Trendprodukt Avocado: Darum setzen immer mehr Landwirte auf Mallorca auf das Superfood
Avocados sind gesund - und liegen in Europa voll im Trend. Doch wer die Beere aus Mittelamerika kauft, schert sich nicht viel um Nachhaltigkeit. Mallorcas Avocados sind da eine bessere Alternative - wenn auch mit Einschränkungen

Avocados auf Mallorca (Symbolbild). / LMA
Sie sind stylisch, sie sind hip - und nebenbei auch ziemlich gesund: Avocados liegen in West- und Nordeuropa seit einigen Jahren im Trend. Kaum ein ernährungsbewusster Haushalt in Deutschland, der nicht regelmäßig die Frucht (oder aus botanischer Sicht: die Beere) in den Einkaufswagen packt. Das Problem: In puncto Nachhaltigkeit ist das ursprünglich aus Mexiko stammende "Superfood" nicht gerade ein Vorzeigeprodukt. Klimaschädliche Transporte über den Atlantik, gerodete Wälder, Behandlungen mit Pestiziden - die Liste ist lang. Mallorca könnte da Abhilfe schaffen. In immer größeren Mengen exportieren Insel-Landwirte ihre Avocados ins europäische Ausland - unter nicht idealen, aber doch deutlich umweltfreundlicheren Bedingungen.
"Lokale Produkte"
"Wenn man in Deutschland, Österreich oder den Beneluxländern Avocados aus Mallorca kauft, dann sind es, wenn man so will, lokale Produkte. Sie stammen aus der nächsten Anbauregion", sagt Franz Kraus. Der Gründer und Chef des Unternehmens "Fet a Sóller" gilt als größter Exporteur für Avocados aus dem Sóller-Tal. Zahlen will er nicht nennen, nur so viel: Ein erheblicher Anteil der Mallorca-Avocados, die Fet a Sóller vertreibt, gelangten nach Nord- und Westeuropa. Laut der landwirtschaftlichen Genossenschaft Cooperativa Agríocla de Sóller werden pro Saison etwa sieben Tonnen Avocados aus der Region vermarktet, mehr als die Hälte im Ausland. "Die Entwicklung zeigt einen steigenden Trend, auch wenn das Wachstum bisher noch nicht sehr ausgeprägt ist, da es neue Plantagen gibt, die noch nicht ihre volle Produktionskapazität erreicht haben", so Margalida Morey, die in der Kooperative als Agraringenieurin tätig ist.

Avocados sind bei Käufern in Europa immer beliebter, so wie hier auf einem Markt in London / Jason Alden / Bloomberg
"Kleinere Anpflanzungen von Avocados gibt es im Sóller-Tal schon seit Jahrzehnten, aber es waren immer nur ein paar Bäume. Jetzt wird der Anbau professionalisiert", erläutert Franz Kraus. Bereits vor fünf bis sechs Jahren habe diese Entwicklung begonnen, nun würden die Anstrengungen immer mehr durch üppige Ernten belohnt. "Natürlich lange nicht in so großem Volumen wie in Lateinamerika. Aber die Avocado ist auf Mallorca zu einer Alternative für viele Landwirte geworden, um ihr Angebot zu diversifizieren." Das bestätigt auch die Genossenschaft der Sóller-Landwirte: "Einige Landwirte in der Region ziehen die Avocado in Betracht, um Zitrusplantagen neu zu bepflanzen, die sich am Ende ihres Produktionszyklus befinden", so Marga Morey.
An den Klimawandel anpassen
Grund sei nicht nur die gestiegene Nachfrage, die Studien der Welt-Avocado-Organisation zufolge in Europa im Jahr 2024 um 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen haben soll. Auch der Klimawandel trage dazu bei, dass immer mehr Bauern auf Mallorca die Avocado in ihre Anbau-Palette aufnehmen. "Die Bedingungen ähneln zunehmend eher einem tropischen Klima als einem wirklich mediterranen", so Marga Morey.
"Und hier werden, anders als in Süd- und Mittelamerika, keine wertvollen Bäume abgeholzt, um Avocado-Plantagen aufzubauen. Stattdessen nutzen die Landwirte Acker, die sie vorher für andere Pflanzen nutzten", hebt Franz Kraus hervor. Pflanzen, die es unter den klimatischen Bedingungen auf der Insel immer schwerer hätten. "Die Olivenernte war dieses Jahr verschwindend gering, weil es so trocken war. Viele Mandelbäume, die in den 70er-Jahren gepflanzt wurden, sind nicht resistent gegen neue Krankheiten. Letztlich ist ein permanentes Anpassen der Landwirtschaft an den Klimawandel gefragt, um sich auf die neuen Voraussetzungen einzustellen", so Kraus.
Erzeugnisse wie die Avocado, aber auch Mangos, seien eine Alternative. Frost können die aguacates nicht vertragen, doch es friere im Sóller-Tal nur äußerst selten. "Ein gewisses Risiko besteht, aber das hat man immer", so Kraus. Einige Mallorca-Landwirte setzen beim Avocado-Anbau im Winter auf Schutzfolien, die auch den kalten Wind abhalten.

Archivbild einer Avocado-Plantage auf Mallorca. Im Winter sind die Bäume mit Folien gegen Kälte geschützt. / Nele Bendgens / Barbara Pohle
Manko: Wassermangel
Ein Manko gibt es dann aber doch: Avocados brauchen viel Wasser. Vor allem, um die Blütenansätze über den heißen Mallorca-Sommer zu bringen, ist künstliche Bewässerung unumgänglich. "Im Winter reichen die Niederschläge normalerweise aus", so Franz Kraus und betont: "Der Wassermangel ist ein Problem auf Mallorca."
Marga Morey von der Cooperativa Agrícola de Sóller erklärt: "Der Wasserbedarf ist bei Avocados etwa doppelt so hoch wie bei Zitrusfrüchten." Zudem kämpfe man beim Avocado-Anbau gegen phytosanitäre Aspekte, wie zum Beispiel Milben und einige Pilzarten. Mit viel Pflege ließe sich dem beikommen. Es seien aber Aspekte, die im Hinblick auf die Zukunft bedacht werden müssten, so die Agraringenieurin.
Bei der überwiegenden Mehrheit der Mallorca-Avocados handelt es sich um die Sorten Bacon und Hass. Bacon-Avocados haben eine glatte Haut und verdanken ihren Namen dem kalifornischen Züchter James Bacon. Hass-Avocados zeichnen sich durch ihre genoppte Haut aus, sie wurden erstmals in den 30er-Jahren vom kalifornischen Briefträger Rudolph Hass entdeckt, der einen Zufallssämling in seinem Garten fand. "Sie lassen sich deutlich besser lagern als die Bacon-Avocados und sind daher auch für den Export besser geeignet", erklärt Marga Morey von der Landwirte-Vereinigung.
Erst nachreifen lassen, dann essen
"Die Avocado-Ernte dieser beiden Sorten beginnt auf den Balearen Ende Oktober und zieht sich bis in den April. Andere Sorten, die später reif werden, sind hier wenig verbreitet", erläutert Franz Kraus. Wer selbst schon Mallorca-Avocados auf der Insel gekauft hat, weiß: Oft sind die frisch geernteten Beeren noch zu hart für den Verzehr, denn der Reifeprozess setzt nach der Ernte ein. "Konsumenten sollten sie also noch vier bis fünf Tage nachreifen lassen", rät Kraus. Im Kühlschrank könne die Nachreifung noch weiter verzögert werden. Wenn es schneller gehen soll, helfe es, die Avocado neben Zitrusfrüchten zu lagern. "Diese stoßen Gase aus, die den Prozess beschleunigen."
Einmal aufgeschnitten, sollte die Avocado möglichst schnell verzehrt werden. "Aber wenn man sie kühl lagert und etwas Zitronensaft darüber träufelt, hält sie sich auch so etwas länger."
Böse Überraschungen, wie man sie manchmal bei Avocados aus Lateinamerika erlebe - beispielsweise, dass sie innen schon sehr braun und wenig appetitlich sind, könnte bei Mallorca-Avocados zu 99 Prozent ausgeschlossen werden. Kraus: "Das passiert höchstens mal am Ende der Erntesaison im Mai, aber in der Regel ist die Qualität spitzenmäßig."
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