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Mallorcas einziger Geflügelschlachthof macht dicht - und nun?

Der Schlachthof in Inca war der einzige auf Mallorca. Doch die Nachfrage nach Fleisch von der Insel war so gering, dass sich der Betrieb nicht mehr tragen konnte. Was geschieht jetzt mit Mallorcas Hühnern?

Biohühner wie die von Produzent Marçal Ribes können nun nicht mehr auf Mallorca geschlachtet werden.

Biohühner wie die von Produzent Marçal Ribes können nun nicht mehr auf Mallorca geschlachtet werden. / Joan Sitges

Am Dienstag (1.10.) hat der Geflügelschlachthof in Inca seine Pforten auf unbestimmte Zeit geschlossen. Es ist der einzige seiner Art auf Mallorca. Als Grund nannten die Betreiber das geringe Auftragsvolumen. Ab sofort müssen die Konsumenten daher auf auswärts geschlachtete Ware zurückgreifen - was sich unmittelbar auch auf die Preise auswirken dürfte. Und auch die lokalen Hühnerhalter gucken in die Röhre.

Der Generaldirektor für Landwirtschaft, Viehzucht und ländliche Entwicklung in der balearischen Landesregierung, Fernando Fernández, erklärte am Montag (30.9.), dass es "nicht möglich ist, einen Schlachthof mit einer durchschnittlichen Zahl von etwa 1.200 Hühnern pro Monat in Betrieb zu halten. Wir haben ein ernstes Produktionsproblem, und jede zukunftsweisende Lösung muss die Produktion steigern."

Erst einmal pro Woche, jetzt gar nicht mehr

Das Landwirtschaftsministerium hat für diesen Dienstag ein Treffen mit sechs Produzenten einberufen, um die Situation des Schlachthofs in Inca zu analysieren. "Die laufenden Kosten sind fix, ob man 10.000 oder 1.000 Hühner pro Monat schlachtet", so Fernández im Vorfeld.

In den ersten acht Monaten dieses Jahres hat der Geflügelschlachthof in Inca insgesamt 9.663 Hühner geschlachtet - also durchschnittlich kaum mehr als 1.200 pro Monat. Tatsächlich wurden die Schlachtungen in den vergangenen Monaten nur noch einmal pro Woche vorgenommen, sodass an jedem Öffnungstag des Schlachthofs nur etwa 300 Tiere geschlachtet wurden.

Seit der Eröffnung des Schlachthofs im Frühjahr 2019 ist es eine Zitterpartie, ob der Betrieb aufrechterhalten werden kann oder nicht. Ein im November 2023 unterzeichnetes Kooperationsprotokoll zwischen dem balearischen Landwirtschaftsministerium und der Stadtverwaltung von Inca, das als letzter Notnagel galt, konnte den Betrieb bisher nicht retten. Neben dem geringen Auftragsvolumen erschweren auch anstehende Sonderkosten den weiteren Betrieb. So ist eine Investition von rund 700.000 Euro notwendig, um wichtige Renovierungsarbeiten durchführen zu können. Da es sich um den einzigen Geflügelschlachthof auf Mallorca handelt, kann das Landwirtschaftsministerium den Schlachthof als Dienstleistung von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse einstufen und gemäß den EU-Vorschriften eine direkte Subvention gewähren, da er als strategische Industrie gilt.

Bei mehreren Treffen mit der Bauernvereinigung, die im Oktober 2022 die Verwaltung des Schlachthofs übernommen hat, wiesen die Verantwortlichen im Landwirtschaftsministerium in den vergangenen Monaten aber darauf hin, dass es für die Weiterführung des Betriebs dennoch unerlässlich sei, die Geflügelproduktion zu steigern und eine Mindestanzahl an Schlachtungen pro Öffnungstag des Schlachthofs zu gewährleisten. Nur so könne das System funktionieren. In weiteren Treffen in den nächsten Tagen soll nun entschieden werden, ob der Schlachthof dauerhaft geschlossen bleiben muss.

Lebend nach Menorca und tot zurück

Ab sofort muss Hühnchenfleisch nun quasi importiert werden, selbst wenn die Tiere von der Insel stammen. Der nächstgelegene Schlachthof befindet sich auf Ciutadella auf Menorca. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich die Mehrkosten durch den Transport - die Hühnchen müssen lebend nach Menora und tot wieder zurück gebracht werden - direkt auf die Verbraucherpreise auswirken werden.

Ein Grund für die geringe Nachfrage nach Hühnchenfleisch von Mallorca sind die Discounter, die Billigfleisch vom Festland anbieten. Viele Kunden greifen seit jeher lieber nach der günstigeren Importware. Ein Desaster für die lokalen Produkteure. Tatsächlich landete das Fleisch, das in Inca verarbeitet wurde, ohnehin kaum in Eroski, Mercadona und Co. Stattdessen waren die in Inca geschlachteten Bio-Hühner bis dato auf Märkten, in Fachhandlungen oder in gehobeneren Restaurants zu bekommen.

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