Original oder Hybrid? So erkennen Sie echte Ramallet-Tomaten von Mallorca
Neben den Hybriden hat es die echte Inseltomate Ramallet nicht leicht. Die Vereinigung zum Schutz einheimischer Sorten startet nun eine Kampagne – und gibt Tipps für den Einkauf

Selbst auf den Märkten heißt es "Augen auf" beim Ramallet-Tomaten-Kauf. / B. Ramon
Kulturelle Aneignung gibt es auch bei Gemüse – wobei die Tomate ja eigentlich botanisch gesehen eine Beere aus der Familie der Nachtschattengewächse ist. Die für das pa amb oli unverzichtbare mallorquinische Ramallet-Tomate (kat. tomàtiga de ramellet) ist wie ein oft kopierter Filmklassiker: Obwohl das Original unerreicht ist, gibt es jede Menge Konkurrenz. Ein Umstand, den die Associació de Varietats Locals de Mallorca (AVLM), die Vereinigung der Züchter lokaler Obst- und Gemüsesorten mit Sitz in Porreres, kritisch sieht.
„Wir verteidigen die Ramallet-Tomate schon seit Jahren gegenüber den Hybriden, die in den Supermärkten verkauft werden, um das Bewusstsein der Leute für dieses Thema zu schärfen“, sagt Aina Socies, Aktivistin von Varietats Locals. Zu den bisherigen Aktionen gehörten etwa Videos und eine interaktive Ausstellung. Nun hat die Vereinigung im Dezember eine neue Kampagne für die Ramallet-Tomate gestartet. Sie möchte damit sowohl der charakteristischen Zutat für die Inselküche Anerkennung zollen als auch der Arbeit der Landwirte – und Konsumenten dazu anzuregen, regionale, hochwertige Produkte mit Charakter zu kaufen.
Echt vs. Hybrid
Der Entwurf der eigens für die Kampagne designten Postkarten und Poster stammt von dem Designstudio temabcn und rückt drei „Kernaktivitäten“ rund um die Tomate in den Fokus: Penjar. Fregar. Menjar. (Zu Zöpfen auffädeln. Aufs Brot streichen. Essen). Traditionell wird die alte Sorte der Ramallet-Tomate mit wenig oder sogar ganz ohne Wasser (en secano) angebaut, im Spätsommer und Herbst geerntet und dann an Schnüren befestigt, um sie aufgehängt bis in den Frühling hinein zu konservieren. Das dank des Flüssigkeitsverlusts süße, hochkonzentrierte und nicht sehr saftige, aber dafür aromatische Fruchtfleisch macht die tomàtiga de ramellet so ideal zum Verreiben auf Brot.
Bei den Hybriden sind die Pflanzen an Bewässerungsanlagen angeschlossen, was eine größere Ernte garantiert – dafür ist die Haltbarkeit der Tomaten überschaubar. Sie werden im Sommer im Freiland geerntet, im Winter stammen sie aus dem Gewächshaus. Die hybriden Ramallet-Tomaten, die es in den Supermarktketten der Insel, aber auch auf den Märkten gibt, sind so groß wie die Vertreter der alten Sorte, haben aber eine dünnere Haut und sind innen wässriger.
Die Krux mit der Marke
Das Problem aus Sicht von Varietats Locals: Zwar ist die althergebrachte tomàtiga de ramellet auf Initiative der Vereinigung seit 2012 beim Spanischen Amt für Pflanzensorten (OEVV) des Landwirtschaftsministeriums als zu erhaltende Sorte erfasst. Das Patent- und Markenamt verbietet aber, dass solche Sorten als Handelsmarke vertrieben werden. „Auf Mallorca hat das Unternehmen Agromallorca aber bereits vor unserer Initiative die Ramallet-Tomate als eigene registrierte Marke eintragen lassen“, erklärt Socies. Nach dem Verständnis der Aktivisten ist das nicht rechtens.
Hinzu komme, dass die Abteilung für Lebensmittelqualität und lokale Produkte der Balearen-Regierung – ebenfalls mit Agromallorca im Hintergrund – eine Gewährleistungsmarke (marca de garantía) für den Typus der Tomate „de ramellet de Mallorca “ schuf. Deren Merkmale müssen aber nicht zwingend mit denen der alten Sorte im Register übereinstimmen. Das bedeutet im Klartext: eine potenzielle Irreführung der Verbraucher, die glauben, einer Qualitätsgarantie vertrauen zu können, während sie eine hybride Ramallet-Sorte kaufen. „Dass so etwas mit einer Sorte geschehen kann, die auf Mallorca so bekannt und geschätzt ist, finden wir höchst verwerflich“, sagt Socies.
