Bio, lokal, pflanzlich: Das steckt hinter dem neuen Projekt Utopik auf Mallorca
Die Kooperative Utopik in Sa Pobla setzt auf ökologisch angebautes Gemüse, pflanzliche Gerichte und kurze Vertriebswege. Hinter dem Projekt stehen drei junge Menschen mit einer gemeinsamen Vision von Landwirtschaft und Ernährung. Ein Gespräch mit dem Gründer Omar Jover

Ein Trio voller Leidenschaft für biologisches Gemüse: Omar Jover, Celia Martín-Nieto Seldas und Alex Crousnillon von Utopik. / Nele Bendgens
Eine Idee, die in Sa Pobla fast utopisch wirkt: An einem Ort, der seit den 1960er-Jahren stark von konventioneller Landwirtschaft mit chemischen Düngemitteln geprägt war, zeigt die Kooperative „Utopik“, dass ökologische Landwirtschaft möglich ist. Dahinter stehen drei junge Menschen, die sich mit ihren Idealen zusammengeschlossen haben: der Gemüsegärtner Omar Jover, die Köchin Celia Martín-Nieto Seldas und die Französin Alex Crousnillon, die sich im Trio um die Bestellungen der Gemüsekisten kümmert. Am vergangenen Sonntag (26.7.) weihten sie ihre Räume im Carrer Antoni Maura, 42, in Sa Pobla ein. Etwa 80 Personen folgten ihrer Einladung und probierten eine der vorgekochten Speisen auf rein pflanzlicher Basis.

Gut besuchte Eröffnung des Lokals der Bio-Kooperative Utopik in Sa Pobla. / Nele Bendgens
Mit dem Landleben verbunden
„Wir hatten insgesamt 160 Portionen vorbereitet, die waren komplett ausverkauft“, erzählt Omar Jover begeistert am Telefon. Der 31-jährige Biolandwirt ist der Vorsitzende der Kooperative Utopik, die derzeit nur aus drei Personen besteht. Er kam auf Umwegen zu seinem Gemüsegarten in Sa Pobla, wo er auf 2,1 Hektar – was einer Größe von ungefähr drei Fußballfeldern entspricht – ökologisch zertifiziertes Gemüse anbaut. Ursprünglich stammt er aus Alcúdia und studierte einige Jahre Agraringenieurwesen an der Balearen-Universität, schloss das Studium aber nicht ab und arbeitete stattdessen in Gastronomie- und Tourismusbetrieben in der Küche. „Aber ich fühlte mich schon immer sehr mit dem Landleben verbunden, und nach der Pandemie beschloss ich, beruflich umzusatteln und einen Garten anzulegen“, erzählt er.
Obwohl die Arbeit im Garten zeitintensiv und anstrengend sei, habe er es immer genossen, draußen auf dem Feld zu sein. Das geerntete Gemüse verkaufte er eigenständig auf lokalen Märkten: in Sa Pobla, Inca und Campanet. Dann bekam er einen Stand auf dem Biomarkt an der Plaça Patines in Palma. „Von da an habe ich nur noch dienstags und samstags dort verkauft. Das erschien mir effizienter und lukrativer“, schildert Jover. Wie der Zufall es wollte, lernte er dort Celia kennen, die als Köchin regelmäßig bei ihm einkaufte. Die beiden beschlossen, ihre zwei bereits bestehenden Projekte zusammenzuführen – das Konzept von Utopik war geboren.

Utopik vertreibt Gemüsekisten aus biologischem Anbau. / Nele Bendgens
„Die Zeit ist reif für ein anderes Verhältnis zu Ernährung, Landwirtschaft und Gemeinschaft.“
Die Philosophie hinter ihrem Projekt erweist sich als vielschichtig. Souveränität über die eigene Ernährung sehen die drei als zentralen Punkt. Ihre Kunden sollen informiert entscheiden können, was sie zu sich nehmen. „Immer mehr Menschen wollen wissen, woher ihre Nahrungsmittel kommen und wie sie produziert werden. Daher setzen wir bei Utopia auf den direkten Kontakt zum Kunden und auf eine transparente Arbeitsweise“, erklärt Jover. So verkaufen sie ihre Gemüsekisten und vorbereiteten Speisen ohne große Zwischenwege. Sie möchten die Dinge „besser machen“: ökologisch zertifiziert, lokal, kleinteilig, sozialer und bewusster. Omar Jover betont, dass es nicht nur um Bioprodukte gehe, sondern genauso um Vertrauen, Nähe und eine andere Form von Wirtschaft: „Die Zeit ist reif für ein anderes Verhältnis zu Ernährung, Landwirtschaft und Gemeinschaft.“

Utopik steht für lokales Biogemüse zu fairen Preisen. / Nele Bendgens
Gemüse in der Hauptrolle
Eine bewusste Küche gehöre zu dieser Lebenseinstellung. Utopik möchte ökologische und zu hundert Prozent pflanzliche Ernährung normalisieren, ohne sie als etwas Kompliziertes oder Elitäres zu präsentieren. „Es soll selbstverständlich werden, sich für Gemüse zu entscheiden. Das Gemüse sollte nicht mehr nur Beilage sein, sondern der eigentliche Protagonist der Gerichte“, so Jover. Ein erster Schritt in diese Richtung stand auf der Speisekarte bei der Einweihung des Lokals von Utopik. Da befanden sich ausschließlich rein pflanzliche Gerichte auf der Karte. Viele Gäste merkten aber erst beim Essen, dass zum Beispiel Traditionsgerichte wie die Fleischbällchen (albóndigas) gar kein Fleisch enthielten, sondern Erbsenprotein.

Albondigas aus Erbsenprotein anstatt Hackfleisch. / Nele Bendgens
Große Pläne und auf der Suche nach Kooperationspartnern
Das Utopik-Trio hat noch viel vor. So suchen sie Firmen, die ihren Mitarbeitern regelmäßig biologisches Essen anbieten möchten, sowie auch Kooperationspartner, die sie dabei unterstützen möchten, eine konventionelle 2,5 Hektar große Orangenplantage auch in Bioanbau zu verwandeln. Momentan produzieren sie dort jährlich 60 Tonnen Orangen und 25 Tonnen Mandarinen, für die sie noch Abnehmer suchen.
Wer Lust auf frisches Gemüse von Utopik hat, kann über WhatsApp (623-98 19 17) mit Alex auf Englisch in Kontakt treten. Die Gemüsekisten (cestas de verduras) kosten zwischen 26 und 32 Euro und können jeweils donnerstags an Abholpunkten in Palma, Pollença, Sa Pobla und Sineu mitgenommen werden. Das wöchentlich wechselnde Menü mit Gerichten auf pflanzlicher Basis bestellt man direkt auf der Website utopiksamarjal.com. Bei Abnahme von zwei Gerichten und mehr liefert Utopik die Speisen auf Wunsch auch aus. Vorerst will Utopik sein Lokal im Carrer Antoni Maura 42 in Sa Pobla nur sonntags für einen gesunden Snack öffnen.
Informationen
Utopik
Carrer Antoni Maura 42, Sa Pobla
Sonntags von 11-15 Uhr für einen gesunden Snack geöffnet.
Gemüsekisten: Kontakt über WhatsApp (Tel.: 623-98 19 17) mit Alex auf Englisch.
Wöchentlich wechselndes Menü mit Gerichten auf pflanzlicher Basis: direkt auf der Website utopiksamarjal.com bestellen.
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