Er kochte für die Queen – jetzt stand Stefan Pappert auf Mallorca am Herd
Stefan Pappert hat schon auf dem Oktoberfest, im Wembley-Stadion und für Queen Elizabeth gekocht. Jetzt war er im Adelfas zu Gast

Stefan Pappert (li.) mit Nicole und Jens Bräuning vom Adelfas in Nova Santa Ponça. | FOTO: ARTHUR LEBLANC
Am Montag, (1.6.), fand im Restaurant Adelfas von Jens Bräuning in Nova Santa Ponça ein besonderes Event statt – mit viel Atmosphäre, guter Stimmung und natürlich fantastischem Essen. Dafür war neben Bräuning und seinem Team auch der Gastkoch Stefan Pappert veranwortlich. Beide stammen aus dem hessischen Teil der Rhön, beide kommen aus kleinen Dörfern des Landkreises Fulda, die nur etwa 30 Kilometer auseinanderliegen.
Gekannt haben sich beide nicht, zumindest fast nicht, denn vor rund 30 Jahren leistete Pappert seinen Zivildienst bei der Caritas – und war damals regelmäßig Gast mit seiner Behinderten-Gruppe in der „Ulsterbrücke“, der Gaststätte von Jens Bräunings Eltern. „Wir waren dort Dauergäste, weil alles barrierefrei war und die Wirtsleute absolut keine Berührungsängste hatten“, erinnert sich Pappert. Die Erinnerungen kamen hoch, als Bräuning bei ihm anfragte.
Heimatbewusste Küche
Beide sind auch kulinarisch sehr heimatbewusst – was sich auch bei einigen Gerichten des Abends widerspiegelte wie Schwartemagen mit Bandnudeln und Sauerkirschen. Pappert war zuletzt vor etwa 30 Jahren auf Mallorca, und zwar am Ballermann. „Damals war ich mit einer Clique hier zum Partyurlaub und habe nichts gesehen, außer Hotel, Kneipen und Strand. Jetzt bin ich begeistert. Ich habe viele Ausflüge gemacht.“ Auch eine Wiederholung oder die Rückkehr für ein nächstes Event schließt er nicht aus …
Doch Pappert ist ein schwer beschäftigter Koch. Er hat seine eigene Event- und Cateringfirma, und er ist Chefkoch in Wembley, inklusive der Three Lions Lounge, dem Hauptrestaurant des Stadions in London. Er kochte für die verschiedensten Mannschaften, bei Champions-League-Finalspielen, bei Olympia, bei sechs Weltmeisterschaften wie auch demnächst in den USA und acht Europameisterschaften. Parallel zu diesem Job war er an Fußball-freien Tagen siebeneinhalb Jahre der sogenannte Chef to the Royal Household, was nichts anderes bedeutet, als dass er Queen Elizabeth, ihren Mann Prinz Philip und andere Royals bekochte, zudem alle Empfänge und Staatsbesuche kulinarisch ausrichtete.
„In meinem Leben geschieht vieles aus Zufall. Prinz William ist Präsident der Football Association und damit mein oberster Dienstherr im Wembley-Stadion, Queen Elizabeth war Patronin des Stadions. Insofern traf man die beiden sowie den Rest der königlichen Familie nicht nur bei Fußballveranstaltungen, sondern auch bei Konzerten, Empfängen und anderen Events“, erzählt er. Ein Initialgrund für die Einladung erst im Kensington-Palast und dann in Windsor Castle zu kochen, waren seine besonders guten Fleischpflanzerl, die es Prinz Philip angetan hatten.
Mit Pep Guardiola nach England
Fleischpflanzerl deshalb, weil Pappert nach seiner Koch-Ausbildung und ersten Jobs in der Rhön-Region 2005 nach München ging und dort vor allem für die Restaurants und den Event-Bereich der Gastro-Gruppe ROK („da hab ich mich dann auch kulinarisch um das Sommerfest des Ministerpräsidenten gekümmert“) und auch in der Allianz Arena kochte. Das war sein erster Kontakt mit der Fußballwelt, denn dort kochte er für den FC Bayern München. Die Bekanntschaft des Fußballfans Pappert mit dem damaligen Trainer Pep Guardiola war so gut, dass er dem Katalanen 2016 nach England folgte, wo er kurz danach im Wembley-Stadion anfing.
Doch zurück zur Queen, was hat sie denn so gegessen? „Eigentlich ganz normal und letztlich das, was ich gekocht habe. Die Teller waren jedenfalls immer leer. Die letzten Jahre mussten wir stets bedenken, dass sie kalorienreich isst, um sie zu stärken. Wir haben sehr traditionell gekocht, ohne Schnickschnack wie Blümchen-Garnitur oder Mini-Kräuterdeko. Keine Botanik auf dem Teller war meine Devise. Was entscheidet, ist der Geschmack. Und dann können es auch Spiegeleier mit Salzkartoffeln, Spinat und Butter sein, Nürnberger Rostbratwürste von der Hoeneß-Firma oder Knödel.“ Letztere macht er in Perfektion, war er doch zeitweise im Oktoberfest-Zelt „Die Knödelei“ tätig.
Erdbeeren vom Windsor Castle
Aber Pappert war clever und führte andere Produkte ein, um die Gerichte zu verfeinern wie Holunderblütensirup oder Bärlauchpesto – beides wächst auch in England. „Zum Windsor Castle gehört ein riesiger Garten, auch mit üppigen Erdbeerfeldern, die sind in England ja besonders wichtig und nur lecker, wenn sie von den eigenen Feldern stammen und nicht aus dem Supermarkt.“ Wichtig auch für die Queen, denn sie hatte einen besonders süßen Gaumen: „Sie aß gerne Süßes wie Schokolade, Kekse oder Fruchtgummis, deshalb stellten wir überall kleine Gläschen mit Süßigkeiten hin, damit sie sich bedienen konnte.“ Und, wie Pappert erzählt, hatte sie in ihren Handtaschen auch immer etwas Süßes zum Naschen. „So wie alle Omas. Auch deutschen Christstollen und meinen Kaiserschmarrn musste ich häufiger machen.“
Damit schließt sich auch der Kreis zum Adelfas, denn neben dem eingangs erwähnten Schwartemagen, den die Queen ebenfalls gerne aß, gab es flambierten Kaiserschmarrn mit Mandelsirup und Erdbeermarmelade. Derartige, eher „kleine Events“, verglichen mit den Tausenden von Menschen, die er bei Sportveranstaltungen verköstigt, sind ein wunderbarer Ausgleich für den bodenständig gebliebenen Koch, dem der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen ist. „So etwas bringt Abwechslung, macht Spaß und – wie in diesem Fall – gab es die Gelegenheit mit einem anderen Rhöner Jung zu kochen. Ist doch ideal!“, sagt Stefan Pappert.
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