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Das Oktoberfest in Santa Ponça ist sogar Preußen-kompatibel

Das größte und nach eigenen Angaben „professionellste“ Oktoberfest der Insel startet am Freitag. Auf die Beine gestellt haben es zwei Urgesteine im Veranstaltungsgeschäft: Werner Wiedemann und Holger Becker

Gastronom Werner Wiedemann (li.) und Gerüstbauer Holger Becker beim Aufbau des Oktoberfestes in Santa Ponça.

Gastronom Werner Wiedemann (li.) und Gerüstbauer Holger Becker beim Aufbau des Oktoberfestes in Santa Ponça. / Nele Bendgens

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Johannes Krayer

Johannes Krayer

Werner Wiedemann ist mit seinen 76 Jahren mit allen Wassern gewaschen. Von daher kann es den Gastronomen aus Oberbayern nicht wirklich aus der Ruhe bringen, dass vier Tage vor der Eröffnung seines Oktoberfestes in Santa Ponça noch einiges im Argen liegt. Wiedemann ist Inhaber des Restaurants Rancho La Romana in Peguera, wo er das ganze Jahr über vor allem bayerische Spezialitäten anbietet.

Seelenruhig erklärt er der MZ an diesem Montagmittag (14.10.), was noch alles bis zur Eröffnung am Freitag fehlt: „Die Küche muss noch aufgebaut werden, die Bänke, die VIP-Boxen und so weiter.“ Vom Geschäftsmodell her ist es für ihn zumindest keine allzu große Umstellung, Haxen, Hendl, vegetarische Maultaschen und Bier vom Münchner Hofbräuhaus statt in seinen Rancho nun auf den Festplatz an der Mühle im Polígono Son Bugadelles liefern zu lassen.

Gastronom Werner Wiedemann (li.) und Gerüstbauer Holger Becker beim Aufbau des Oktoberfestes, umgeben von den Bayern-Farben Blau und Weiß.  | FOTO: NELE BENDGENS

Die wichtigsten Infos zum Fest auf einer Werbetafel. / Nele Bendgens

Tagelange Näharbeiten

Gerade sind der Bayer und sein Kollege bei der Mission Oktoberfest, Holger Becker, dabei, die Arbeiter anzuweisen, die die weißen und blauen Banderolen am Zeltdach befestigen. Die Frau von Holger Becker näht in tagelanger Handarbeit die Bänder zusammen, die in den exakt gleichen Abständen aufgehängt werden müssen.

Auch wenn Becker „a Preiß“ sei, verstehe er sich doch gut mit ihm, sagt Wiedemann. Der Aufbau laufe Hand in Hand ab. „Er lässt zwar ab und zu mal einen Schrei los, aber mit mir traut er sich das nicht“, frotzelt der vom Tegernsee stammende Werner Wiedemann.

Klare Aufgabenverteilung

Die beiden sind ein eingespieltes Team, leben beide seit vielen Jahren auf der Insel und haben schon so manches Oktoberfest gemeinsam auf die Beine gestellt. Die Aufgabenverteilung ist dabei im Prinzip klar: Wiedemann kümmert sich um die Gastronomie, das Personal und die Musik und Becker um die gesamte Technik, die Logistik und den Aufbau. „Seit drei Wochen bin ich hier schon am Werkeln mit dem Zelt“, berichtet Becker.

Und nach dem Oktoberfest hat er nach dem Abbau eines Teils des Festzeltes nur wenige Tage Pause, bis er schon wieder den Weihnachtsmarkt vorbereitet. Den gibt es auch in diesem Jahr ab dem 22. November wieder am angestammten Platz in Santa Ponça, nachdem er im Jahr 2022 aufgrund einer drastischen Mieterhöhung ausfallen musste.

Ins Zelt passen 800 Besucher

Ab Freitag steht aber in Santa Ponça erst einmal alles im Zeichen der Münchner Wiesn-Tradition. Wiedemann hofft auf mehrere Tausend Gäste. Allein ins Festzelt passen rund 800 Partywütige. Dazu kommen weitere Hütten mit Sekt- und Weinbar, Kaffee und Kuchen sowie Außenbereiche, wo weitere 500 Menschen Platz finden.

Die Menge an benötigten Lebensmitteln ist dementsprechend groß: „Wir werden 5.000 Hühner grillen und 4.000 Haxen. Und für die Südschweden gibt es auch Kassler mit Kraut“, sagt Wiedemann, der keine Gelegenheit auslässt, kleine Seitenhiebe auf Preußen oder andere Nicht-Bayern auszuteilen.

Bier kommt direkt aus München

Auch auf die Schwaben, denn der Cannstatter Wasen in Stuttgart sei im Prinzip genauso groß wie das Oktoberfest. „Aber nur die Wiesn wird weltweit gefeiert. Das dürfte daran liegen, dass Bayern einfach besser feiern können.“

Zum Feiern gehört für Wiedemann in erster Linie auch das Bier. Dafür lässt er eigens zwei Lastwagen mit dem originalen Oktoberfestbier aus dem Hofbräuhaus auf die Insel fahren. Einer der Lkw kommt dabei direkt aus München, ein zweiter aus der nordspanischen Region Navarra, wo die Brauerei einen Standort unterhält.

Die Maß für 12,90 Euro

Die Maß Bier kostet in Santa Ponça 12,90 Euro und damit etwas weniger als beim Original in München, wo die Besucher je nach Festzelt dieses Jahr zwischen 13,60 Euro und 15,30 Euro hinblättern mussten. Auch alkoholfreies Bier steht bereit.

Fassanstich ist am Freitag um 17 Uhr mit dem Bürgermeister der Gemeinde Calvià, Juan Antonio Amengual. Gespannt dürfen die Gäste darauf sein, wie leicht dem Spanier der traditionelle Wiesn-Startschuss „O’zapft is!“ von den Lippen gehen wird. Und wie viele Schläge der mutmaßlich in derartigen Angelegenheiten eher unbeleckte Bürgermeister benötigen wird.

Jeden Tag Livemusik

Neben Bier und bayerischen Schmankerln hat Werner Wiedemann auch ein musikalisches Unterhaltungsprogramm ausgetüftelt. Jeden Tag gibt es Livemusik, unter anderen stehen die 5 Souls mit Egon Wellenbrink auf der Bühne, genau wie Lola, eine Sängerin, die auch bei der Münchner Wiesn auftritt. Die Ausgabe in Santa Ponça geht bis 27. Oktober und ist täglich von 1 1 bis 23 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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