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Mallorca hat ein neues Bier mit deutscher Note - und das soll bald die Massen begeistern

Das neue „Cervezas Balear 1983“ aus Binissalem setzt auf Lokalpatriotismus – und auf deutsche Brautradition. Die Gründer wollen hoch hinaus

Braumeister Nacho García und das Gründer-Trio: Gonzalo und Beatriz Merino sowie Jaime Buades (v. li.)

Braumeister Nacho García und das Gründer-Trio: Gonzalo und Beatriz Merino sowie Jaime Buades (v. li.) / Nele Bendgens

Oans, zwoa, gsuffa. Derlei bayerische Trinksprüche hört man auf der Insel selten, aber es geht in dem folgenden Artikel ums Bier – und zwar um ein neues Bier, das offiziell Ende November vorgestellt und mit dem Fest „Ja era hora“ (Wurde auch Zeit) Anfang Dezember in Binissalem gefeiert wurde. Gebraut wird es im Gewerbegebiet von Binissalem. Dahinter stecken drei Mallorquiner, die sich schon seit ihrer Kindheit kennen, und ihr katalanischer Braumeister. Alle sind um die 30 Jahre alt.

Stolze Mallorquiner

Der Name des Biers: Cervezas Balear 1983, wobei die Zahl auf das Jahr verweist, in dem die Balearen ihren Autonomiestatus und die Flagge erhielten. „Wir sind stolz darauf, Mallorquiner zu sein, hier unsere Firma zu haben und unser Bier mit Wasser aus der Serra de Tramuntana zu brauen, deshalb haben wir uns auch in Binissalem angesiedelt“, sagt Jaime Buades. Das Wasser, das immerhin rund 95 Prozent des Bieres ausmacht, stammt aus der lokalen Versorgung. Die Brauerei filtert und osmotisiert es zunächst vollständig, entfernt dabei sämtliche Mineralien und fügt diese anschließend wieder kontrolliert hinzu.

Die Gründer verstehen sich nicht als klassische Craftbier-Brauerei, wie es viele kleine Produzenten auf der Insel sind. Stattdessen positionieren sie sich bewusst als „mikro-industriell“ – als erste Brauerei dieser Art auf den Balearen. „Wir arbeiten mit elaborierter Technik, denken in größeren Dimensionen und wollen ein hochwertiges Bier mit geschmacklicher Kontinuität brauen. Dadurch können wir auch wettbewerbsfähigere Preise anbieten“, sagt Buades. „Das verschafft uns eine größere Akzeptanz bei unseren Hauptkunden – Bars, Restaurants und Hotels.“

Hinzugabe des Hopfens beim Kochen

Hinzugabe des Hopfens beim Kochen / Nele Bendgens

Mit Herz, Hirn und Vision

Gleichzeitig legt das Trio großen Wert auf Qualität und arbeitet in dieser Hinsicht ähnlich sorgfältig wie eine Craftbier-Brauerei. „Ich beschäftige mich seit 2015 intensiv mit Bier – damals noch als Hobby, während ich in London in einer Bank arbeitete“, erzählt Gonzalo Merino. Der studierte Betriebswirt mit zusätzlichem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften experimentierte über Jahre mit einem eigenen Mini-Braukit.

Seine Schwester Beatriz Merino, Produktdesignerin, verantwortet Design, Marketing, Kommunikation und Events. Jaime Buades kümmert sich um Vermarktung und Vertrieb. Oder, wie Buades es formuliert: „Ich bin das Hirn, Bea die Vision und Gonzalo das Herz.“

Ab 2021 ließen die Gründer in Brauereien in England, Deutschland und Valencia auf eigene Kosten sogenannte Nomadenchargen produzieren. In großen Anlagen brauten sie Testbiere, insgesamt rund 800 Liter, die sie Familie und Freunde verkosten ließen. Ende 2024 stand schließlich das vorläufig endgültige Rezept fest.

Von Profis umgesetzt

Anschließend arbeiteten professionelle Braumeister an der weiteren Verfeinerung der Rezeptur und passten sie an die klimatischen Bedingungen Mallorcas an. „Im Gegensatz zu Craft-Brauereien, die vor allem auf IPAs setzen und bewusst mit wechselnden Geschmacksprofilen arbeiten, wollen wir ein Bier brauen, das jedes Jahr gleich schmeckt – und gleich gut“, erklärt Merino. „Die Liebhaber von Craftbieren sind mengenmäßig noch immer eine Minderheit. Wir möchten hingegen die breite Mehrheit ansprechen.“

Und das kann ihnen mit dem Bier durchaus gelingen. Es ist ein Lagerbier mit fünf Prozent Alkoholgehalt, gebraut in Anlehnung an das deutsche Reinheitsgebot. Kein Zufall: Braumeister Nacho García absolvierte seine Master-Ausbildung an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB), die eng mit der Technischen Universität Berlin zusammenarbeitet.

1.400 Litern pro Charge – Tanks im Sudhaus

1.400 Litern pro Charge – Tanks im Sudhaus / Nele Bendgens

Ein Stück Bayern

Aktuell verwendet die Brauerei Hopfen aus der bayerischen Hallertau, steht jedoch bereits mit Landwirten auf Mallorca in Kontakt, die mit dem Hopfenanbau experimentieren. Die Hefe stammt aus dem Ausland, die Gerste – in Form von geröstetem Malz – aus England. „Es gibt keine Mälzerei auf der Insel, deshalb müssen wir importieren“, erklärt Merino. Geschmacklich überzeugt das Bier durch Milde, leicht süßliche Malznoten, eine kontrollierte Bitterkeit und einen trockenen Abgang. Oder, wie Merino es zusammenfasst: „fruchtig, herb, geschmacksintensiv“.

Den Vertrieb hat Licors Moyà übernommen. Für das erste Jahr plant das Team eine Produktionsmenge von 100.000 Litern. „Wenn es gut läuft – wir sind bereits in rund 160 Bars und Restaurants vertreten – können wir die Produktion steigern“, sagt Buades. Die Brauerei ist auf Wachstum ausgelegt und erlaubt perspektivisch eine Jahresproduktion von bis zu 625.000 Litern. „Außerdem planen wir weitere Bier-Varianten.“

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