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Mallorcas Weinbau im Wandel: Frühe Lese, weniger Alkohol – und eine große Sorge

Mallorca trotzt der weltweiten Weinkrise – doch die Folgen des Klimawandels sind spürbar

Die Weinlese – hier ein Archivbild von 2025 in Binissalem – hat in diesem Jahr besonders früh begonnen: am 21. Juli.

Die Weinlese – hier ein Archivbild von 2025 in Binissalem – hat in diesem Jahr besonders früh begonnen: am 21. Juli. / BINISSALEM DO

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Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Bei den Wasserreserven der Insel ist der Effekt längst verpufft. Beim Weinbau machen sich die starken Regenfälle im Winter und Frühjahr aber wohltuend bemerkbar. Die Weinbauern der Insel sind zufrieden in die neue Weinlesesaison gestartet. Zumindest vergleichsweise. Denn zwar haben die Niederschläge den Früchten Kraft gegeben, doch die unerbittliche Dauerhitze der Sommermonate hat dazu geführt, dass die Trauben eher als je zuvor gereift sind.

Früher kamen die Lesekörbe auf Mallorca erst gegen Ende August aus dem Schrank. In diesem Jahr begann die Weinlese bereits am 21. Juli. Rund 1.583 Tonnen Trauben wurden bis Anfang der Woche auf Mallorca gepflückt. Der Regulierungsrat Vi de la Terra de Mallorca rechnet damit, dass es bis zum Ende der Saison rund 5.500 Tonnen werden könnten – etwas mehr als im vergangenen Jahr, als 5.312 Tonnen gesammelt wurden.

Fruchtzuckergehalt niedrig

Chardonnay, Giró Ros, Sauvignon Blanc sind einige der Rebsorten, die als Erstes fertig geworden sind. Die Hitze sorgt dafür, dass der Fruchtzuckergehalt vergleichsweise niedrig ist. Je weniger Zucker, desto weniger Alkohol im Wein. Was nicht unbedingt schlecht sein muss. „Die Konsumgewohnheiten der Menschen haben sich geändert“, erklärt Mateu Morro, Vorsitzender des Regulierungsrats. „Es werden vor allem Weißweine und Rosés nachgefragt. Und der Trend geht dahin, dass sich die Kunden Weine mit weniger Alkoholgehalt wünschen.“

10,5 Prozent Alkohol muss ein Weißwein laut den Regularien von „Vi de la Terra de Mallorca“ mindestens enthalten. Bei Rosés sind es elf Prozent, beim Rotwein 11,5 Prozent. „Wir prüfen derzeit, ob wir den Mindestanteil je Wein um einen Prozentpunkt senken“, sagt Morro.

Sich mit solchen Fragen zu beschäftigen, erscheint fast ein Luxusproblem im weltweiten Kontext. Denn der Wein ist in der Krise. „Das liegt auch daran, dass die Weltgesundheitsorganisation in den vergangenen Jahren verstärkt gegen Alkohol vorgeht“, sagt Weinexperte und MZ-Kolumnist Jürgen Mathäß. Die Folgen sind dramatisch. „In Ländern wie Frankreich und Chile wurden bereits Zehntausende Hektar Reben ausgerissen.“

Die hohen Temperaturen der letzten Wochen führen zu einer historisch frühen Weinlese auf Mallorca. FOTO: VI DE LA TERRA DE MALLORCA

Die hohen Temperaturen der letzten Wochen führen zu einer historisch frühen Weinlese auf Mallorca. / FOTO: VI DE LA TERRA DE MALLORCA

Auch in Spanien haben einige Regionen mit Verlusten zu kämpfen, wobei der Konsum hier schon seit Jahrzehnten zurückgeht. Häufig werden hier veränderte Gewohnheiten zitiert. Nicht selten wird darauf verwiesen, dass gerade die jungen Leute lieber Bier und Mischgetränke konsumieren als Wein.

Konsum in Deutschland eingebrochen

In Deutschland sei der Konsum derweil seit den 80er-Jahren relativ stabil geblieben – bei rund 24 Liter pro Per- son –, erklärt Jürgen Mathäß. „Erst in den vergangenen drei, vier Jahren ist der Konsum eingebrochen.“ Dies habe zu einer spannenden Entwicklung geführt. „In Deutschland sinken mittlerweile die Premiumweine stärker als die Alltagsweine. Das ist in Spanien anders.“ Das führe dazu, dass zwar insgesamt weniger konsumiert wird, aber mehr hochwertige Weine getrunken werden.

Davon profitiert auch Mallorca – zumindest in der Hinsicht, dass der Absatz so stabil bleibt, dass keine Reben ausgerissen werden müssen. Rund 50.000 Hektoliter wurden laut Zahlen des balearischen Landwirtschaftsministeriums 2025 verkauft, nur 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies liegt auch daran, dass man wenig auf Exporte angewiesen ist. 82,2 Prozent des Weins von den Balearen wurde 2025 auf den vier Inseln konsumiert. Hotels und Restaurants, Supermärkte, aber auch der Direktverkauf in den Bodegas – auf den Inseln gibt es zahlreiche Absatzwege für ein sehr heterogenes Publikum.

Der Rest geht – bei deutlich sinkenden Absatzzahlen – aufs Festland und – mit zunehmender Nachfrage – ins Ausland. „Besonders Deutschland und die Schweiz sind gute Absatzmärkte“, erklärt Mateu Morro. Es seien die Urlauber, die hier Weine kennenlernen und diese auch in der Heimat genießen wollen, die den mallorquinischen Produzenten diese Märkte erschließen. „Wir hoffen, dass wir in den kommenden Jahren den Verkauf von mallorquinischem Wein dort weiter etablieren können.“

Mühevoller, aber lohnender Prozess

Eine Herausforderung besteht darin, den Kunden an neue Rebsorten heranzuführen. Auf den Balearen wird seit den 80er-Jahren daran gearbeitet, heimische Sorten zurückzuholen, die über Jahrzehnte vernachlässigt worden waren. Ein mühevoller, jahrelanger Prozess voller Experimente, wie Mateu Morro erklärt. Aber auch ein Prozess, der sich gelohnt hat. „Wir sehen jetzt, dass die einheimischen Rebsorten weitaus hitzeresistenter sind als die internationalen Sorten.“ Dies könnte dazu führen, dass die Winzer verstärkt auf Reben setzen, die dem internationalen Gast auf der Insel nicht so bekannt sind. „Die cellers sagen, dass die Weine aus heimischen Rebsorten etwas schwerer zu verkaufen sind“, erklärt Mateu Morro.

Auch für Jürgen Mathäß ist der Klimawandel die weitaus größere Bedrohung für den Weinbau als der sinkende Konsum. „Der Grundwasserspiegel sinkt beständig. Verstärkt wird dies durch den hohen Verbrauch durch den Tourismus. Irgendwann wird man sehen müssen, ob man Weinberge überhaupt noch bewässern kann.“ Langfristig sei davon auszugehen, dass die Erträge pro Hektar zurück- gehen. „Wenn es weniger Wein gibt, dann ist vielleicht auch das Absatzproblem nicht so groß.“

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