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Urlaub auf Mallorca ohne Schickimicki: Diese Strandbar im Norden ist noch richtig bodenständig

Bewährt urig und überraschend gut: Das Bananas am Son-Bauló-Strand wird 40

Schon fast Seltenheitswert: Das Bananas ist noch ein richtiger „Chiringuito“.  | FOTO: BANANAS

Schon fast Seltenheitswert: Das Bananas ist noch ein richtiger „Chiringuito“. | FOTO: BANANAS

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Einer der schönsten Strände im Norden ist zweifelsohne Son Bauló am östlichen Rand von Can Picafort und am Anfang des Naturschutzgebietes Son Real. Klein, aber fein. Kulinarisch muss hier niemand darben, denn es gibt ja das Beachlokal Bananas. Das ist keine neumodische Bar. Vater Toni Castelló hat das Lokal schon 1986 aus der Taufe gehoben. Jahre zuvor startete er mit einem anderen Bananas-Lokal im Zentrum von Can Picafort, später kamen dann ein Restaurant namens Marisco und ein Lokal in Port d’Alcúdia hinzu. Geblieben ist das Lokal am Strand. Vater Toni ist 74 Jahre und mittlerweile in Rente.

Das Bananas-Team: Xisco Castelló, seine beiden Halbschwestern und Vater Tolo.

Das Bananas-Team: Xisco Castelló, seine beiden Halbschwestern und Vater Tolo. / Bananas

Aber sein Sohn Xisco Castelló, der eigentlich Philologie studiert und Schriftsteller werden wollte, führt schon seit Jahren das Lokal. „Wir haben einige Gerichte, die es schon zu Zeiten meines Vaters gab auf der Karte, aber wir bereiten sie jetzt mit frischen Produkten zu und nutzen keine Fertigware aus Dosen oder Fertig-Gewürzmischungen, wie es früher leider oft der Fall war. Mein Vater stand noch auf Knorr-Produkte“, sagt Xisco Castelló.

Blutwurst-Kroketten mit Ingwer-Bier-Gel.

Blutwurst-Kroketten mit Ingwer-Bier-Gel. / Zender

Unterstützt wird er im Lokal von seinen beiden Halbschwestern im Service und von der Schwester von Vaters zweiter Ehefrau in der Küche. „Sie ist quasi meine Tante“, sagt Xisco Castelló. Auch sein Vater komme ab und an und helfe aus, erzählt der junge Wirt in fließendem Deutsch. Kein Wunder, ist seine Mutter Monika doch eine Deutsche, die aus dem Ruhrgebiet stammt.

Und als ob das noch nicht verwirrend genug ist: Xiscos Ehefrau Maria Cilimingras ist eine Nachfahrin von Erzherzog Ludwig Salvator (1847–1915), Griechin und Honorarkonsulin ihres Heimatlands – so wie auch schon ihr verstorbener Vater Honorarkonsul war. Daher verwundert es auch nicht, auf der Karte den klassischen griechischen Salat Choriatiki zu finden. Mit Fetakäse, Kalamata-Oliven, Tomate und Gurke. „Das ist sozusagen eine Hommage an meinen Schwiegervater”, sagt der dreifache Vater Xisco Castelló.

Auf Oliventapenade gebettete Artischocke.

Auf Oliventapenade gebettete Artischocke. / Zender

Die Speisekarte, die durch tagesaktuelle Vorschläge ergänzt wird, ist ein spannender Mix aus Klassikern des Lokals wie patatas bravas, chipirones (den kleinen frittierten Tintenfischchen), den Muscheln in Weißwein-Tomaten-Knoblauchsauce oder auch dem getoasteten Landbrot, belegt mit geschmorten Aubergine, Paprika und Anchovis, dazu Oliven und Olivenöl.

Extravagante Kombinationen

Andere Gerichte kombiniert Chefkoch Michele Ripassi aus Florenz durchaus „extravagant“, etwa die Botifarrón-Kroketten mit Blutwurst der Metzgerei Can Sereno aus Inca, die eine erfrischende Haube aus Ingwer-Bier-Gel der Firma Puig ziert. Auch die eingelegte und dann geschmorte Artischocke begeistert. Sie ist auf Oliventapenade gebettet und mit einer Creme aus Ajonegro (schwarzem Knoblauch), einem Carasau-Chip (sardisches hauchdünnes Brot) und etwas Kapuzinerkresse arrangiert.

Etwas schräg, aber optisch eine Augenweide ist das dem Ceviche ähnliche Gericht mit Corvina-Stücken (Adlerfisch) in Kokosschaum mit Gurke, Erbsensprossen und manchmal auch gerösteten Nüssen. Seine italienische Heimat ehrt Ripassi mit geschichteter Aubergine aus dem Ofen, gemischt mit Mozzarella, Mahón-Käse, Ramellet-Tomatensauce, Majoran, Basilikum und Mandel-Crumble.

Strandküche: ein Miesmuschel-Teller.

Strandküche: ein Miesmuschel-Teller. / Bananas

Hamburger, Paellas und und und

Klassisch wiederum die Kabeljau-Bällchen mit Sauce tartare. Ein Hamburger steht natürlich auch auf der Karte. In diesem Fall mit einem Mix aus Fleisch vom schwarzen mallorquinischen Schwein und Rindfleisch mit Käse, eingelegter roter Zwiebel und Sobrassada-Mayonnaise im Brioche-Brötchen mit Pommes frites als Beilage.

Auch Paellas dürfen in keinem Strandlokal fehlen, wobei sie mit der Reissorte ein wenig experimentiert haben, bis sie sich für Reis aus der valencianischen Albufera entschieden haben. Die Rezepte stammen von seiner „Tante“ Maciala Bergas in der Küche. Der Favorit ist hier die „Sa Tita“ mit Schweinerippchen, Hähnchen, roten Garnelen, Mies- und Venusmuscheln sowie hausgemachtem Fischfond.

Als Nachtisch überzeugt der Caprese-Kuchen, ein Schoko-Mandelkuchen mit Mandel-eis. Die frühen Gaste können zwischen verschiedenen Frühstücksoptionen und Snacks wählen. Die Preise: Vorspeisen (auch zum Teilen) 9,50–17 Euro, Hauptspeisen 17–27 Euro, Desserts 4,50–7,80 Euro.

Bitte lokal!

Beim Einkauf denkt Xisco Castelló lokal und kauft etwa Landeier bei Avicola Can Costeta in Búger, Fleisch bei Can Sereno in Inca, Fisch bei Peixos Cañellas in Sa Pobla und Gemüse in Ariany. Bei den Weinen legt er großen Wert auf hiesige Bodegas und auch auf Naturweine. Cocktails und hausgemachter Hierbas ergänzen das Angebot. Und so bietet das wunderschön direkt am Strand liegende Lokal für den „normal“ hungrigen Gast, der Standards will, so einiges. Doch auch, wer das Besondere sucht, wird fündig. Aber die Schönheit hat Konsequenzen: Es ist in der Saison fast immer voll, eine Reservierung ist somit dringend angeraten.

Leger am Meer:

Bananas, geöffnet Di.–So. 9–19 Uhr (in der Saison auch abends), C/. Marina, 8, Can Picafort. Tel.: 685-82 36 28, bananassonbaulo.com

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