Ein Rechtsstreit wäre aus ihrer Sicht angebracht, würde aber viele Ressourcen verschlingen. Die Kampagne soll die alte Sorte nun bekannter machen und die Öffentlichkeit darüber informieren, wie wichtig es ist, sie auf dem Markt erkennen zu können. Geplant ist auch eine Kooperation mit Köchinnen wie Maca de Castro und Maria Solivellas.
Keine Tomaten auf den Augen
„Viele Leute fragen uns natürlich: Wo kann ich Ramallet-Tomaten kaufen?“, sagt Socies. Auf der Website von Varietats Locals findet sich ganz unten eine Karte, in der Verkaufsstellen angegeben sind. Die Anzahl ist jedoch übersichtlich: der Mercat Ecològic de Palma, der kooperative Supermarkt Terranostra, Rudema in Montuïri und die landwirtschaftliche Kooperative in Porreres. Die Liste soll nach und nach erweitert werden. Dass es nicht mehr sind, liegt aber vor allem an den strengen Auswahlkriterien der Vereinigung: „Viele Supermärkte und Märkte haben in den Monaten September bis Dezember die echten Ramallet-Tomaten, aber in den übrigen Monaten verkaufen sie Hybride“, erklärt Socies. Solche Fälle schließt Varietats Locals aus. „Es kann Verwirrung stiften, wenn ein Händler an einem Tag die alte Sorte hat, und am nächsten gibt es sie nicht mehr, aber man glaubt, dort die richtige zu kaufen.“
Wer etwas weniger puristisch unterwegs ist, kann es natürlich trotzdem andernorts versuchen – sollte dann aber keine Tomaten auf den Augen haben, genau hinschauen und im Zweifelsfall nachfragen. Abgesehen von der interaktiven Karte gibt die Vereinigung der Züchter den Konsumenten im Rahmen der Kampagne dafür sieben Einkaufstipps für die Ramallet-Tomate mit auf den Weg – wobei Sie sich nicht nur auf das Auge, sondern auch auf Ihre anderen Sinne verlassen müssen.
Sieben Tipps für den Einkauf
1. Kaufen Sie die Tomaten wenn möglich direkt beim Erzeuger. Informieren Sie sich dort auch über die Anbaumethode. Falls es sich um ein Geschäft handelt: Fragen Sie den Händler, wo genau die Tomaten herkommen. „Man braucht dafür eine Person des Vertrauens“, so Socies.
2. Wenn Sie im Supermarkt einkaufen, prüfen Sie das Etikett: Dort muss der Name der Sorte und der Herkunftsort angegeben sein.
3. Augen auf: Im Fall der Ramallet-Tomate ist die Etikettierung nicht immer korrekt und präzise. Viele Hybridsorten werden unter Bezeichnungen wie „de penjar“ (zum Auffädeln) oder „de fregar“ (zum Reiben) vertrieben, was für Missverständnisse sorgt.
4. Achten Sie auf die Farbe: Die Ramallet-Tomate wird in den Monaten August bis Oktober geerntet und hält sich dann bis zum darauffolgenden Frühjahr. Kurz nach der Ernte ist sie noch rötlich, doch im Laufe der Monate färbt sie sich immer mehr orange bis gelb. Das ist das erste wichtige Indiz: Die authentischen Trockentomaten sind weniger rot als ihre hybriden Konkurrenten aus dem konventionellen Anbau mit Bewässerung. Und je nach Monat, in dem man einkauft, kann man eine blassere Färbung erwarten – was dem Aroma aber keinen Abbruch tut.
5. Achten Sie auf die Textur der Haut: Nach der Ernte hat die Ramallet-Tomate eine recht pralle Textur. Doch nach einigen Monaten verliert ihre dicke Haut an Festigkeit. Dies ist das zweite Indiz zur Identifizierung.
6. Achten Sie auf die Form: Die Ramallet-Tomate ist eine recht heterogene Sorte. Nicht alle Tomaten haben die gleiche Form und die gleiche Größe. Das ist das dritte Indiz.
7. Wenn Sie sich unsicher sind, wo Sie in ihrer Nähe Ramallet-Tomaten kaufen können, kontaktieren Sie die Associació de Varietats Locals de Mallorca, die Sie gerne informiert.
Alle Informationen zur Kampagne finden Sie auf varietatslocals.org/es/campanya-tomatiga-de-ramellet
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