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Luxusdorf tischt noch mehr auf: Das tut sich kulinarisch im einst umstrittenen Mega-Ressort in Canyamel

Zehn Jahre nach dem Start erneuert Cap Vermell in Canyamel sein gastronomisches Angebot. Im Mittelpunkt stehen das Zwei-Sterne-Restaurant Voro, das Roka sowie die neuen Konzepte Villa Sofía und Bravo.

Der Koch César Mogollón, die Qualitätsmanagerin Eleonore Piazza und Executive Chefkoch Blai Vallbona im Bravo.

Der Koch César Mogollón, die Qualitätsmanagerin Eleonore Piazza und Executive Chefkoch Blai Vallbona im Bravo. / Cap Vermell

Zehn Jahre gibt es nun schon das anfangs umstrittene „Luxusdorf“ Cap Vermell in Canyamel. Dieses schön gestaltete und komplexe touristische Angebot auf hohem Niveau hat nun aus diesem Anlass sein gastronomisches Angebot erneuert und variiert.

Dritter Stern im Fokus

Da wäre zunächst das Aushängeschild: „Ein dritter Stern für das Voro wäre schön und würde das zehnjährige Jubiläum unseres Hauses perfekt abrunden“, sagt Toni Mir, Hoteldirektor des Cap Vermell Grand Hotel.

So unberechtigt scheint dieser Wunsch nicht. Das Voro mit Chefkoch Álvaro Salazar, ist das einzige Restaurant der Insel mit zwei Michelin-Sternen und drei Repsol-Sonnen. Es funktioniert selbstständig, kooperiert jedoch mit dem Hotel und wird als Teil deren gastronomischen Angebots gesehen. Die Michelin-Tester kürten ein Voro-Gericht 2025 zu einem der elf besten Gerichte weltweit. Und ein anderes kam in die Liste der zwölf besten Gerichte Spaniens. Der Gedanke liegt also nahe, dass der Michelin-Redaktion das Restaurant ans Herz gewachsen ist.

Neben dem Voro ist auch das japanisch ausgerichtete Roka eigenständig. Es gehört zur Azumi-Kette von Rainer Becker, die auf fünf verschiedene Marken aufgeteilt weltweit 45 Restaurants betreibt. In Canyamel belebt es bereits seit 2021 als Pop-up-Restaurant den Sommer (in diesem Jahr ab 19. Juni).

Alle Hände voll zu tun

Eigengewächse sind hingegen die neue Villa Sofía, das ehemalige Balearic, und das neue Bravo, das zuvor eine Tapas-Bar war. Wir sprachen mit Blai Vallbona, dem mallorquinischen Executive Chefkoch. Neben den Restaurants ist er verantwortlich für die Pool Bar, den Zimmerservice, die Gastronomie bei Events und – nicht zu vergessen – die Personalkantine mit in der Hauptsaison täglich rund 250 Benutzern. „Die Belegschaft des Resorts kommt aus den verschiedensten Ländern, insgesamt sind es rund 20 Nationalitäten. Jeden Freitag kochen wir so, wie es in einem der Länder üblich ist, um das Gruppengefühl und das Miteinander zu verbessern“, erzählt Blai Vallbona.

Er selbst hat das Kochen in der Kochschule von Son Servera, der IES Puig de Sa Font, gelernt und anschließend in Lokalen der Insel, aber auch über neun Jahre in London gelebt und gearbeitet, darunter auch einige Jahre für die Azumi-Kette. Als diese dann das Pop-up in Canyamel startete, ging er mit nach Mallorca. „Es war noch zur Pandemie-Zeit, und da wollte ich wieder nach Hause zu meiner Familie“, sagt Vallbona. Drei Saisons war er für Roka tätig und lernte natürlich auch die Verantwortlichen des Resorts dabei kennen, die ihn anschließend fragten, ob er nicht die damals vakante Position des Executive Chefkochs übernehmen wolle. Er wollte. Das war 2024. Ihm zur Seite steht César Mogollón. Die beiden, 33 und 28 Jahre alt, bilden ein gutes Team.

Das Konzept des Restaurants Villa Sofía, das auch als Frühstücksraum dient, lautet: mediterrane Küche aus Spanien, Italien und Frankreich. „Wichtig ist uns jedoch bei alledem, dass wir versuchen, hiesige Produkte mit einzubeziehen. So produzieren wir selbst unseren guanciale für das klassisch-italienische Gericht Rigatoni Carbonara mit diesem Speck, Ei, Pfeffer und Hartkäse. Unsere Version ist wie das Original luftgetrocknet und ungeräuchert. Wir verwenden jedoch nicht einfache Schweinebacken oder -nacken wie in Italien, sondern die hängenden Schweinebacken des schwarzen mallorquinischen Schweins. Der Speck muss dann 28 Tage reifen“, erklärt Vallbona. „Oder aber wir servieren hiesigen Fisch, aber mit einer französischen Beurre-blanc-Sauce und Rinderfilet mit Parmentier und Majoran-Reduktion.“ Aber es gibt auch Lammschulter und galicisches Rind auf der Karte. Die Preise der Villa Sofía: Vorspeisen 20–40 Euro, Hauptspeisen 24–42 Euro, Desserts 12 Euro.

Ungewöhnliche Neuinterpretationen

l Die Terrasse.  l Aubergine mit Honig, Sesam und Palo Cortado.  l Thunfisch-Tatar mit Ajoblanco.   | FOTOS:  CAP VERMELL-BRAVO, ZENDER

Auf der Terrasse sitzt und speist es sich gut. CAP VERMELL-BRAVO, ZENDER / Cap Vermell

Das Bravo hat unterdessen einige der beliebten Tapas des Vorgänger-Lokals beibehalten, Klassiker wie Garnelen in Knoblauchöl, Chipirones mit Alioli oder Gazpacho. Hinzu kommen Neuinterpretationen. „Als Executive Chefkoch muss ich in einem anspruchsvollen Hotel mit internationalen Gästen natürlich wichtige Küchen-Tendenzen der Welt frühzeitig erkennen und auch anbieten, aber dabei nie unsere spanische Identität verlieren“, findet Blai Vallbone. Das Verfeinern vieler Gerichte mit asiatisch-orientalischen Gewürzen und Saucen sei dennoch sinnvoll.

Sehr empfehlenswert sind die ungewöhnlich flüssigen Schinkenkroketten. Auch delikat: das Thunfisch-Tatar in Ajoblanco (kalte Mandel-Knoblauch-Suppe, mit Honig, Yuzu und Reisessig verfeinert), die Auberginenstreifen, überzogen mit Palo-Cortado-Sherry-Sauce, gemixt mit Sesam und Honig, dazu vegane Mayonnaise und Mandelsplitter, oder die Pasta-Dumplings, gefüllt mit gereiftem Rindfleisch, dazu Morcheln und gehobelter Trüffel, an einer cremigen Sauce aus Sherry und fermentierten Champignons.

Auch im Bravo steht das Hauptprodukt, möglichst von der Insel, im Mittelpunkt. Und auch hier ist das Preisniveau gehoben: Vorspeisen 10–24 Euro, Gourmet-Konserven 20–28 Euro, Tapas 12–26 Euro, Hauptspeisen 20–34 Euro, Desserts 10–12 Euro.

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