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"Willst du Milch?": Was das Aus der Molkerei Agama für Mallorcas Milchbauern bedeutet

Die Zukunft der Milchbauern steht auf dem Spiel. In Windeseile müssen sie Abnehmer finden

Milchkühe auf dem Hof Son Carbó in Campos.

Milchkühe auf dem Hof Son Carbó in Campos. / Manu Mielniezuk

Die am Dienstag (3.3.) angekündigte Schließung von Mallorcas größter Molkerei Agama hat schwerwiegende Folgen für die Milchbauern der Insel. Die beiden Betriebe Son Carbó und Son Bernat lieferten bislang rund 300.000 Liter monatlich an Agama, das zum katalanischen Getränkekonzern Damm gehört. Jetzt ist die Zukunft mehr als ungewiss.

Den größten Anteil lieferte Son Carbó in Campos. Rund 240.000 Liter produzierte der Hof von Miquel Vanrell im Monat, belieferte Agama exklusiv. Erst kürzlich investierte er knapp zwei Millionen Euro in den Betrieb. Und steht jetzt vor dem Problem: Wohin mit der vielen Milch?

"Kein Spielraum zum Reagieren"

Denn eigentlich hatte er mit Damm ein Abkommen: Zwischen dem 1. April und dem 30. September wollte der Konzern die Milch aufs Festland bringen und dort verarbeiten. Vanrell sollte die Zeit nutzen können, um schrittweise andere Abnehmer für sein Produkt zu finden. „Sie sagten mir, sie würden die Milch weiter abnehmen, weil sie wussten, dass wir sehr viel investiert hatten." Doch vor kurzem habe der Konzern seine Meinung geändert. Jetzt soll bereits Ende März Schluss sein. „Sie haben uns keinen Spielraum zum Reagieren gelassen“, bedauert er.

Seither hängt Vanrell am Telefon. In den Gesprächen wiederhole sich im Grunde immer derselbe Satz: „Willst du die Milch?“, sagt er lachend, auch wenn ihm der Stress deutlich anzusehen ist. „Sie haben alles überstürzt, obwohl wir bereits daran gearbeitet haben, die Fortführung des Betriebs abzusichern."

Milchbauer Miquel Canrell vom Betrieb Son Carbó.

Milchbauer Miquel Canrell vom Betrieb Son Carbó. / Manu Mielniezuk

Darum wird Agama geschlossen

Das Aus von Agama kommt nicht überraschend. Bereits seit Monaten wurde über die Schließung gemunkelt. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die seit Jahren schwierige Lage des Milchsektors auf den Balearen. Demnach ist die Wettbewerbsfähigkeit des mallorquinischen Milchsektors seit Jahren geschwächt. Ein anhaltender Anstieg der Produktionskosten, ein rückläufiger Konsum bei höherpreisigen Milchmarken sowie strukturelle Schwierigkeiten aufgrund der Insellage hätten dazu geführt, dass das Geschäft nicht rentabel sei.

Als einer der Hauptfaktoren wird demnach die Marktstruktur auf den Balearen genannt – sowie der Preisnachteil, der entsteht, weil die höheren Einkaufspreise für Milch von lokalen Landwirten auf Mallorca im Wettbewerb mit besonders preisaggressiven Marken vom Festland stehen. Demnach liegt der Preis pro Liter mallorquinischer Milch um 50 Prozent über den üblichen Handelsmarken und um 18 Prozent über der führenden Herstellermarke. Infolgedessen kommen derzeit nach Unternehmensangaben mehr als 95 Prozent der auf Mallorca konsumierten Milch von außerhalb der Insel.

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