Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Vom Meer direkt in den Einkaufskorb: An diesen Häfen wird Fisch fangfrisch verkauft

Mittlerweile lässt sich nur noch in wenigen Küstenorten auf Mallorca gerade angelandeter Fisch erstehen. Dabei lohnt der Besuch in den Verkaufsstellen der Fischer auf jeden Fall

Ob Kalamare oder Drachenköpfe: Frisch aus dem Meer schmeckt jeder Fisch am besten

Ob Kalamare oder Drachenköpfe: Frisch aus dem Meer schmeckt jeder Fisch am besten / Peix del Port

Sophie Mono

Sophie Mono

Frisch aus dem Meer schmeckt der Fisch am besten, ganz klar. Doch obwohl es auf Mallorca zahlreiche Fischerhäfen gibt, wo die pescadores noch täglich aufs Meer hinausfahren, wird die überwiegende Mehrheit des Fangs auf dem Großmarkt La Lonja in Palma verkauft – in der Regel erst in den frühen Morgenstunden des darauffolgenden Tages. Die wenigen Direktverkaufsstellen, die in den Orten geblieben sind, bilden eine Ausnahme. Doch ein Besuch lohnt sich.

Wenn man immer der Nase nach geht, dann kommt man garantiert an sein Ziel. Der Hafen von Cala Bona ist übersichtlich, um nicht zu sagen winzig. Und direkt an der Kaimauer ist das Fisch- und Meeresaroma vormittags nicht zu überriechen. Täglich von dienstags bis freitags steht Xisca Vives zwischen 10.30 und 12 Uhr hier in dem kleinen Gebäude der Fischerinnung Cofradía de Pescadores und verkauft, was deren Mitglieder gerade eben erst bei ihr abgeliefert haben. Die Fische und Meeresfrüchte sind noch feucht vom Meerwasser – frischer als hier geht nicht.

Viele Auflagen

Xisca Vives ist selbst keine Fischerin und fühlt sich auf dem Meer auch nicht zu Hause. „Mir geht es an Land besser“, erzählt sie mit einem Lachen und unverkennbar mallorquinischem Akzent. Eigentlich ist sie die Sekretärin der örtlichen Cofradía. Aber irgendwie habe es sich so ergeben, dass sie mittlerweile seit mehreren Jahren auch für den Direktverkauf zuständig ist – und zwar alleine. „Die Fischer bringen mir den Fang, damit ist für sie das Thema beendet“, sagt Xisca Vives. Wirklich verärgert klingt sie darüber nicht.

Dabei fängt für sie die Arbeit dann erst an. „Es ist ziemlich kompliziert, weil so viele Auflagen zu erfüllen sind, wenn man den Fisch direkt am Hafen verkaufen will. Dazu gehören sehr viele Gesundheits- und Hygienetests, und der bürokratische Aufwand ist enorm“, sagt die Mallorquinerin aus Porto Cristo.

Noch vor einigen Jahren gab es auch in Porto Cristo in den kleinen, wenig einladenden, dafür aber zweckdienlichen Räumlichkeiten der dortigen Fischerinnung einen Direktverkauf. Dass es ihn nicht mehr gibt, liegt nicht an der fehlender Nachfrage seitens der Kunden. „Die ist ungebrochen hoch, doch es gibt kaum noch Fischer“, sagt Vives. Aktuell seien in Porto Cristo nur noch zwei kleine Kutter im Einsatz. Sie bringen ihren Fang mittlerweile ebenfalls ins zehn Kilometer entfernte Cala Bona, wo es noch zehn Fischerboote gibt.

„Es werden aber auch hier immer weniger Fischer. Sie gehen in Rente, und es fehlt an Nachwuchs“, bedauert Vives. Auch für die pescadores seien die gesetzlichen Anforderungen immer strenger geworden, der harte Knochenjob immer weniger rentabel. „Und der Direktverkauf bringt ihnen auch keine Zusatzeinkünfte – im Gegenteil.“

Noch frischer geht nicht

Noch frischer geht nicht / Sophie Mono

Nur noch wenige Häfen mit Direktverkauf

Denn die Verkaufspreise werden so oder so von der Lonja in Palma aus diktiert. „Täglich bekomme ich eine Liste, wie viel ich für welche Fischart verlangen darf, und daran muss ich mich halten“, berichtet Vives. Ob die Fischer nun in ihrem Heimathafen sie mit dem Verkauf betrauen oder aber einen Transporteur beauftragen, um den Fang nach Palma bringen zu lassen, sei einerlei. „Alles, was ich hier nicht verkaufe, kommt ohnehin im Anschluss zur Lonja.“

Kein Wunder also, dass sich kaum noch eine andere Cofradía die Mühe der venta directa macht. Neben Cala Bona ist fangfrischer Fisch aktuell nur noch in Port d’Andratx im Verkaufsraum der dortigen Cofradía und in Port d’Alcúdia zu haben. Zudem kann man in Portocolom nachmittags das große Schleppnetzboot abfangen und davon direkt am Kai etwas kaufen. Eine feste Verkaufsstelle gibt es dort aber nicht.

Die letzte Fischerinnung, die den Direktverkauf vor Kurzem aufgegeben hat, ist die von Colònia de Sant Jordi. Auch die Fischer in Cala Ratjada, die traditionell den Fisch im Hafen feilboten, lassen ihre Ausbeute seit ein paar Jahren direkt nach Palma bringen – wenn auch angeblich nur vorübergehend. „Es fehlt uns aktuell an Platz wegen der Umbauarbeiten im Hafen“, sagt Oberfischer Pep Uceda aus Cala Ratjada. Sobald die Arbeiten gänzlich abgeschlossen seien, wolle man den Verkauf wieder aufnehmen, sagt er.

Doch zurück nach Cala Bona: Hier gibt es bei Xisca Vives derzeit zum Beispiel calamares (Kalmare), caproigs (Große Rote Drachenköpfe), gallos (Petersfisch) und die morralla genannten Beifang-Fischchen, aus denen sich gut eine vorzügliche Fischbrühe kochen lässt. „Jeder Monat bietet andere Fischarten. Aber wir können natürlich nicht garantieren, immer alles dazuhaben. Es kommt darauf an, was die Fischer dort draußen gefangen haben“, sagt Xisca Vives.

Welcher Fisch in welchem Monat?

Bei schwierigem Wellengang bleibt die Verkaufsstelle dicht, weil die Fischer nicht hinausfahren. Und im Herbst – nach der Goldmakrelen-Saison Ende Oktober – schließt der Direktverkauf in Cala Bona bis März. „Im Winter lohnt er sich nicht “, sagt Vives. Denn der Direktverkauf zieht nicht nur die Einheimischen an. „Jetzt im Sommer kommen wieder vermehrt die wohlhabenden Madrilenen in ihre Sommerhäuser in der Gegend. Sie sind unsere besten Kunden, dicht gefolgt von den deutschen Urlaubern“, sagt Vives.

Wer es nicht zu einem der Direktverkaufshäfen schafft, tut gut daran, beim Fischhändler in der Markthalle oder im Stadtviertel darauf zu achten, dass der Fisch aus balearischen Gewässern stammt. Er sollte auch entsprechend gekennzeichnet sein, Sie können die Verkäufer darauf ansprechen. Eine Monat-für-Monat-Übersicht haben die Umweltschützer von Greenpeace im Internet zusammengestellt: pescadodetemporada.org

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents