"Fröhlich soll mein Herze springen": Mehrere Tausend deutschsprachige Christen feiern Heiligabend in der Kathedrale
Der Andrang zu den beiden Gottesdiensten war wieder groß, auch wenn diesmal niemand draußen bleiben musste

Feierlich wie eh und je: die deutsche Christvesper in der Kathedrale an Heiligabend / Johannes Krayer
Wenn mitten in der Nebensaison Hunderte Deutsche um die Kathedrale auf Mallorca herumwuseln, dann muss Heiligabend sein. Und wenn es dann auch noch wie an diesem Mittwoch (24.12.) in Palma beständig regnet und der Platz vor La Seu vor lauter Regenschirmen kaum noch zu sehen ist, weiß der Beobachter: Die deutschsprachigen Christvespern ziehen auch nach 53 Jahren noch die Massen an.
Zum ersten Gottesdienst um 15.30 Uhr war der Andrang wie gewohnt riesig. Die Sprecherin der Kathedrale, Maria Ferrer, sagte der MZ, dass die Menschen "schon um 13.30 Uhr vor der geschlossenen Kirche anstanden, um die besten Plätze zu bekommen". Anders als im Vorjahr passten diesmal alle hinein - wohl auch aufgrund des Regens kam es nicht zur Überfüllung. Rund 1.600 Menschen wohnten dem ersten der beiden Gottesdienste bei.
Bischof begrüßt auf Deutsch
Auch der mallorquinische Bischof Sebastià Taltavull war gekommen und begrüßte gemeinsam mit den deutschen Pfarrern - Andreas Falow von der katholischen Gemeinde und Martje Mechels sowie Holmfried Braun von der evangelischen Gemeinde - die hauptsächlich aus Deutschland stammenden Besucher. Auffällig war aber, dass diesmal auch zahlreiche andere Nationalitäten in der Kathedrale vertreten waren. Die feierliche Stimmung der Christvespern hat sich längst herumgesprochen.

Johannes Krayer
Wie üblich, waren die Gottesdienstbesucher zu Beginn noch etwas zurückhaltend, wenn es ums Mitsingen ging. Spätestens bei "Stille Nacht" und "O du fröhliche" waren dann aber die meisten mit dabei und stimmten ein. Für die passende musikalische Untermalung sorgten aber auch so der Organist Tomeu Mut in gewohnt routinierter Manier sowie die Sopranistin Gloria Berón, der die deutschen Weihnachtslieder fast wie selbstverständlich über die Lippen kamen.
Klimawandel, schwindende Solidarität
Mit der Predigt war diesmal Holmfried Braun an der Reihe. Der evangelische Pfarrer ging von der Weihnachtskrippe aus, um zu einem Lied von Paul Gerhardt zu kommen, das beginnt mit den Worten: "Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen: Christus ist geboren". Braun fragte, ob das wirklich möglich sei. Angesichts des Klimawandels, angesichts der immer weiter schwindenden Solidarität unter den Menschen, angesichts der häufig alles andere als friedlichen Weihnachtstage in den Familien.
Und ja, es sei möglich, fährt Braun fort. Denn Gott ist mit der Geburt Jesu Mensch geworden und auf die Erde gekommen. Somit gelte diese Botschaft für alle, Arme und Reiche, uns Europäer und mittellose Migranten. So wie das damals ebenso war, mit den damals außerhalb der Gesellschaft stehenden Hirten, die zuerst die Botschaft von den Engeln erhielten und mit den drei Königen, "alles reiche Männer", wie Braun sagte.
Besucher begeistert
Die Gottesdienstbesucher gingen nach der Christvesper andächtig wieder in den Regen hinaus. Für Andrea und Paul Werner aus Unterfranken ist es das erste Weihnachtsfest auf der Insel. Auch wegen der deutschsprachigen Christvesper wollten sie unbedingt einmal auf Mallorca feiern. „Wir wollten pünktlich da sein, um sicherzugehen, dass wir nach dem Andrang vom letzten Jahr auch wirklich einen Platz bekommen, und saßen dann in der dritten Reihe. Es war wirklich sehr eindrucksvoll, angefangen vom Schmuck des Altarraumes über die Liedauswahl bis hin zum gemeinsamen ‚Vater Unser‘, das jeder in seiner Muttersprache sprechen sollte. Es hat unsere Erwartungen weit übertroffen.“

Johannes Krayer
So fing alles an
Schon seit 1971 mieten sich die deutschsprachigen Gemeinden in Palmas Kathedrale ein. Wegen der Corona-Pandemie musste die beliebte Zusammenkunft zwei Jahre lang aussetzen. Seit 2022 wird aber wieder gefeiert. Dass großes Interesse an einem ökumenischen Gottesdienst zu Heiligabend besteht, hatte sich bereits Ende der 60er-Jahre gezeigt. 1970 fanden sich an die 500 Menschen in der Rundkirche Porciúncula an der Playa de Palma ein – zu viele.
Der damalige Bischof von Mallorca, Rafael Álvarez Lara, setzte sich daraufhin dafür ein, dass deutsche Residenten und Urlauber künftig in der wichtigsten und zugleich größten Kirche Mallorcas feiern können. In der Zeit des aufkommenden Massentourismus hatte Álvarez Lara in seinen letzten Amtsjahren auf der Insel 22 neue Gemeinden gegründet. Auch die ökumenische Christvesper ist ihm zu verdanken.
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