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Vegetarisch auf Mallorca: Der Guide zum fleischlosen Essen und Einkaufen auf der Insel

Ob Sie selbst auf Mallorca leben und auf Fleisch verzichten oder Vegetarier-Besuch aus Deutschland bekommen: Hier finden Sie viele nützliche Tipps und Hinweise

Das wohl beliebteste vegetarische Gericht, das die mallorquinische Küche zu bieten hat: Tumbet.

Das wohl beliebteste vegetarische Gericht, das die mallorquinische Küche zu bieten hat: Tumbet. / Nele Bendgens

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Mallorca hat kulinarisch viel zu bieten, doch wer sich vegetarisch ernährt, stößt hier – wie auch in anderen Regionen Spaniens – immer wieder an Grenzen. In Deutschland gaben laut dem Ernährungsreport 2024 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft* 8 Prozent der Befragten an, weder Fleisch noch Fisch oder daraus hergestellte Produkte zu essen, 2 Prozent rechnen sich zu den Veganerinnen und Veganern. Ähnlich sieht es in skandinavischen Ländern aus. Spanien landet bei repräsentativen Umfragen regelmäßig auf einem der letzten Plätze: Der Bericht "The Green Revolution-2023" der Beratungsfirma Lantern kommt bei den Vegetarierinnen und Vegetariern nur auf 1,7 Prozent der Bevölkerung, vegane Ernährung ist mit 0,7 Prozent noch unpopulärer.

Ob jamón, chorizo oder auf Mallorca die sobrassada: Die spanische Küche ist ausgesprochen fleischlastig und die Ablehnung entsprechender Produkte sozial weniger akzeptiert als in vielen anderen europäischen Ländern. Trotzdem gibt es auch hier – langsam, aber stetig – eine Entwicklung hin zu mehr pflanzlichen Alternativen. Das trifft auf städtische Gebiete mehr zu als auf dem Land, weshalb es in Palma tendenziell einfacher ist, fleischfrei unterwegs zu sein als auf dem Dorf.

Ein Guide, was Vegetarierinnen und Vegetarier auf der Insel beachten sollten und wie sie gastronomisch auf ihre Kosten kommen.

1. Typisch mallorquinische Gerichte

Natürlich gibt es einige rein vegetarische Restaurants auf der Insel, wo man nach Herzenslust die Karte rauf und runter bestellen kann. Aber ob man nun dauerhaft auf Mallorca lebt oder aus Deutschland zu Besuch ist: Es ist eine kulinarische Bereicherung, typische lokale Spezialitäten zu probieren. Hier sind die Optionen – zugegeben – begrenzt, doch es gibt ein paar mallorquinische Gerichte, die auch Vegetarierinnen und Vegetarier essen können. Die Autorinnen von "Cuina mallorquina vegetariana" haben genug Rezepte zusammengetragen, um damit ein Buch zu füllen – eine gute Anregung, um selbst zu kochen. Wenn man auswärts essen geht, dürfte man aber vor allem folgende Speisen im Angebot finden:

  • Tumbet: Der absolute Renner, den man praktisch überall angeboten bekommt. Tumbet ist so etwas wie Mallorcas Antwort auf das französische Ratatouille, ein geschichtetes Gemüsegericht aus Paprika, Kartoffeln, Auberginen, Zwiebeln und zumeist auch Zucchini, die zuerst in großzügig bemessenem Olivenöl angebraten werden und dann mit einer (bestenfalls hausgemachten) Tomatensauce im Ofen gegart wird. Am besten schmeckt das so schlichte wie geniale Essen im Sommer. Manchmal wird es mit einem Spiegelei (oder Wachtel-Spiegelei) serviert, andernfalls ist es sogar vegan.
  • Pa amb Oli: Gesprochen "Pamboli", bedeutet Brot mit Öl. Und wesentlich komplexer wird es beim mallorquinischen Nationalgericht auch nicht mehr. Hinzu kommt noch geriebene Tomate (dazu perfekt geeignet ist die Sorte ramallet) und Salz – Letzteres ist ganz wichtig, da Gaumen, die mit der deutschen Brotkultur sozialisiert wurden, das Salz im Teig vermissen werden. Beim Belag für die Mallorca-Brotzeit, die zu jeder Tages- und Nachtzeit passend ist, sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Die vegetarische Variante mit Käse ist aber überall zu bekommen. Meistens wird dazu noch eine Portion Oliven serviert, mitunter auch Meerfenchel (fonoll marí).
  • Trempó (oder trampó): Der mallorquinische Sommersalat besteht in seiner Basisvariante aus klein gewürfelten Tomaten, hellen grünen Paprikaschoten, milden Zwiebeln, Öl und Salz. Der einfache und erfrischende Klassiker wird meistens als Beilage gereicht. Wenn man sich im Sommer das lokale und saisonale Gemüse auf dem Markt besorgt, ist es fix selbst zubereitet.

Buchstäblich mit Vorsicht zu genießen ist hingegen die coca de trampó, die mit der oben genannten Mischung belegte, mallorquinische Gemüsepizza. Sie wirkt auf den ersten Blick sogar vegan, da sie nicht mit Käse überbacken wird, doch in traditionellen Rezepten kommt für den Teig Schweineschmalz (span.: manteca, kat.: saïm) zum Einsatz. Am Besten vergewissern Sie sich immer vorher über die verwendeten Zutaten. Die Frage: "Lleva manteca?" (Ist da Schweineschmalz drin?) gehört zu einer der ersten, die man als Vegetarierin oder Vegetarier auf Mallorca lernen sollte. Womit wir direkt zum nächsten Punkt kommen:

2. Backwaren und Snacks

Der Gang zum Bäcker gestaltet sich auf der Insel überaus frustrierend, wenn man sich vegetarisch ernährt. Denn in einem Großteil des Sortiments versteckt sich – oft nur eine kleine, aber eben vorhandene – Menge manteca im Teig. Das betrifft herzhafte Snacks wie Empanadas (kat. panades), die Empanas-ähnlichen Cocarrois und die bereits genannte Coca, aber auch süße Backwaren, womit man vielleicht nicht unbedingt rechnen würde.

Wer also fleischlos unterwegs ist, muss leider in den meisten Fällen darauf verzichten, die berühmte Teigschnecke Ensaimada zu kosten, ebenso wie anderes typisches Gebäck, etwa Crespells oder Robiols. Insbesondere in Bäckereien außerhalb von Palma erntet man auf die Nachfrage, ob den hier überhaupt irgendetwas ohne Schweineschmalz auskommt, ungläubliges Kopfschütteln oder die Antwort: Nein, warum denn auch?

Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Der selbsternannte "Gastro-Archäologe" Tomeu Arbona etwa erzählte der MZ einmal im Interview, dass er persönlich kein großer Manteca-Fan sei, weil das tierische Fett das Gebäck nur schwer verdaulich und ungesünder macht. In seiner prämierten Bäckerei "Fornet de la Socà" in Palma gibt es daher einige typische Produkte ohne Schweineschmalz – allen voran eine vegane Empanada. Und die Cafetería Tiraflecha in Palmas Stadtviertel Santa Catalina, die auch ihr eigenes Brot herstellt, vertreibt die einzigen veganen Versionen eines roscón de Reyes (Kranzgebäck zu den Heiligen Drei Königen) und einer Ensaimada – dort "Sinsaimada" genannt – von der die Redaktion derzeit Kenntnis besitzt.

Im Fornet de la Socà gibt es auch vegane Empanadas.

Im Fornet de la Socà gibt es auch vegane Empanadas. / Guillem Bosch

Und immerhin: Auf Croissants (hier "Croisants" ausgesprochen) haben die Mallorquiner zwar bekanntlich kein Patent, aber sie sind in jeder Bäckerei zu bekommen. Oft kann man hier explizit zwischen "normalem" Buttercroissant (de mantequilla), bzw. Körnercroissant mit Butter (de cereales) und einem Croissant mit Schmalz (de manteca) wählen.

Noch ein Hinweis zu Snacks für unterwegs: Das in Spanien allseits beliebte bocadillo (belegtes Baguettebrötchen) hat in Palma einen schmackhaften Verwandten: Das llonguet, ein Brötchen aus Weißmehl mit einem charakteristischen Schnitt in der Mitte, das meistens leicht getoastet und dann belegt wird. Hier wie dort empfiehlt sich als Belag Käse oder spanisches Kartoffelomelette (tortilla). Die Beschreibung "vegetal", die auf manchen Karten bei bocadillos und Sandwiches gebräuchlich ist, führt übrigens manchmal in die Irre: Neben Tomaten und Salat kann hier durchaus auch noch Thunfisch als Belag gemeint sein.

Bei der Ruta del Llonguet, einem Gastro-Event im Herbst, gibt es auch vegetarische Brötchen-Optionen.

Bei der Ruta del Llonguet, einem Gastro-Event im Herbst, gibt es auch vegetarische Brötchen-Optionen. / Guillem Bosch

3. Tapas essen gehen

Manche Besucher auf der Insel wollen in gastronomischer Hinsicht nur eines: Tapas essen. Das ist nichts wirklich Mallorquinisches (den hiesigen Tapas-Mix "variat" können Sie getrost vergessen, daran verzweifeln sogar Pescetarierinnen und Pescetarier), doch es gibt natürlich reichlich Auswahl an Lokalen auf der Insel. Zu den klassischen Tapas ohne Fleisch, die Sie hier auf Mallorca fast überall bekommen sollten, gehören folgende:

  • Tortilla: Ein vegetarisches Grundnahrungsmittel, das in der herkömmlichen Variante aus Ei, Kartoffeln und optional Zwiebeln besteht. Varianten mit Spinat oder anderem Gemüse findet man leider seltener auf der Karte. Die meiste Auswahl gibt es zweifellos bei der allein auf Tortilla spezialisierten La Tortillería in Palma.
  • Patatas bravas: Frittierte Kartoffelwürfel mit scharfer Sauce, bei denen man leider sehr viel falsch machen kann. Im schlimmsten Fall sind die Kartoffeln nicht knusprig und werden nur mit Ketchup serviert. Zu den Lieblings-Kartoffeln der MZ-Redaktion zählen die patatas bravas in der Bar Día (nahe der Llotja).
  • Patatas alioli: Die weniger bekannte Erdäpfel-Gaumenfreude ist ein kalter Kartoffelsalat mit Alioli. Schmeckt hervorragend mit frischem Brot.
  • Pimientos de padrón: Kleine grüne Paprikaschoten, die ursprünglich aus Galicien stammen. Sie werden in Olivenöl gebraten, mit grobem Salz serviert und gleichen einem Roulette: Die meisten Schoten sind mild, aber manchmal erwischt man doch eine scharfe.
  • Croquetas: Spanische Kroketten sind zumeist eine Offenbarung für Deutsche, die sie zum ersten Mal essen, denn sie haben so gar nichts mit den staubtrockenen heimischen Kartoffelkroketten gemein. Neben den Klassikern mit Schinken oder Hühnchen in der Füllung steht so gut wie immer mindestens eine vegetarische Sorte zur Auswahl. Ganz vorne dabei sind Spinat (espinacas) und Pilze (setas). Auch hier gibt es sogar ein darauf spezialisiertes Lokal in Palma: "Sa Croqueteria" im Stadtviertel Arxiduc, unweit der Plaça d'Espanya.

Etwas schwerer zu bekommen, aber umso leckerer:

  • Escalivada: Der katalanische, kalte Gemüsesalat steht seltener auf der Speisekarte, aber wenn, dann sollte man ihn unbedingt bestellen. Sommergemüse wie Paprika, Auberginen, Tomaten und Zwiebeln wird dazu im Ofen geröstet, bis es schwarz wird. Dann zieht man die Haut ab und vewandelt die abgekühlten Zutaten in einen einfachen, aber wohlschmeckenden Salat – am besten mit warmem Brot.
  • Alcachofas a la plancha: Nicht nur Fisch schmeckt gut, wenn er a la plancha gebraten wird, sondern auch Gemüse. Mit etwas Glück findet man einen Ort, wo Artischocken auf diese Weise zubereitet und serviert werden. Das ist etwa bei einigen Tapas-Bars in der Fischhalle des Mercat de l'Olivar der Fall – und nicht selten sorgen die alcachofas bei den fischessenden Sitznachbarn dann für neidische Blicke. Vom Grill ist das Gemüse natürlich auch sehr fein.
Auch das ist eine Möglichkeit: gegrillte Artischocken.

Auch das ist eine Möglichkeit: gegrillte Artischocken. / Foto: MFRG

Noch ein Tipp, wenn Sie möglichst viel Auswahl wollen und auf der Suche nach originellen (und meist günstigen) Kreationen sind: Gehen Sie doch statt Tapas einmal Pinchos essen. Die in Nordspanien erfundenen Tapas auf Baguettescheiben gibt es bei vielen Bars und Lokalen an der Theke oder auf einer Extra-Karte – zum Beispiel im Moltabarra oder in der immer proppenvollen Bar Espanya. Wenn man nicht sicher ist, womit die pinchos genau belegt sind, kann man direkt am Tresen nachfragen: "Es vegetariano?" 

4. Einkaufen und Mitbringsel

Wer lieber einkaufen geht, um selbst zu kochen, dem sei ans Herz gelegt, auf dem Markt lokales Gemüse und Obst als Basis zu erwerben. Was Fleischersatzprodukte im Supermarkt angeht, so ist das Sortiment in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. Auch spezielle Bio-Supermärkte und sogenannte "Herbolarios" (eigentlich: "Kräuterläden", die aber oft wie kleine Supermärkte mit vielen ökologischen Produkten funktionieren) sind eine gute Anlaufstelle für vegetarische Burger-Bratlinge, Tofu und artverwandte Produkte.

Wenn Sie typische Lebensmittel als kleine Geschenke und Mitbringsel suchen, gibt es viele vegetarische Optionen. Die besten Adressen dafür sind Spezialitätenläden, Märkte und Messen sowie die Geschäfte der mallorquinischen Kette Agromart, die nicht ausschließlich, aber auf viele lokale Produkte im Sortiment setzt.

Empfehlenswerte Leckereien sind zum Beispiel:

  • Auf der Insel angebaute Oliven und sämtliche, daraus gewonnene Produkte (Olivenöl, -pasten etc.)
  • Geriebene ramallet-Tomaten im Glas (siehe Pa amb Oli), für die mallorquinische Brotzeit zuhause
  • In Essig eingelegter Meeresfenchel (span.: hinojo marino, cat.: fonoll marí), schmackhaft zu Pa amb Oli, im Salat oder in Pfannengerichten
  • Orangen- oder Zitronenmarmelade aus Sóller
  • geröstete, mallorquinische Mandeln
  • Flor de sal vom Strand Es Trenc

Und wenn Sie lieber Selbstgemachtes verschenken, finden Sie hier eine Anleitung für vorzügliche, eingelegte Oliven nach Mallorca-Art:

*Bei der repräsentativen Forsa-Umfrage sind im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 1.000 Bundesbürgerinnen und -bürger befragt worden. Den Report finden Sie hier.

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