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Gesund, aber teuer: Was in Mallorcas Schulmensen auf den Teller kommt

Zehn Prozent Bio und zehn Prozent lokale Produkte: Die bereits zuvor hohen Anforderungen an das Essen in Kindergärten und Schulen sind noch einmal erhöht worden. Die Devise lautet: Hauptsache gesund! Das hat seinen Preis

Linseneintopf mit viel Gemüse im Essenssaal der Grundschule CEIP S’Auba in Cala Ratjada.

Linseneintopf mit viel Gemüse im Essenssaal der Grundschule CEIP S’Auba in Cala Ratjada. / Sophie Mono

Sophie Mono

Sophie Mono

Letzter Schultag vor den Osterferien: Als die ersten Kinder nach Unterrichtsschluss in den Essenssaal der Grundschule CEIP S’Auba in Cala Ratjada strömen, dampft es aus den großen Metallbehältern. „Hände waschen“, ruft ihnen Marga Blanquer zu. Unnötig – die Vorschulkinder kennen die Abläufe in der Mensa. Zielstrebig laufen sie auf die Waschräume zu. Als die älteren Grundschulkinder dazustoßen, sitzen die Kleinen bereits brav an ihren Tischen und löffeln – mal mehr, mal weniger begeistert – Linseneintopf von ihren Tellern.

"Alles probieren"

„Vegetarisch, ganz ohne Fleisch, dafür mit viel frischem Gemüse“, wirbt Marga Blanquer. Sie ist beim Catering-Unternehmen El Racó Casolà als Chef-Koordinatorin dafür zuständig, dass alles reibungslos läuft, wenn die in Manacor gekochten Menüs ausgeliefert werden. Zehn Kindergärten und Grundschulen zwischen Campos und Cala Ratjada bewirtet die Firma. Insgesamt rund 450 Kinder pro Tag. Spezielle Transporter und Behälter sorgen dafür, dass alles warm bleibt.

„Ich mag Gemüse nicht so gerne“, stellt ein kleines Mädchen fest, nimmt dann aber tapfer doch noch einen Löffel vom Linseneintopf, bevor sie ihn von sich schiebt. „Hier muss niemand aufessen, aber jeder muss alles probieren“, sagt Marga Blanquer. Und das klappe eigentlich auch ganz gut. „Die Kinder gewöhnen sich mit der Zeit daran, und oft essen sie hier mehr Gemüse als zu Hause.“

Gesunde Gewohnheiten etablieren

Genau so solle es sein, erläutert eine Sprecherin des balearischen Bildungsministeriums auf MZ-Anfrage und verweist auf Bildungsminister Antoni Vera, der im März wiederholt die Bedeutung gesunden Mensaessens hervorhob: Die Kantinen hätten die Funktion, gesunde Gewohnheiten bei Kindern zu etablieren und auszubauen.

Genau deshalb sind die Vorgaben für Schulessen auf Mallorca und den Nachbarinseln strikt, die Auflagen detailliert. Jedes Catering-Unternehmen muss eine öffentliche Ausschreibung durchlaufen, um den Vertrag mit öffentlichen oder halbstaatlichen Schulen und Kindergärten abschließen zu dürfen. Dies gelte für alle Einrichtungen, die keine eigene Schulküche haben, also den meisten: Von den 212 Bildungseinrichtungen auf den Balearen verfügen nur 57 über Kochmöglichkeiten vor Ort.

"Immer strenger"

Marga Blanquer serviert Tortilla mit Salat.  |

Marga Blanquer serviert Tortilla mit Salat. / Sophie Mono

„Alles, was wir tun, ist genau gesetzlich vorgegeben“, erläutert Maria Magdalena Bonnín, Leiterin des Catering-Service El Racó Casolà, der MZ am Telefon. „Und es wird immer strenger.“ Tatsächlich hat das balearische Bildungsministerium die Auflagen im März noch einmal verschärft: Die Menüs für Kindergarten-, Vorschul- und Grundschulkinder auf den Inseln müssen künftig mindestens zehn Prozent lokale Produkte und zehn Prozent ökologische Produkte enthalten. Täglich ist ein Stück frisches Obst vorgesehen, jeden Monat muss mindestens sechs Mal ein Gericht mit Hülsenfrüchten und sechs Mal eines mit Fisch serviert werden. Rotes Fleisch darf höchstens an zwei Tagen im Monat auf den Teller kommen, industriell verarbeitetes Fleisch wie Nuggets oder Würstchen gar nicht mehr. Zudem müssen Nudel- und Reisgerichte aus Vollkornprodukten hergestellt sein.

