Indisch essen auf Mallorca: In diesem Restaurant gibt es Curry, Streetfood und Familienflair
Im Bhukkad Boca Café in Palma gibt’s Streetfood und Hausmannskost zu fairen Preisen

Indien trifft auf Mallorca beim Bhukkad Boca Café / Phoenix Media
Pakoras, Samosas, Curry – wir sind in Indien. Zumindest kulinarisch. Das Bhukkad Boca Café in Palma, unterhalb des Bellver-Parks und im Januar eröffnet, bietet indische Küche, teils auch einen Mix aus indisch und mediterran inspirierten Speisen. Dahinter steckt das Ehepaar Annie Caldwell (39) und Baldeep „Bally“ Singh (38). Sie ist Südafrikanerin aus Kapstadt, er Inder aus der nördlichen Region Punjab, nahe der pakistanischen Grenze. Sie ist gelernte Köchin, hat in gehobenen Restaurants in ihrer Heimat gekocht, bevor sie als Privatköchin auf Yachten und auf Mallorca bei Privatleuten als Köchin tätig war. Letzteres macht sie bis heute. Er hat sich das Kochen selbst beigebracht, verließ mit 19 Jahren seine Heimat, lebte einige Jahre in Deutschland und kam 2017 nach Mallorca.
Das war auch das Jahr, in dem sie ihr Yachtleben beendete. „Es waren schöne Zeiten, ich habe viel von der Welt gesehen. Doch ich spürte, dass ich endlich festen Boden unter meinen Füßen haben und sesshaft werden wollte.“ Die Wahl fiel auf Mallorca, weil sie die Insel von früheren Aufenthalten her kannte und sie sich hier sofort wohlfühlte. Erst recht, weil sie im gleichen Jahr hier auch Bally kennen- und lieben gelernt hatte.
Spielecke für Kinder
Die Heirat folgte 2021, die gemeinsame Tochter Aria ist nun zwei Jahre alt. Sie war auch der Anlass, im Hinterhof vom Bhukkad Boca Café eine relativ große Spielecke einzurichten mit allem, was Kinderherzen erfreut. Natürlich kann auch alles beiseitegeräumt und der überdachbare Raum für Gäste, Gruppen und auch Workshops zum Thema indische Küche genutzt werden.

Spielecke mit Bally und Tochter Aria. / Phoenix Media
Die Zusammenstellung der Karte und die Rezepturen basieren natürlich zum einen auf Ballys Kenntnis der indischen Küche, zum anderen steuert die erfahrene Annie ihr Wissen um Technik, Aromen und das Küchenhandwerk generell bei. Der Name des Cafés ist übrigens ein indisch-spanischer Mix und bedeutet „Hungriger Mund“.
Und auf diesen warten etwa bei den Vorspeisen viele vom Streetfood her bekannte Gerichte. Da gibt es etwa Kartoffel-Erbsen-Samosas mit Tamarinden-, Mango- und Minzsauce oder Pakoras, gefüllte Teigtaschen mit Fisch, Huhn oder Gemüse. Etwas, dass man bei vielen Indern nicht findet sind die Pan Puri. Kleine runde frittierte Teighüllen, die mit gewürzten Mini-Kartoffel-Sticks, angereichert mit Zwiebeln, Kichererbsen und Kräutern gefüllt sind. Hinein gibt man zudem etwas wässrige Sauce (pani bedeutet Wasser) mit Koriander und Minze und einige Tropfen einer Tamarindencreme. Köstlich!
Spanien trifft Indien
Ein mediterran-indischer Mix sind indes die Kroketten, gefüllt mit Bechamel und indischem Butterhuhn, gebettet auf indischer Butter-Chicken-Sauce. Und was die Küche aus Kichererbsen zaubert, ist genial. Pflanzliche Kost spielt in der indischen Küche eine bedeutende Rolle, entsprechend gibt es auch im Bhukkad Boca viele vegetarische Gerichte.
Bei den Hauptspeisen, basierend auf indischer Hausmannskost, darf natürlich ein indischer Klassiker nicht fehlen, in diesem Fall das Madras-Curry, wahlweise mit Tofu, Fisch oder Hühnchen, sowie Basmatireis. Dazu wird das hausgemachte Lachha Paratha serviert, ein dünnes, knuspriges mehrschichtiges indisches Fladenbrot, das in der Pfanne gebraten wird. Lammspieße gibt es solo oder mit Kräutern, Salat, Gurke und Mayonnaise in Teigfladen eingerollt. Als Variante kann man auch Tandoori-Huhn im Fladen bekommen. Ein dreigängiges Menü mit Auswahlmöglichkeit und Getränk wird ganztägig für 18,50 Euro serviert. Ebenfalls die Kontinente übergreifend sind einige der verschiedenen Frühstücksangebote wie etwa Rühreier mit Speck, Tomaten-Relish und Naan-Brot.
Die gemischte Klientel kommt mal nur für einen Mango-Lassi (indisches Joghurtgetränk) oder ein Bier, einige Samosas oder auch für ein ganzes Menü und lässt sich an den Tischen auf der Terrasse nieder. „Wir sind eine Art Nachbarschaftscafé, auch wenn viele von weit her kommen. Wir haben schon jetzt viele Stammgäste, einige sind bereits Freunde geworden. Das war auch unser Ziel“, erzählt Annie Caldwell.

Samosas mit Lassi. / Phoenix Media
Und diese Freunde können sich ebenfalls Cocktails schmecken lassen wie eine Kombination aus Whisky, Chai-Sirup, Bitter und Orangenschale oder die ungewöhnliche Mixtur aus dunklem Rum, Tamarindensaft, Limette, Zucker und Aquafaba, einem veganen Eiklar-Ersatz. Eingekauft wird in Bezug auf spezielle indische Produkte und Gewürze in Geschäften im Pere-Garau-Viertel – wie etwa im Desi Supermercado.
Die angenehme Atmosphäre hat viel mit den Besitzern zu tun, denn Bally ist ein Sikh, Anhänger des Sikhismus, einer monotheistischen Religion, die ihr Zentrum im Punjab hat. „Ich bin nicht streng religiös, aber ich schätze unsere Tradition und unsere Werte und möchte sie auch an meine Tochter weitergeben“, so Bally. Und diese Werte können sich sehen lassen, denn Sikhs haben ein starkes Gemeinschaftsgefühl, sie bemühen sich um die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten, sind solidarisch mit denen, die weniger haben, und vor allem: sie sind tolerant. Ihnen geht es nicht um Dogmen oder Rituale. Das liebevolle Miteinander steht an erster Stelle. Übrigens: Frauen und Männer haben gleiche Rechte und Pflichten.

Annie and Bally vor dem Restaurant. / Phoenix Media
Preise
Die Preise sind fair: Frühstücksangebote 9,50–12,50 Euro, Snacks/Vorspeisen 6–10 Euro, Hauptgerichte 10–16 Euro, Desserts 4–6,50 Euro, Menü 18,50 Euro, Cocktails 9–10 Euro.
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