"Zahl der Kontrollen von Autos mit ausländischen Kennzeichen spürbar erhöht": Veranstalter streicht Oldtimertreffen Mallorca Car Week
Die Entscheidung zur Verlegung von Oktober 2026 auf Oktober 2027 soll Teilnehmer vor kompromittierenden Situationen mit der Guardia Civil schützen

Ein Teilnehmer bei einer der vergangenen Ausgaben: Bei der Ausfahrt der Mallorca Car Week wird eher gemächlich gefahren. / MALLORCA CAR WEEK
Die Mail trudelte am Donnerstagabend (6.8.) bei der MZ ein: Die Veranstalter des Oldtimertreffens Mallorca Car Week verlegen die nächste Ausgabe vom Oktober 2026 auf Oktober 2027. Der Grund, der zunächst etwas seltsam anmutet: die sogenannte "Operación Filtrocar" der Guardia Civil. Damit gemeint sind Kontrollen von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen auf der Insel.
Die Zahl dieser Kontrollen habe sich nach Angaben der Veranstalter in der jüngsten Zeit "spürbar erhöht" - speziell im Südwesten von Mallorca. Also genau dort, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Mallorca Car Week vorrangig unterwegs sein wollten.
60 Prozent mit ausländischen Kennzeichen
Weiter heißt es: "Betroffen sind davon nicht nur international anreisende Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern ausdrücklich auch diejenigen, die bereits ein Fahrzeug mit ausländischer Zulassung auf der Insel bewegen. Rund 60 Prozent der bei der Mallorca Car Week teilnehmenden Fahrzeuge tragen ausländische Kennzeichen – für sie besteht damit ein reales Risiko wiederholter Anhaltungen, Dokumentenprüfungen oder im Einzelfall der vorübergehenden Stilllegung des Fahrzeugs während der Veranstaltung."
Das sagt der Veranstalter
Die MZ hat mit Roman Hummelt, dem Veranstalter der Mallorca Car Week, telefoniert. Er erklärt, dass zwar viele der Autos mit ausländischen Kennzeichen eigens für die Veranstaltung auf die Insel gebracht werden, dass es aber auch Fahrzeuge gebe, die dauerhaft auf Mallorca stationiert seien und trotzdem ein ausländisches Kennzeichen tragen.
"Da hat sich bei manchen Fahrzeughaltern eine gewisse Nonchalance eingebürgert, die wir als Veranstalter aber nicht bewerten wollen." Darüber hinaus würden derartige Autos ohnehin nur für eine Handvoll Gelegenheiten aus der Garage geholt.

Bei einem vergangenen Concours d'Elegance der Mallorca Car Week. / MCW
Gezielt auf Oldtimer und Sportwagen aus
Von mehreren Seiten habe Hummelt in den zurückliegenden Wochen erfahren, dass die Guardia Civil den Druck auf Autos mit ausländischen Kennzeichen deutlich verstärkt habe und dass die Kontrollen gerade in den Gebieten um Bendinat, Santa Ponça oder auch Andratx drastisch zugenommen hätten. "Und es werden offenbar gezielt Oldtimer und Sportwagen genauer inspiziert", sagt Hummelt.
Angesichts der reellen Gefahr, dass eine solche Kontrolle das Event sprengen könnte, habe man sich also nun für die Verschiebung ins Jahr 2027 entschieden.
Kontrollen würden Veranstaltung sprengen
Hummelt will bewusst nicht von einer Absage sprechen und hofft, dass sich im kommenden Jahr die Situation möglicherweise "etwas beruhigt" habe. "Denn selbst, wenn ein Auto von außerhalb auf die Insel gebracht wird, muss das bei der Kontrolle erst einmal nachgewiesen werden. Allein das zerstört uns schon das Event", gibt Hummelt zu bedenken.
Er wolle im Übrigen nicht andeuten, dass sich die Guardia Civil bewusst das Oldtimertreffen herauspicken würde, um Kontrollen zu machen. "Dieselben Regeln gelten in Deutschland ja auch, das ist ja kein Mallorca-typisches Phänomen."
Stimmung hat sich geändert
Allerdings habe sich in seiner Wahrnehmung auf der Insel in letzter Zeit die Gastfreundschaft verändert - und das nicht zum Positiven. "Wenn wir den Bogen nun weiterspannen und die Stimmung generell auf der Insel betrachten, dann haben wir eine Ausgangssituation, die klar sagt: Die Anzahl der Autos auf der Insel soll begrenzt werden." Und diese Politik schlage sich in konkreten Aktionen nieder.
Was er schade finde, denn die Mallorca Car Week sei "keine kommerzielle Veranstaltung". Das Geld, das über Teilnehmerbeiträge und Spenden eingenommen werde, gehe vollständig an die Hilfsorganisation Mallorca sense fam sowie die Stiftung des Fußball-Zweitligisten Real Mallorca, die damit ebenfalls soziale Zwecke unterstützt.
Oldtimer-Freunde begrüßen Verschiebung
Die Verschiebung der Car Week wurde laut Hummelt in der Szene einhellig begrüßt. Er habe vielfach als Feedback bekommen, dass es die richtige Entscheidung sei. Hummelt sagt: "Wir wollen die Teilnehmer nicht in kompromittierende Situationen bringen und deshalb keine Veranstaltung auf die Beine stellen, bei der ein Risiko für die Teilnehmer besteht."
Und warum melden die Teilnehmer nicht einfach ihre Oldtimer auf Mallorca an und umgehen damit den Ärger bei einer Fahrzeugkontrolle? Dazu sagt Hummelt: "Einen Oldtimer umzumelden, ist eine extrem leidvolle Geschichte. Das kann bis zu eineinhalb Jahre dauern." Ganz zu schweigen von den Kosten, die eine solche Ummeldung nach sich zieht und deren Höhe sich unter anderem nach dem Wert des Fahrzeugs richtet.
Der Inselrat von Mallorca ist seit geraumer Zeit mit der Flut an eingehenden Anträgen auf Ummeldung von ausländischen Fahrzeugen überfordert. In den zurückliegenden Wochen hat sich die Situation gebessert, allerdings ist selbst bei einer normalen Ummeldung mit mehreren Monaten Wartezeit zu rechnen.
Die Guardia Civil war auch nach mehrfachen Versuchen für die MZ zu diesem Thema nicht zu erreichen.
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