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Von Pará nach Palma: Hier gibt die Wunderbeere Açaí auf Mallorca

Die aus Brasilien stammende Beere gilt als Superfood. Auch auf der Insel ist sie nun schwer angesagt

Symbolbild: Açai-Beeren.

Symbolbild: Açai-Beeren. / FOTO: CANVA

Sarah López

Sarah López

So groß wie eine Blaubeere. Ein leicht bitterer, zugleich nussiger Geschmack. Einige sagen, Açaí-Beeren schmecken ähnlich wie Schokolade. Die Frucht der Kohlpalme (lat. Euterpe oleracea) etabliert sich immer mehr als sogenanntes Superfood. Was die Einheimischen des Amazonas-Beckens etwa als Paste zusammen mit gebratenem Fisch essen, exportieren Produzenten heute in großen Mengen – als Pulver oder tiefgefroren für Smoothies und Bowls. Die gibt es dann auf Mallorca in hippen Cafés, in den Kräuterläden (herboristerías) und seit Neuestem auch in einem kleinen, auf brasilianische Lebensmittel spezialisierten Geschäft.

In Brasilien wachsen die lilafarbenen Beeren hoch oben in den Kronen der Kohlpalmen. An jeder Palme hängen Rispen mit 500 bis 900 Beeren. Nicht die ganze Beere landet auf dem Teller: Aus dem fleischigen mittleren Teil der Frucht, dem sogenannten Mesokarp, entsteht durch Mischen mit Wasser eine Masse, die anschließend gemahlen wird. Der Export zählt zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen im Amazonas-Bundesstaat Pará, auf den etwa 90 Prozent der Produktion entfallen. Rund 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hängen dort buchstäblich an den Palmen.

Gehyptes Superfood

Der Hype um das Açaí (ausgesprochen ah-sa-í) begann bereits Anfang der 2000er-Jahre. Zunächst ging der Großteil der Beeren in die USA. Hollywoodstars und Sportler fanden Gefallen daran. Nach und nach erreichte der Trend auch Europa. Auf Mallorca sind die Cafés mit Açaí-Bowls erst vor Kurzem aufgetaucht.

Auch den brasilianischen Laden „Link Brazil“, unweit der Plaça Güell im Osten von Palma, gibt es erst seit wenigen Monaten. Dort gibt es Açaí in vielen Varianten – als gefrorenes Fruchtfleisch oder Eis am Stiel. „Das stellen zwei brasilianische Brüder in Madrid her“, sagt Mitarbeiterin Zoraia dos Santos. Tiefgefrorene Frühstückbowls liegen ebenfalls im Kühlfach bereit. Die Beere gilt als sehr sättigend – ideal für einen energiereichen Start in den Tag. „Açaí hat auch viele Ballaststoffe“, betont die Brasilianerin, die seit fünf Jahren auf Mallorca lebt.

Zoraia Dos Santos zeigt die Açaí-Produkte, die es im brasilianischen Laden "Link Brazil" in Palma gibt.

Zoraia Dos Santos zeigt die Açaí-Produkte, die es im brasilianischen Laden "Link Brazil" in Palma gibt. / Sarah López

Neben ihrem sättigenden Effekt soll Açaí auch ausgesprochen gesund sein. Die Beeren enthalten viele gesunde Fette, Vitamine und Antioxidantien. Sie sollen Herz, Magen-Darm-Trakt, Leber, Nerven und Nieren schützen, den Fett- und Zuckerstoffwechsel unterstützen und sogar krebshemmend wirken. Erste klinische Tests deuten darauf hin, dass Açaí die Zellen widerstandsfähiger gegen oxidativen oder körperlichen Stress macht – etwa durch Entzündungen, Gefäßprobleme oder starke Belastung. Forscher führen diese Effekte vor allem auf Polyphenole (etwa Ellagsäure) zurück – pflanzliche Schutzstoffe mit starker antioxidativer Wirkung. Açaí liefert außerdem Mineralstoffe wie Calcium, Eisen und Kalium. Wichtig: Das sind Forschungshinweise, keine gesicherten medizinischen Erkenntnisse.

Für Zoraia Dos Santos hat die Beere darüber hinaus auch einen ästhetischen Nutzen: „Man kann Açaí als Gesichtsmaske verwenden“, sagt sie. Das soll Feuchtigkeit spenden und langfristig für ein jüngeres Aussehen sorgen. Diese Anwendung sei in ihrem Heimatland weitverbreitet.

Die Schattenseiten von Açaí

So positiv das alles klingt – Açaí hat auch Schattenseiten. Die Kohlpalmen erreichen bis zu 25 Meter Höhe – bei der Ernte kommt es immer wieder zu Unfällen. Zudem kritisieren Umweltschützer die Abholzung des Regenwaldes. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, stieg die Anbaufläche innerhalb von zehn Jahren von 77.000 auf 265.000 Hektar.

Ein weiteres Problem: Nur ein kleiner Teil der Beere ist essbar, den Rest entsorgen die Produzenten. Auch wenn er biologisch abbaubar ist, häufen sich jedes Jahr Tonnen von Rückständen auf sogenannten „amazonischen Müllhalden“ – Bergen aus Açaí-Resten, die Flüsse und Bäche verstopfen.

Zudem stellt sich die Frage, wie viele Vitamine und Nährstoffe nach dem Transport erhalten bleiben. Besonders in industriell verarbeiteten Produkten mit Zusatzstoffen dürfte sich der Gesundheitseffekt in Grenzen halten. Tiefgefrorene, getrocknete und dann eventuell zu Pulver gemahlene Früchte bewahren die Inhaltsstoffe am besten.

Fakt ist: Açaí hat längst den Weg über den Atlantik bis nach Mallorca gefunden. In Palma gibt es die Bowls gleich in mehreren Lokalen. Ein Überblick mitsamt Preisübersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Läden in Palma

Link Brazil

Carrer de Jaume Balmes, 7

Gefrorenes Fruchtfleisch (pulpa) 100 Gramm für 3 Euro;

1 Liter 14,99 Euro; 5 Liter 49,90 Euro.

Açaí-Bowl mit Granola (220 g) 4,99 Euro.

Herbolisterías Navarro

Vier Standorte: Carrer Blanquerna, Carrer Caro in Santa Catalina, Einkaufszentren Porto Pi und FAN

Gefrorenes Fruchtfleisch: 150 g für 3,99 Euro; Pulver 150 g für 30 Euro (mit Wasser oder Milch anrühren oder mit anderen Früchten mischen).

Herbolario Farmática – Consulta Naturista Carrer d’Aragó, 68

Açaí-Kapseln mit 100 Prozent Fruchtgehalt (120 Stück) 21,85 Euro; konzentrierte Açaí-Flüssigkeit (500 ml) 29,80 Euro – eher als Ergänzung gedacht, weniger zum direkten Verzehr.

Açaí-Bowls

Federal Café

Plaça Francesc García i Orell, 3

9,80 Euro – mit Guaraná, Banane, Obst, Müsli, gerösteten Kokosraspeln und Chiasamen.

Amazonia Açaí Mallorca

Travessa d’en Ballester, 21

Bowls auf Açaí-Basis mit verschiedenen Toppings zwischen 8,50 Euro und 16,50 Euro.

Oakberry

Standorte in Santa Catalina und Nähe Plaça d’Espanya

Bowls 8,50 Euro bis 23,90 Euro, Smoothies: 9,30 Euro (350 ml) bis 12,90 Euro (650 ml).

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