Mallorcas Landwirte klagen an, dass der Diebstahl von Johannisbrotbaum-Schoten in diesem Jahr extreme Ausmaße annimmt. Während die Schoten des Johannisbrotbaumes früher als weitgehend wertlos galten, hat sich inzwischen ein ganzer Schwarzmarkt rund um die "Wunderfrucht" gebildet. Grund dafür ist der extreme Anstieg des Kilopreises. Waren es vor zehn Jahren noch 20 Cent pro Kilo, liegt er in diesem Jahr zwischen 1,60 und 2 Euro. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Kilopreis fast verdoppelt.

Um die vielen Diebstähle von Johannisbrotbaumschoten zu verhindern, hat die Balearen-Regierung bereits 2020 eine Zertifikatspflicht eingeführt. Beim Verkauf von Johannisbrotbaumschoten muss ein Dokument vorgelegt werden, aus dem die genaue Herkunft der Produkte hervorgeht und das Einverständnis des Eigentümers der Bäume zum Verkauf. Doch das hält den florierenden Johannisbrotbaum-Schwarzmarkt nicht auf.

"Landwirte, die in diesem Jahr schon dreimal ausgeraubt wurden"

Der Landwirtschaftssektor spricht von einer "verzweifelten Situation" und prangert an, dass es immer häufiger vorkommt, dass Lagerhäuser und Privatpersonen gestohlene Waren zu einem viel niedrigeren Preis als dem Marktpreis aufkaufen und sie dann als ihr Eigentum deklarieren. Das balearische Landwirtschaftsministerium ist sich dieser Problematik "voll und ganz bewusst", so der Generaldirektor Fernando Fernández. Der illegale Handel mit den Schoten habe in letzter Zeit zugenommen.

Miquel Coll, der Vorsitzende der Vereinigung der Öko-Landwirte (Apaema), versichert, dass die Diebstähle gemeldet werden, aber dass die Landwirte sich "oft wehrlos und machtlos fühlen", weil die Guardia Civil teilweise gar nicht erst komme. "Und das obwohl die derzeitige Situation verrückt ist, es gibt Landwirte, die in diesem Jahr schon dreimal ausgeraubt wurden." Coll verlangt vom balearischen Landwirtschaftsministerium, die Kontrolle zu verstärken. Es sei notwendig, für jeden Betrieb festzuhalten, wie groß er ist und wie viele Johannisbrotbäume er hat. "Dadurch kann man feststellen, ob die verkauften Mengen mit den erwartete übereinstimmen", erklärt Coll. "Dann können wir endlich die Piraten, die sich am Schweiß anderer bereichern, beim Namen nennen."

Johannisbrotkernmehl ist ein beliebter Zusatzstoff in der Lebensmittelindustrie

Der Preis für Johannisbrotbaum-Schoten ist in den vergangenen Jahren so stark angestiegen, weil vor allem das Mehl der harten Johannisbrotbaumkerne als Zusatzstoff in der Lebensmittelindustrie beliebt ist. Es wird als Stabilisator, Gelier- und Verdickungsmittel eingesetzt und stellt dabei eine gesunde Alternative zu anderen teils chemisch hergestellten Zusatzstoffen dar.

Das Mehl wird auch gerne für vegane, gluten- und laktosefreie Produkte verwendet. Insgesamt gilt die Schote des Johannisbrotkernbaums inzwischen als Wunderfrucht. Die trockenen, klebrigen, süßlichen und nach reifer Banane riechenden Schoten werden zunehmend erfolgreich vermarktet. Insbesondere Feinkost- und Bioläden verkaufen "Algarrobo"-Produkte als gesunde Alternativen zu Nussnougatcreme, Kaffee, Kakao oder Schokolade.

Dieser Boom kommt für viele überraschend, denn über Jahrzehnte galt die Frucht als wertlos. Auf vielen Fincas vergammelten die Schoten auf dem Boden oder fanden allenfalls als Tierfutter Verwendung. Da bei Hungersnöten während und nach dem Spanischen Bürgerkrieg viele Menschen an der Mittelmeerküste gezwungen waren, sich mit dem Verzehr von Johannisbrotbaumschoten über die Runden zu helfen, hatten sie lange das Image einer Arme-Leute-Frucht. /mwp