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Wenig Kunsthandwerk, viel Glühwein: So ist der Weihnachtsmarkt "Christmas in Palma" gestartet

Nach der Kritik und der verspäteten Eröffnung sind eine Eisbahn, Rodelbahn und zahlreiche Essensstände geboten. Im nächsten Jahr wollen die Organisatoren mehr Kunsthandwerk anbieten

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Jetzt ist er also tatsächlich eröffnet – der nordische Weihnachtsmarkt "Christmas in Palma" im Park von Sa Feixina westlich der Altstadt von Palma. Mit einer Woche Verspätung und einer Menge Polemik ist der Markt am frühen Freitagabend (28.11.) an den Start gegangen. Und eines vorab: Das Ambiente zwischen Marktbuden und Eislaufbahn ist auf jeden Fall weihnachtlicher als das auf der Plaça Major oder auf den Ramblas, wo seit Jahr und Tag dieselben funktionalen Stände aufgestellt werden, die auch bei einer Messe stehen könnten.

Die Buden im Park von Sa Feixina, von denen am ersten Abend noch zahlreiche geschlossen sind, kommen zwar auch im Einheitslook daher, sind aber zumindest aus Holz gefertigt. Der Markt erinnert durchaus an ein Weihnachtsdorf, wie es auch in Mittel- oder Nordeuropa stehen könnte. Es gibt viel Bling-Bling, an allen Ständen winden sich Lichterketten entlang, oben in der Mitte am Dach prangt jeweils ein Rentier, ebenfalls aus Lichterketten geformt. Die Palmen im Park und die Mauer des Es Baluard werden mit rotem und grünem Licht angestrahlt.

Eislaufbahn ist gleich gut besucht

Das Highlight, das bereits am ersten Abend gut besucht wird, ist sicher die Eislaufbahn in der Mitte des Marktes. Dort haben die beiden österreichischen Veranstalter mit enormem Aufwand und der entsprechenden Umweltbilanz eine Fläche von etwa acht mal 14 Metern mit echtem Eis überzogen, die ständig heruntergekühlt werden muss.

Doch die Kinder und auch zahlreiche Erwachsene haben Spaß auf dem Eis. Von außen schnell zu erkennen ist, dass das Eislaufen besser funktioniert als auf den Kunsteisbahnen, die es bei anderen Märkten auf der Insel gibt.

Rundgang über den neuen Weihnachtsmarkt "Christmas in Palma"

Redaktion DM

Rodelbahn soll am Samstag öffnen

Für die Kleinsten, die noch nicht so sicher auf Schlittschuhen unterwegs sind (wie sollen sie das auf einer Mittelmeerinsel auch lernen?), gibt es Hilfsmittel, mit denen sie sich über das Eis bewegen können. Mehrere Pinguine und Delfine aus Kunststoff stehen zur Verfügung. Eine halbe Stunde Schlittschuhlaufen kostet acht Euro, die Schlittschuhe sind darin inklusive.

Am Abend noch nicht geöffnet war die 20 Meter lange Rodelbahn im oberen Bereich des Parks. Mehrere Mitarbeiter waren noch mit letzten Aufbauarbeiten beschäftigt, ab Samstag sollte die Bahn mit mäßiger Steigung dann in Betrieb sein.

Einige Glühweinstände

Eine Stunde nach Eröffnung ist der Markt dann schon ordentlich besucht. Die überwiegende Mehrzahl der Neugierigen ist allerdings offenbar vor allem zum Essen und Trinken hergekommen. An den Glühweinständen bilden sich längere Schlangen, es gibt mehrere Varianten. Auch Eierpunsch ist zu bekommen. Die Glühweinpreise liegen zwischen 4 und 5 Euro pro Glas oder Tasse. 5 Euro muss man obendrauf als Tassenpfand bezahlen. Gleich mehrere Stände versorgen die Besucherinnen und Besucher mit Bratwürsten und anderem Grillgut.

Daneben gibt es zum Beispiel auch einen Stand mit Elsässer Flammkuchen für Preise zwischen 8,50 Euro und 12,50 Euro. Einer der zahlreichen Deutschen, die sich am Eröffnungsabend bereits hier tummeln, beißt hinein und sagt anerkennend: "Schmeckt sehr lecker."

Geschenkestände deutlich ausbaufähig

Noch deutlich zu wünschen übrig lässt das Angebot an Kunsthandwerk. Bis auf ein paar Stände direkt an der Mauer des Es Baluard etwas außerhalb des Parks, die selbstgemachte ätherische Öle, Taschen oder Malerei anbieten, gibt es wenig Erbauliches zu kaufen. Gleich mehrere Buden bieten exakt dasselbe Angebot aus ästhetisch zumindest problematischer Christbaumschmuckmassenware.

Wenig weihnachtlich mutet auch ein Stand mit Fanartikeln des Fußball-Erstligisten Real Mallorca an. Es sei in diesem Jahr einfach zu wenig Zeit gewesen, um eine größere Vielfalt an Ausstellern zu haben, entschuldigt sich Toni González, einer der Mitorganisatoren. Für das nächste Jahr arbeite man aber bereits an einer anderen Lösung, um deutlich mehr Angebot auffahren zu können.

Viele Pläne für 2026

So sei neben einer größeren Vielfalt an Ständen auch eine stärkere Kooperation zu Schulen auf der Insel geplant. "Wir wollten eigentlich schon in diesem Jahr Busse mieten und Schulkinder zum Weihnachtsmarkt bringen, die dann hier verschiedene Aktivitäten machen sollten. Wir wollten kleine Aufführungen organisieren und einen Geschichtenerzähler engagieren", berichtet Toni González. Doch das sei zunächst an administrativen Auflagen gescheitert. Auch mit den Hoteliers der Insel soll zusammengearbeitet werden, um Besucher auf den Markt zu locken.

Und nicht zuletzt schaffe man in der Nebensaison Arbeitsplätze, sagte González. Wenn im kommenden Jahr der Weihnachtsmarkt wie geplant knapp zwei Monate dauern solle, könnten rund 200 Angestellte von Hotels, die dann gerade ihre Saison beenden, ohne Pause in den Aufbau, den Betrieb und den Abbau des Marktes übergehen und seien somit bis weit in den Januar hinein beschäftigt. Und da zahlreiche Hotels bereits im Februar schon wieder öffnen, bräuchten sie dann so gut wie gar kein Arbeitslosengeld zu beantragen.

Die Öffnungszeiten

Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. Die Gegenwart ist ein Markt, der auch durch die Proteste der Anwohner gegen musikalische Beschallung, die einwöchige Verzögerung beim Start und die Kritik an der wenig mallorquinischen Ausrichtung etwas rumpelig gestartet ist.

Die überschaubaren Öffnungszeiten (täglich von 12 bis 21.30 Uhr) und der fast gänzliche Verzicht auf Musik (außer freitags und samstags zwischen 19.30 Uhr und 21.30 Uhr) sollen die unmittelbaren Nachbarn des Geländes friedlich stimmen. Und schließlich soll sich der Markt vor allem auch an Einheimische und explizit an die Mallorquiner richten, sagt Toni González und muss weg. Die heiße Schokolade wartet.

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