Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Auf die Nudel gekommen: Warum sich vor diesem neuen chinesischen Restaurant in Palma lange Schlangen bilden

Die Restaurantkette Kungfu Noodle hat jetzt auch in Palma eröffnet. Die Spezialität des Hauses: chinesische Ramen

Sarah López

Sarah López

Nicht nur wegen der Schlangen, die sich vor allem am Wochenende vor dem Eingang bilden, fällt das neue chinesische Restaurant Kungfu Noodle am Carrer d’Aragó in Palma auf. Schon von außen ist klar, worauf das Konzept setzt: Neben der Tür steht eine überdimensionierte Ramen-Schüssel, aus der Stäbchen scheinbar endlos Nudeln herausziehen.

Erst seit dem 8. Januar ist das Lokal geöffnet, dahinter steckt allerdings kein Einzelprojekt, sondern eine Kette: Auf dem spanischen Festland sowie in Italien, Portugal und Mexiko betreibt Kungfu Noodle insgesamt 17 Filialen. Die Karten ähneln sich, bei einzelnen Vorspeisen oder Getränken gibt es Spielraum. Unverrückbar bleibt das Aushängeschild: handgezogene, selbst gemachte Nudeln.

Gyoza oder Kalbzunge?

Das Konzept scheint in Palma zu funktionieren. An einem Dienstag gegen 13 Uhr stehen bereits einige Gäste an, drinnen läuft es trotzdem zügig. Bestellt wird am Tresen direkt am Eingang – kaum angekommen, muss man sich entscheiden: Suppe oder „trockene“ Nudeln, mit Rind, Ente, Meeresfrüchten oder Gemüse. Wer mag, greift zu Beilagen wie Gyoza – oder wagt sich an Kalbzunge oder Schweineohren. Während man bezahlt, steht bereits ein Kellner mit den Getränken bereit und begleitet einen zum Tisch.

Der Gastraum ist schlicht gehalten: Helle Holztische, und in einer Ecke stapeln sich Getränkekisten. In der Luft liegt der Duft von Koriander und Chili. Das Servicepersonal ist präsent und räumt schnell ab – gedeckt wird dennoch selbst. Stäbchen und Besteck liegen in einer Schublade im Tisch.

Die Wartezeit, bis das Essen kommt, lässt sich mit der Nudel-Show überbrücken. Die Küche ist offen und wird nur durch eine Glasscheibe getrennt: Dort zieht ein Koch den Teig in die Länge, wirbelt ihn durch die Luft, faltet und zieht erneut – bis daraus dünne, lange Stränge werden. Auf Wunsch macht er die Nudeln dicker oder feiner.

Viele chinesische Kunden

Das Publikum ist gemischt. An einigen Tischen sitzen asiatische Familien, daneben Mallorquiner und Neugierige aus der Nachbarschaft. Obwohl die Karte für alle gleich ist, sehen die bestellten Speisen sehr unterschiedlich aus. Viele Europäer bleiben bei der klassischen Suppe und bestellen dazu Gyoza, frittiertes Hähnchen oder Algensalat. Chinesen greifen häufiger zu Innereien oder Hühnerfüßen und tunken sie in eine kräftig rote Brühe.

Trotz vollem Haus steht das Essen nach weniger als zehn Minuten auf dem Tisch. Wir probieren eine Meeresfrüchte-Suppe und „trockene“ Nudeln mit Gemüse.

Nudelsuppe mit Meeresfrüchten.

Nudelsuppe mit Meeresfrüchten. / Sarah López

In der klaren Brühe schwimmen Pak Choi, feine Karotten und Frühlingszwiebeln. Wer mehr Schärfe will, legt nach: Auf dem Tisch stehen Chiliöl, Sojasauce und dunkler Chinkiang-Essig. Die Nudeln sind leicht gummiartig und so lang, dass man sie fast wie einen Schal um den Hals legen könnte. Die „trockene“ Variante kommt mit einer leicht süßlichen Sojasauce und derselben Gemüsemischung daher.

Nudeln mit Gemüse.

Nudeln mit Gemüse. / Sarah López

Dazu gibt es ein Erdnussgetränk im Plastikbecher mit Deckel; am Boden liegen geschälte Erdnüsse. Mit dem Strohhalm wird eine durchsichtige Flüssigkeit geschlürft – sie ist überraschend erfrischend.

Wie die Händler der Seidenstraße speisen

„Wir kochen traditionell chinesisch und wollen unseren Geschmack nicht für Europäer verändern“, sagt Yi Zhou, Betreiberin der Filiale in Palma. Das Hausgericht bezeichnet sie als „chinesische Ramen“ – gemeint ist eine Nudelsuppe aus Lanzhou im Norden Chinas: lange handgemachte Nudeln, Rindfleisch, eingelegter Rettich, Chili, Frühlingszwiebeln und eine würzige, klare Brühe. Im Restaurant wird die Geschichte mitgeliefert: Laut Wandtext soll es die Suppe bereits zur Tang-Dynastie gegeben haben, um Reisende entlang der Seidenstraße zu versorgen.

Statt Nudeln vom Fließband

Yi Zhou, Betreiberin der Filiale in Palma. / Nele Bendgens

Preiswert, schmackhaft, schnell – und trotz Ketten-Konzept wirkt vieles erstaunlich authentisch. Dass im Gastraum Dutzende chinesische Gäste sitzen, ist wohl das beste Signal, dass hier nicht auf europäischen Gaumen getrimmt wird. Dass die Filiale nahe Pere Garau liegt – einem Viertel mit vielen chinesischen Bewohnern –, sei kein gezielter Schachzug gewesen, sagt Zhou. Man habe den Standort wegen der zentralen Lage und der Laufkundschaft gewählt.

Preise

Die Nudelgerichte kosten 10,95 Euro. Reisgerichte gibt es ab 7,95 Euro, Vorspeisen liegen zwischen 3,50 und 6,50 Euro.

NOCH MEHR NUDELSUPPE

Chinesische Ramen gibt es seit Jahren und ohne Ketten - charakter auch im Restaurant „Casa del Ramen“ in der Nähe der Markthalle in Pere Garau. Die etwas breiteren Nudeln sind auch hier frisch und handgefertigt.

Kungfu Noodle

Carrer d’Aragó, 76, Palma,

Tel.: 620-53 48 86

Casa del Ramen

Carrer de Pere Llobera, 4, Palma,

Tel.: 871-53 87 60

Contenido embebido de VG Wort.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents