Einkaufen macht hungrig: Das sind die Bars im Mercat Pere Garau in Palma
Kunden der Markthalle von Pere Garau können sich an fünf Tresen stärken. Wir schauten auf einen Happen vorbei

Nele Bendgens
Auf dem Markt einkaufen und dort auch essen. Eine mehr als normal gewordene Kombination in den heutigen Zeiten. Im Mercat de Santa Catalina und dem Mercat de l’Olivar in Palma sind es schon fast inflationär viele Gastrostände. Einzig im Mercat Pere Garau hat man sich damit noch zurückgehalten. Gerade einmal vier Bars und einen Sushi-Stand gibt es, wo man sich zumeist auf einen Barhocker setzen und das Angebot vor Ort verzehren kann.
Ein weiterer Stand mit italienischen Gerichten zum Mitnehmen hat gerade eröffnet. Doch Paquita Bonnín, Präsidentin des Markts seit 2022 und Nachfolgerin ihres Vaters Pep, der das Amt 23 Jahre innehatte, liegt sehr daran, es den anderen beiden Märkten nicht gleichzutun. Wenn Stände aufgegeben wurden, folgte nicht einer der zahlreichen Gastro-Bewerber, sondern ein anderer Stand. Für diese Authentizität und die Unterstützung des lokalen Handels gab es 2024 einen Preis des spanischen Verbandes der traditionellen Lebensmittelmärkte.
Ca Na Martina
Den Anfang unserer Kostproben macht die Bar Ca Na Martina, betrieben von Joan Guillem Estela, der dritten Generation einer Gastronomenfamilie. Seine Großeltern hatten von 1965 bis 2006 die Bar Las Palmeras in Portixol, wo auch Joans Mutter Martina schon mitarbeitete. Gemeinsam mit ihrem Sohn und der Schwiegertochter Dolores übernahmen sie die frühere Bar Miquel im Markt und benannten sie um in Ca Na Martina. Heute sind es nur noch Joan und Dolores, die die gut besuchte Tapas-Bar führen, die zusätzlich zu den Thekenplätzen auch über einen eigenen kleinen Gastraum verfügt. Es gibt etwa 16 bis 20 klassische Tapas täglich, inklusive des Favoriten des Betreibers, Zunge mit Kapern. Der vermut wird großzügig ausgeschenkt.

Das Ca Na Martina im Mercat Pere Garau / Nele Bendgens
La Doble J
Eine weitere Bar, La Doble J, betreibt seit 2008 der frühere RCD-Mallorca-Fußballspieler Javier Moreno. Seine Eltern stammen aus Andalusien, zogen dann aber nach Mallorca, wo er vor 38 Jahren auf die Welt kam – und zwar im Pere-Garau-Viertel. Moreno wuchs quasi auf dem Markt auf, denn schon seine Eltern hatten hier einen Wurst- und Schinkenstand, der später, als es zu viel Wurst-Konkurrenz gab, nach und nach, bis zum Renteneintritt der Eltern, zu einem Blumenstand mutierte. Bei Sohn Javier gibt es belegte Bocadillos, Tapas (circa zehn verschiedene Klassiker) sowie verschiedene Kroketten (7,50–9 Euro für fünf Stück). Tortilla wird Dienstag, Donnerstag und Samstag serviert, in der kalten Jahreszeit ist samstags die Spezialität Tortilla mit Kabeljau. Moreno bietet zudem den Service, die auf dem Markt gekauften Produkte zuzubereiten oder genauer: sie auf der Grillplatte zu braten. Das heißt servicio de plancha und kostet bei ihm 4 Euro.

War mal Fußballprofi bei Real Mallorca: Javier Moreno in seiner Bar La Doble J. / Nele Bendgens
Can Llonguet
Die dritte Bar übernahm der heute 50-jährige Rogelio Sánchez Sastre bereits vor 15 Jahren, allerdings vermietete er sie weiter an die Frau seines Cousins, die sie unter dem Namen Bar Ses Cubanes führte. Nach ihr gab es ein eher kurzes „Gastspiel“ eines anderen Mieters unter dem Namen Mistura. Seit gut einem Jahr führt Sánchez das Lokal selbst als Can Llonguet. Ebensolche üppig belegte Brötchen stehen denn auch auf der Karte, etwa mit Calamares, Aioli und Zitrone – dem Favoriten von Betreiber und Gästen. Des Weiteren gibt es llonguets mit Thunfisch, Anchovis, Schinken, Käse, Tortilla, gebratenen Schnitzelchen von Schwein oder Huhn sowie gemischte Versionen (4–5 Euro). Lecker ist auch seine Tortilla mit Knoblauch, Zwiebeln und grünem Paprika. Was er benötigt, kauft er auf dem Markt ein, bis auf das Brot, das er woanders bezieht. Auch Moreno bietet den servicio de plancha an, für 5 Euro pro Person.

Rogelio Sánchez hat den Stand vor 15 Jahren gemietet und betreibt ihn als Can Llonguet seit 2024. | FOTO: NELE BENDGENS
Bellaombra Café
Das Bellaombra Café des 28-jährigen José „Mingo“ Mingorance ist unsere nächste Station. Der ambitionierte Koch – er absolvierte das Studium an der Hotel- und Gastrofachschule EHIB und arbeitete im Hotel La Residencia in Deià – hat bereits an den Wettbewerben Oleo Tapa und TaPalma teilgenommen und wird auch bei einem Wettbewerb der anstehenden HoReCa (Fachmesse vom 3. bis 5. Februar) dabei sein. Bei ihm gibt es warme belegte llonguets (4–7 Euro), etwa mit Camaiot oder Tortilla. Auch hier ist das mit Kalmar-Ringen belegte Brötchen der Renner. Begehrt ist auch das Frühstück, besonders die Kombi: Kaffee oder Tee, Saft und ein Toast mit Avocado und Ei für 8 Euro. Gerne gegessen werden auch die Kroketten etwa mit Ochsenschwanz oder Tintenfisch (2,50 Euro/ Stück) und sein Tapasangebot mit Muscheln, frittierten Bauchspeckstückchen (torreznos) oder patatas bravas. Wer das Besondere mag, probiert für 35 Euro sein Luxus-Angebot: eine Flasche Cava mit sechs Austern, die man auch an den seitlichen Tischen seines Stands schlürfen kann. Der servicio de plancha kostet bei ihm 3,50 Euro.

José „Mingo“ Mingorance in seinem Bellaombra Café in der Markthalle Pere Garau. / Nele Bendgens
Jin
Seine Nachbarin ist Jin mit ihrem Sushi-Stand Jin. Sie stammt aus Guangzhou in China, lebt aber seit 25 Jahren auf Mallorca und führt seit elf Jahren ihren Stand. Sie hat nur sehr wenige Sitzmöglichkeiten und ist eher auf das Take-away-Geschäft ausgerichtet. Beeindruckend sind ihre etwa 20 verschiedenen, überdimensionalen Sushirollen, ausfrittiert in Tempura-Teig und gefüllt mit Schwein, Huhn oder Ente, Thunfisch, Lachs, Seehecht oder Garnelen. Hinzu kommen vegetarische Optionen (2,50–3,50 Euro) – es gibt jede Menge Auswahl, und sie schmecken köstlich! Dazu gibt es auch „normale“ Sushirollen, Gerichte mit Nudeln, Reis, Tofu, Pilzen und Fleisch oder Garnelen sowie Frühlingsrollen.

Jin kommt aus China und serviert unter anderem ausgezeichnetes Sushi. / Nele Bendgens
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