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Mallorca Zeitung

In diesem Restaurant bei Can Picafort gibt es authentische mallorquinische Küche

Von „arroz brut“ bis Schweinebäckchen: Im Arco Iris im Inselnorden gibt es seit über 50 Jahren deftiges Essen

Das frito mallorquín ist ein traditionelles Gericht der Insel. Arco Iris

Die große Schüssel, gefüllt mit leckerstem arroz brut, steht verführerisch auf dem Tisch, alle am Tisch bedienen sich aus ihr. Kenner sagen, hier im Arco Iris gäbe es die beste Version dieses beliebten Gerichts: Reis mit verschiedensten Fleischstücken plus hart gekochte Eigelbe. Der Name „schmutziger Reis“ rührt daher, dass man als besonderen Aroma-Kick Enten-, Gänse- oder Kaninchenleber mit Knoblauch und Gewürzen im Mörser zermahlt – das nennt sich dann picada – und am Ende hinzufügt. Authentisch für den Norden Mallorcas wird das suppige Reisgericht ohne Gemüsebeilage serviert, aber mit in Streifen geschnittener grüner Paprika und Zitronenschnitzen.

Die Speisekarte kommt vom Kellner

Seit nunmehr 53 Jahren strahlt der Regenbogen (Arco Iris) des gleichnamigen Lokals an der Landstraße zwischen Muro und Can Picafort. Gegründet von den Großeltern, übergeben an die Eltern und dann an den Sohn und heutigen Betreiber, Pep Toni Santandreu. Als der Vater stirbt – Pep ist gerade 16 –, beginnt er, seiner Mutter im Lokal zu helfen. Erst als Kellner, dann auch als Koch. Aktuell hat er auch den Posten als „lebender QR-Code“ übernommen und erklärt den Gästen das Angebot. „Früher hatten wir natürlich eine Speisekarte. Aber in der Corona-Zeit waren sie verboten, und mit dem QR-Code können wir uns nicht wirklich anfreunden“, so der 43-Jährige. „Also haben wir uns für die persönliche Variante entschieden.“ Der Kontakt zu den Gästen mache ihm ohnehin viel Spaß.

Besitzer und Chefkoch Pep Toni Santandreu vom Restaurant Arco Iris bei Muro.  | FOTO: NELE BENDGENS

Besitzer und Chefkoch Pep Toni Santandreu vom Restaurant Arco Iris bei Muro. | FOTO: NELE BENDGENS

Täglich werden etwa 15 bis 20 Vor- und Hauptspeisen zubereitet. Das Gemüse kauft Santandreu von einem Bauernhof in der Nähe, Fleisch vom renommierten Vertrieb Cárnicas Suñer in Manacor, und der Fisch kommt aus Alcúdia. Das Angebot ist stets saisonal ausgerichtet, daher gibt es bald keinen arroz brut mehr. „Das ist ja eher ein Wintergericht, aber auf Bestellung gibt’s den natürlich immer.“ Im Angebot als Vorspeisen sind etwa tumbet, callos, frito mallorquí, ein ausgefallenes Hahnenkamm-Ragout und Schnecken.

Als Hauptgericht gibt es auch Zunge mit Kapern

Als Hauptgerichte kann man beispielsweise auch noch Lammschulter, Zunge mit Kapern, Schweinefilet im Kohlmantel, Schweinebäckchen oder frischen Fisch wählen. Wer es klassischer und nicht so mallorquín möchte, bekommt auf Wunsch auch ein Steak oder Paella, Kinder ihre Pasta oder Hühner-Nuggets (Vorspeisen 8 bis 11 Euro, Hauptspeisen 14 bis 17 Euro, spezielle Fischgerichte bis 28 Euro, Desserts 5 Euro). Es ist noch eine Zeit lang hin, aber im November steht dann wieder die ultimative Innereien-Woche an, mit ganz besonderen Spezialitäten und ausgefallenen Rezepturen wie etwa dem Spieß orejas, orejones, setas y jamón (Schweineohr, Trockenaprikosen, Pilze und Schinken).

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Beim Arco Iris im Norden der Insel gibt es traditionelles mallorquinisches Essen.

Die Rezepturen stammen noch vom Großvater. Die Klientel ist bunt gemischt, speziell zum Frühstück kommen vorzugsweise Einheimische, die sich schon in der Frühe ihre Kutteln und ein frito schmecken lassen. Die ausländischen Gäste bevorzugen da eher pa amb oli oder Omelett.

Innereien funktionieren immer noch nicht bei Urlaubern

Mittags und abends hat es im Laufe der Jahres Veränderungen gegeben. „Früher kamen mehr Hotel-Touristen, die konnten mit unserer mallorquinischen Küche nicht viel anfangen und fragten immer nach ‚normalen‘ Gerichten. Doch seit ein paar Jahren kommt ein anderer, anspruchsvollerer und offenerer Typ Urlauber, die sich eher als Familie oder mit Freunden eine Finca buchen. Und die wollen sogar extra unsere typischen Gerichte essen – wobei das mit den Innereien immer noch nicht so recht funktioniert“, bemerkt Santandreu lächelnd.

Es ist ein ausgesprochen weitläufiges Lokal mit einer großen, zum Teil überdachten Terrasse, die man an manchen Samstagabenden auch anderweitig nutzt. Denn Pep ist auch Musiker. Er spielt Posaune und singt, früher auch viele Jahre in einem Tanzorchester. Nun gibt er den Alleinunterhalter und spielt und singt zum Tanz mit Cha-Cha-Cha, Rumba und Salsa. Dies freut vor allem die Vertreter einer älteren Generation, die sich hier treffen, erst essen und dann fröhlich das Tanzbein schwingen.

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