Dass keine industriellen Backwaren oder Süßkram angeboten werden dürfen, und dass auch Spezialmenüs für Allergiker, Vegetarier oder Kinder Pflicht sind, die kein Schweinefleisch essen, ist ohnehin durch ein spanisches Gesetz geregelt. Weitere Auflagen, die es zu beachten gilt.

Beklagen will sich Catering-Unternehmerin Maria Magdalena Bonnín ob der hohen Anforderungen aber nicht. „Es ist durchaus sinnvoll, auf gesunde Ernährung zu achten, das tun wir ohnehin. Die neuen Vorgaben von der Landesregierung bedeuten für uns nur, alles noch genauer zu koordinieren.“ Die Spezialmenüs, die Eltern extra vorbestellen müssen seien kein Problem. „Wir bewahren sie in gesonderten Boxen auf, da kommt nichts durcheinander“, beteuert auch Koordinatorin Marga Blanquer, während sie vor den Augen der Kinder in Cala Ratjada den zweiten Gang auf den Tellern vorbereitet: Tortilla mit frischem Salat. „Das mögen alle“, sagt sie und tröpfelt noch ein wenig Öl auf die grünen Blätter. „Olivenöl natürlich. Und wie alles, was wir zubereiten, ohne Salz.“

Nicht gerade günstig

Die hochwertige Ernährung hat ihren Preis: 7,55 Euro kostet das Menü für Kinder, die nur ab und zu in Cala Ratjada im comedor essen. Bei regelmäßigen Nutzern sind es 6,85 Euro pro Tag. Beides sind die maximal zugelassenen Preise. Mehr dürfen die Catering-Unternehmen nicht von den Familien verlangen – noch eine Vorgabe der balearischen Landesregierung. Liegt der Preis höher, kommt die Behörde für die Differenz auf: ein Kostenpunkt von rund 541.000 Euro im Jahr für die öffentliche Kasse.

Auch im Fall von El Racó Casolà zahlt das Bildungsministerium dazu. Angesichts der großen zubereiteten Essensmengen bleibt es aber ein beachtlicher Preis. „Die Kosten beinhalten ja nicht nur das Essen, sondern auch die Betreuung“, sagt Bonnín. Bis 16 Uhr werden die Kinder nicht nur verköstigt, sondern von Mitarbeitern des Unternehmens auch bespaßt. Und wer es sich nicht leisten könne, der habe ja noch die Möglichkeit, ein Stipendium der Landesregierung für sozialschwache Familien zu beantragen, so Bonnín.

Schlechte Aussichten für Veganer

Wenig Entgegenkommen der Politik gibt es derweil für Kinder, die sich vegan ernähren möchten. Trotz der vehementen Forderungen einer Mutter aus Palma, die seit Jahren dafür kämpft, dass ihr Sohn in der Kantine keine tierischen Produkte vorgesetzt bekommt, hat die balearische Schulordnung in dieser Hinsicht keine klare Regelung getroffen.

Und auch muslimische Familien, die speziell nach islamischen Vorgaben zubereitete Gerichte (Halal) für ihre Kinder wünschen, stoßen noch an Grenzen. In Palma verabschiedete das Rathaus im Februar sogar eine Resolution, die „Halal“-Angebote in den Schulkantinen explizit ablehnt. Auswirkungen auf die Schulen hat die Resolution keine – das Schulessen liegt eben nicht im Kompetenzbereich der Gemeinden. Entsprechende Halal-Menüs sind aber auch seitens der Landesregierung erst einmal nicht vorgesehen.

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