencial“ zu spüren. Der Film erzählt die Geschichte eines Clans von gitanos, wie die Roma in Spanien genannt werden, in einem Viertel von Palma. Die Familie widmet sich dem Drogenhandel, Anführerin ist eine Matriarchin namens La Chusa. Auf Mallorca denkt man unweigerlich an La Paca, die langjährige Drogenbossin von Son Banya.

"Alles Lüge"

Auch La Paca selbst fühlte sich verständlicherweise angesprochen. Und schaute sich den Streifen kurz nach dem offiziellen Start in den Kinos an. Ihr Urteil: Vernichtend. „Alles Lüge“, polterte die verurteilte Drogenhändlerin in einem Tiktok-Video und tat den Film als „Science-Fiction“ ab. Sie würde das alles noch im Detail kommentieren, erklärte sie. Aber dafür müsse sie vorab mit ihrem Anwalt sprechen. Wenn die Filmemacher wirklich einen La-Paca-Streifen hätten drehen wollen, dann hätten sie sich ruhig melden können, sie lebe auf Mallorca.

Zumindest der Produzent des Films, Luis Ortas, soll nach Angaben der Zeitung „Ara Balears“ aber genau dies getan haben. Der Mallorquiner hatte bereits vor Jahren eine „La Paca“-Doku für den Regionalsender IB3 produziert. Er habe die Matriarchin bei ihrem Eintritt in den offenen Vollzug im Jahr 2024 angesprochen, ob eine Zusammenarbeit für „Mallorca Confidencial“ möglich sei, heißt es in dem Bericht. La Paca habe abgelehnt. Sie wolle sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Daraufhin habe man den Film komplett fiktiv ausgerichtet.

Alles andere als unsympathisch

Inwieweit sich die echte La Paca über die Filmfigur La Chusa ärgern muss, sei dahingestellt. Bei aller Härte kommt der von der bekannten spanischen Schauspielerin, Sängerin und gitana Lolita Flores interpretierte Charakter alles andere als unsympathisch rüber.

Interessant ist der Film auch, weil Drehbuchautorin Amèlia Mora und Regisseur David Ilundain die Geschichte weniger als actionreichen Drogenthriller erzählen, sondern eher als Familiendrama. Auch die Sozialkritik bleibt nicht aus. Das Elend in dem Viertel, in dem die Familie trotz der hohen Einnahmen aus den Drogengeschäften lebt, wird ebenso dargestellt wie die die Korruption, die die mallorquinische Gesellschaft durchzieht. Hier ein fieser Bauträger, dort ein gekaufter Polizist und da ein Beamter, der gern mal mithilft oder zumindest die Augen zudrückt.

Bisweilen driftet dies ein wenig ins Klischee ab. Dass der Film trotzdem sehenswert ist, liegt unter anderem an den schauspielerischen Leistungen von Lolita Flores und ihrer jungen Kollegen Asia Ortega (die Nichte von La Chusa) und Amin Hamada (der Sohn Tato). Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage nach der Loyalität innerhalb einer Familie und der Gesellschaft im weitesten Sinne.

Menschen, wie es sie auf Mallorca gibt

So gut wie alle Charaktere, die in dem Film vorkommen, haben Dreck am Stecken und Mitwisser, die sie verraten könnten. Das mag, wie La Paca betont, nicht der Realität entsprechen. Aber der Film erzählt die Geschichten von Menschen, deren Schicksale häufig hinter den Polizeimeldungen und der Justizberichterstattung verborgen bleibt. Geschichten von Menschen, die sich durchs Leben beißen müssen, die auch mal etwas falsch machen. Menschen, wie es sie eben auch auf Mallorca gibt. Oder geben könnte.

Mallorca Confidencial, 90 Min., ab 16 Jahre, u. a. im Kino Ocimax in Palma

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents