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Nach Legehennen-Skandal: Welchen Eiern auf Mallorca kann man trauen?

Hat man als Verbraucher überhaupt die Möglichkeit, Eier von glücklichen Hühnern auf Mallorca zu erkennen? Ja, sagt ein Experte

Legebetriebe gibt es einige auf den Balearen. Aber nicht alle widmen sich der ökologischen Produktion. | FOTO: CHRISTIAN LADEMANN/DPA

Legebetriebe gibt es einige auf den Balearen. Aber nicht alle widmen sich der ökologischen Produktion. | FOTO: CHRISTIAN LADEMANN/DPA

Sophie Mono

Sophie Mono

Auf der Verpackung das Foto eines glücklichen Huhns, darunter die Aufschrift „huevos camperos“ (Freilandeier). Daneben ein Gütesiegel, und schon fühlt man sich als Eierkäufer mit potenziell schlechtem Gewissen beruhigt – und zahlt ein paar Cent mehr. Das Tierwohl ist es uns wert. Dass wir damit unwissentlich möglicherweise trotzdem prekäre Haltungsbedingungen von Legehennen unterstützen, zeigt das Beispiel von Mallorcas größter Legehennenfarm. Tierschützer erhoben jüngst schwere Vorwürfe gegen den Betrieb in Llucmajor – unter anderem wegen mutmaßlicher Täuschung bei der Güteklasse der Eier. Auch die Behörden ermitteln. Stellt sich die Frage: Wem oder was kann man als Eierkonsument trauen?

Der Erzeugercode

Grundsätzlich sollten sich Konsumenten im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt nicht von der Verpackung täuschen lassen, sondern die Eier direkt begutachten. Jedes Ei, das in der EU zum freien Verkauf an den Endverbraucher steht, hat auf die Schale eine Kennzeichnung gestempelt, den sogenannten Erzeugercode. Auf den Balearen wird dieser vom Balearischen Rat für ökologische Landwirtschaftliche Produktion (CBPAE) im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums kontrolliert. „Kein Ei darf einen Legebetrieb verlassen, ohne den Code zu erhalten“, betont Jeroni Vera, technischer Leiter beim CBPAE. Entscheidend ist die erste Ziffer des Codes.

Entscheidend beim Erzeugercode ist die erste Ziffer

Entscheidend beim Erzeugercode ist die erste Ziffer / Bundeslandwirtschaftsministerium

Eine Null steht dabei für ökologische Erzeugung (producción ecológica), also Biohaltung nach EU-Vorgaben. „Die Tiere müssen rund um die Uhr Zugang zu einem Auslauf im Freien haben und dürfen nur mit Ökofutter ernährt werden“, erklärt Vera. Die Ziffer Eins weist auf Freilandhaltung hin, bei der die Tiere tagsüber Zugang zu einem Auslauf im Freien haben müssen. Die Zwei steht für Bodenhaltung (gallinas criadas en suelo), bei der die Hennen in geschlossenen Ställen gehalten werden, aber dort zumindest frei herumlaufen können.

Die Ziffer Drei kennzeichnet Käfighaltung (criadas en jaulas). Diese Form ist in Deutschland für frische Konsumeier seit 2009 verboten. In Spanien ist sie zwar umstritten, aber noch immer möglich. Tatsächlich vermarkten viele große Supermärkte, aber auch nachhaltig anmutende Gemüseläden auf Mallorca weiterhin im großen Stil Eier aus Käfighaltung. Wem das Tierwohl am Herzen liegt, der sollte strikt auf Eier verzichten, deren Code mit zwei oder gar drei beginnt, rät Jeroni Vera. Er hofft, dass die Käfighaltung mittelfristig auch in Spanien verboten wird – und favorisiert Ökoeier. „Hier sind die Kontrollen am engmaschigsten, was auch die Qualität der Eier erhöht.“

Auf den Balearen seien 2024 knapp drei Millionen Ökoeier mit Null-Kennung produziert worden, gelegt in 35 Betrieben. Etwa 20 Legebetriebe gäben ihre Eier in den freien Verkauf an die Endkonsumenten und verpackten die Eier auch hier auf den Inseln, berichtet Jeroni Vera. In großen Supermarktketten wie Carrefour, Eroski und Lidl seien Ökoeier von den Balearen zu finden. Die spanische Supermarktkette Mercadona hingegen führe aktuell keine balearischen Ökoeier.

Und die Gütesiegel?

Bei dem in Verruf geratenen Legehennenbetrieb in Llucmajor suggeriert das Gütesiegel „The Welfair“ bei den vermeintlichen Freilandeiern, dass das Wohlergehen der Tiere sichergestellt ist – was angesichts der Missstände, die auch die Behörden bei ihrer jüngsten Inspektion in dem Betrieb aufdeckten, mehr als fraglich ist.

„Es gibt zahlreiche Zertifikate und Gütesiegel, die auf private Prüfstellen zurückgehen. Der Umgang damit ist schwierig“, bewertet Jeroni Vera vom CBPAE. Teils, weil die Bewertungskriterien wenig konkret oder intransparent seien, teils, weil die von den Initiativen durchgeführten Qualitätskontrollen nicht streng genug seien und nicht häufig genug durchgeführt würden.

„Wer sich sicher sein will, dass er wirklich Eier kauft, die von angemessen gehaltenen Hühnern gelegt worden sind, sollte auf das EU-Siegel achten, das Ökoeier kennzeichnet“, sagt Jeroni Vega. „Es ist vertrauenswürdig.“ Das Logo zeigt ein Blatt, geformt aus weißen Sternen auf grünem Grund.

Dieses EU-Siegel zeichnet Ökoeier aus

Dieses EU-Siegel zeichnet Ökoeier aus / Europäische Kommission

Wem es wichtig ist, dass die huevos ecológicos zudem möglichst aus regionaler Produktion stammen und nicht vom Festland auf die Insel transportiert worden sind, kann sich zudem an das CBPAE-Siegel halten. „Dadurch, dass wir die hiesigen Ökoeier während des gesamten Produktionsprozesses kontrollieren, ist sichergestellt, dass von den Legebetrieben bis zum Transport in die Verkaufsstellen alles mit rechten Dingen zugeht“, sagt Jeroni Vera.

Das CBPAE-Siegel zeichnet Ökoeier von den Balearen aus

Das CBPAE-Siegel zeichnet Ökoeier von den Balearen aus / CBPAE

Wertschätzung

Gleichzeitig haben die strengen Auflagen natürlich auch Konsequenzen. „Für viele kleine Betriebe auf den Balearen ist es sehr schwer, sich angesichts der hohen Anforderungen an biologische Landwirtschaftsprodukte gegen größere Konzerne zu behaupten“, so ein Sprecher der Vereinigung ökologischer Landwirte auf den Balearen (Apaema). Gerade beim Eierkauf, wo es nicht nur um die Qualität der Produkte, sondern auch um das Tierwohl gehe, seien letztlich auch die Verbraucher gefragt. „Wer verantwortungsbewusste Tierhaltung aus der Region wertschätzt, sollte auch bereit sein, dafür zu zahlen.“ Oder, wenn keine lokalen Ökoeier im Supermarkt vorrätig sind, auch mal ganz auf die huevos verzichten.

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